Yssensmyt uff der Salmen – 500 Jahre Eisenboom in der Eifel

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Die kleine Gemeinde Eisenschmitt, zwischen Daun und Bitburg im Salmtal gelegen, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Schon 1372 war der Ort durch seine Eisenhütten bekannt. Die Motive des Clara-Viebig-Brunnens an der Kirche stellen die Entwicklung des Dorfes und die historischen Ereignisse anschaulich dar. Die obere Ebene zeigt die Eisenschmiede, die ursprüngliche Namensgeberin des Eifelortes. Ein ergiebiges Eisenerzvorkommen, großflächige Wälder zur Gewinnung von Holzkohle für den Betrieb der Öfen und die Möglichkeit der Verhüttung durch die Wasserkraft der Salm waren ausschlaggebend für die vermehrte Ansiedlung von Hüttenarbeitern und die Gründung von „Yssensmyt uff der Salmen“.

Eisenschmitt im engen Salmtal. (Fotos: Gary Retterbush | Gemeinde Eisenschmitt)

Für die bald notwendige Vergrößerung des Dorfes gab sogar das benachbarte Kloster Himmerod Ländereien ab, was die frühe wirtschaftliche Bedeutung der Eisengewinnung und -verarbeitung verdeutlicht. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts war Eisenschmitt in der gesamten Region bekannt, immerhin lieferte man Eisenprodukte in die Städte Köln, Mainz und Düren sowie nach Trier. Mit Pferdefuhrwerken wurden die Eisenwaren an die Mosel transportiert und dort auf Schiffe weiterverladen.

Eisengewinnung von 1372 bis 1868

Die Eisenproduktion boomte und rund um Eisenschmitt entstanden weitere Eisenschmelzen, Hammer- und Schneidewerke. Viele Arbeiter kamen mit ihren Familien und ließen sich in der Region nieder. Die weitere Besiedlung des engen Salmtal, mit seinen steilen Hanglagen und feuchten, sumpfigen Tälern, war sicher kein einfaches Unterfangen.

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Im Jahr 1795 zählte Eisenschmitt bereits 950 Einwohner, 1835 lebten im großen Dorf schon rund 1.350 Menschen. Die geografischen Verhältnisse erschwerten den Menschen zusätzlich die Möglichkeiten der Landwirtschaft. Die Erträge waren karg und notwendige Lebensmittel konnten schwerlich gewonnen werden. Gleichwohl waren die Menschen in dieser Zeit genügsam, denn die Eisengewinnung stand im Vordergrund.

Rund 500 Jahre lang wuchs das Dorf Eisenschmitt beständig an, jedoch im Jahr 1868 fand der Eisenboom im Salmtal ein jähes Ende. Neue Produktionsverfahren, größere Werke und die preisgünstigere Verarbeitung von Stein- statt Holzkohle verlagerten das Zentrum der Eisenindustrie an Rhein und Ruhr. Um ihre einzige Erwerbsquelle gebracht, verließen viele Arbeiterfamilien den Ort. Ackerbau und Viehzucht blieben durch die geografischen Bedingungen schwierig, einige Eisenschmitter wurden daher Waldarbeiter oder suchten nach anderen Beschäftigungen. Arbeitsfähige Männer zogen mit der Verlagerung der Eisenindustrie zu den Stahlwerken ins Ruhrgebiet.

Abseits vom Getriebe der Welt

Der Sohn des ehemaligen Bergwerksbesitzers Hugo von Gahlen baute um 1900 auf einem Plateau mitten im Wald am nördlichen Rand von Eisenschmitt das Schloss Bergfeld. Viele der zurückgebliebenen Eisenschmitter fanden hier als Arbeiter und Dienstpersonal eine neue Anstellung. Das Jagdschloss nutzte der Unternehmer als Wohnsitz seiner Familie und er empfing hier auch seine Gäste, darunter sogar Kaiser Wilhelm II. Denn schon in der Kaiserzeit unternahm die wohlhabende Bevölkerung Ausflüge und Reisen.

Zahlreiche Sommergäste kamen und kommen noch heute in die Vulkaneifel. Ein Gast beschreibt Eisenschmitt 1926 als ein „abseits vom Getriebe der Welt liegender idyllischer, waldreicher Gebirgsort.“ Als Ferienziel ist Eisenschmitt seitdem beliebt, kann man hier doch – aufgrund der fehlenden Mobilfunkanbindung – wirklich abschalten.

Dieser Text ist Teil der ENDLICHEIFEL-Reihe: Kleine Orte – Große Geschichte(n).

Mehr Informationen zur Vulkaneifel gibt es auch hier.

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About Jeannette

Vor den Toren meiner rheinischen Heimatstadt liegt die Eifel. Die nahe Mittelgebirgsregion ist häufig Ausflugsziel und Zufluchtsort zugleich. Vielfältige landschaftliche und kulturelle Reize begeistern mich ebenso wie die lebendige Geschichte und die regionalen Spezialitäten. Bei Wanderungen in der abwechslungsreichen Natur sammle ich als Stadtmensch kreative Energie für neue Projekte.

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