Von der Eifel zum Kommunismus – 200 Jahre Karl Marx

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Karl Marx hat in der Eifel deutliche Spuren hinterlassen: rund um seine Geburtsstadt Trier und die angrenzende Eifelregion leben die meisten der rund 36.000 Namensvetter des berühmten Philosophen, denn der Name Marx zählt zu den 200 häufigsten Familiennamen in Deutschland.

Am 5. Mai 2018 feiert Trier den 200. Geburtstag des berühmten Sohnes der ältesten Stadt Deutschlands mit der Wiedereröffnung des Museum-Karl-Marx-Haus und mit vielen interessanten Aktionen. Auf dem Simeonstiftplatz wird außerdem eine 5,50 Meter große Karl-Marx-Skulptur feierlich enthüllt, die der renommierte chinesische Künstler Wu Weishan anfertigte. Die Statue ist ein Geschenk der Volksrepublik China als Zeichen der Freundschaft und der Wertschätzung an die Geburtsstadt des Denkers. Und nicht nur Trier besinnt sich auf den weltberühmten Sohn der Stadt, auch Bad Neuenahr erinnert an den Aufenthalt von Karl Marx als Kurgast im Ahrtal.

Das Geburtshaus von Karl Marx in der Brückenstraße (Foto und Titelfoto: © Trier Tourismus und Marketing GmbH)

Mit der neuen Dauerausstellung „Von Trier in die Welt – Karl Marx, seine Ideen und ihre Wirkung bis heute“ öffnet das Museum Karl-Marx-Haus nach fast achtmonatiger Schließung und umfangreichen Sanierungsmaßnahmen pünktlich zum 200. Geburtstag mit einem Festakt wieder seine Türen. Doch nicht nur hier wird das Jubiläum gefeiert: mit rund 300 Veranstaltungen ist der gebürtige Trierer im Karl-Marx-Jahr überall in der Stadt vertreten.

Das Rheinischen Landesmuseum zeigt in der großen Sonderausstellung Leben. Werk. Zeit. Den intellektuellen und politischen Werdegang des bedeutenden Denkers des 19. Jahrhunderts. Die wirtschaftlichen und sozialen Umbrüche seiner Zeit waren prägend für Marx: Freiheits- und Demokratiebestrebungen wie auch Industrialisierung und Urbanisierung finden sich in seinen philosophischen und ökonomischen Schriften wieder, die in der Ausstellung auch zu sehen sind. Darunter viele Ideen des Analytikers Karl Marx, die sogar bis heute aktuell erscheinen.

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„Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus.“

Die Gesellschaftslehre des gebürtigen Trierers wurde oft missverstanden, in sozialistischen Staaten verselbstständigten sich die Grundgedanken des Marxismus sogar. „Alles, was ich weiß, ist, dass ich kein Marxist bin“, soll Karl Marx gesagt haben, nachdem sich seine Anschauungen eines wissenschaftlichen Sozialismus nicht durchsetzen konnten.

Im dritten Band von ‚Das Kapital‘ – übrigens das meist gelesene Buch nach der Bibel – schrieb Marx vorausschauend: „Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie … den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen.“

Marx als Mensch

Dem Menschen Karl Marx und seine Familie widmet sich der zweite Teil der Sonderausstellung im Stadtmuseum Simeonstift. Die verschiedenen Aufenthaltsorte, das bewegte Leben des Gesellschaftskritikers und seine wichtigen Weggefährten im In- und Ausland zeigen Karl Marx von einer ganz persönlichen Ebene. Zeitdokumente und Lebensschilderungen beleuchten dabei die Biographie von Karl Marx. So wissen beispielsweise nur Wenige, dass sich Marx neben Wirtschaft und Gesellschaft auch mit Geologie und Mineralogie beschäftigte. Ausschlaggebend hierfür war sein Lehrer Johann Steininger am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier, der ihn schon früh für die Naturwissenschaften begeisterte und sich ebenso bei der Erforschung der vulkanischen Eifel hervortat.

Die große Landesausstellung ist in beiden Häusern bis zum 21. Oktober 2018 zu sehen. Weit mehr ist als bloße Ergänzung der Landesausstellung ist das facettenreiche Jubiläumsprogramm mit Veranstaltungen von einem internationalen wissenschaftlichen Kongress bis zum Comedy-Musical, Theaterstücken, weiteren Ausstellungen, Konzerten, Lesungen, Kunstprojekten und Installationen sowie Podiumsdiskussionen.

Auf den Spuren von Karl Marx in Trier – Stadtführer als Doppelgänger. (Foto: Michael Thielen)

Karl Marx lebt!

Eine große Attraktion in Trier sind auch die Stadtführungen auf den Spuren von Karl Marx mit Michael Thelen. Nach seiner Kindheit in einem strengen katholischen Elternhaus in der Eifel wird der Deutsch- und Englischlehrer bekennender Marxist. Schon mit 18 Jahren faszinierte ihn sein Vorbild und mit zunehmendem Alter wurde er dem Autor vom ‚Kapital‘ nach und nach immer ähnlicher. Als offizielles Marx-Double der Stadt warb er schon auf der diesjährigen Internationalen Tourismusbörse ITB in Berlin für das Karl-Marx-Jubiläumsjahr in Trier. Auch wenn seine Touren aktuell pausieren, hat Thielen nach wie vor Spaß am Leben als Doppelgänger und spielt seine Rolle gern. Nach den vielen Sonderaktionen im Marx-Jubiläumsjahr freut er sich, wenn er Touristen das Leben des Wissenschaftlers und Philosophen wieder näherbringen und Marx auch als Menschen darstellen kann.

Auf den Spuren von Karl Marx, Dichtung und Wahrheit, Begegnungen mit Karl Marx in den Gassen von Trier, Der Nachtwächter und die Revolutionäre oder wie der Wein Karl Marx zu, Kommunisten machte sind weitere Themen der Stadtführungen in Trier anlässlich des Jubiläumsjahres.

Außerdem kann jeder Gast der Moselstadt mit einem interaktiven Stadtführer auf Entdeckungsreise durch Trier gehen und sich über eine Smartphone-App zu den historischen Wirkungsstätten des bedeutenden Denkers leiten lassen. Eine kurze Tour führt zu den fünf wichtigsten Schauplätzen von Karl Marx, die vollständige Tour zeigt zwölf zentrale Stationen aus dem Leben des bedeutenden Denkers.

Zur Kur nach Bad Neuenahr

Mit 18 Jahren verließ Marx seine Heimatstadt Trier. Er studierte Rechtswissenschaften in Bonn, später Philosophie und Geschichte in Berlin. Nach den bewegten Zeiten der Februarrevolution 1848 in Frankreich und der deutschen Märzrevolution im selben Jahr herrschte in ganz Europa politische Erschütterungen. Marx arbeitete in Paris und Brüssel, bevor es ihn nach Köln zog, wo er ein revolutionärer Führer der preußischen Rheinprovinz wurde. Doch der Aufstand wurde niedergeschlagen und Marx lebte fortan im Exil in London.

Karl Marx litt an verschiedenen Erkrankungen, nach Deutschland kam er nur noch zu diversen Kuraufenthalten. Im Jahr 1877 reiste er das letzte Mal in seine Heimat. Zu dieser Zeit verweilte Karl Marx mit seiner Frau und der jüngsten Tochter für eine dreiwöchige Kur im Hotel Flora in Bad Neuenahr. Der Kurgast machte einige Ausflüge in die nähere Umgebung, seine Wege zeichnet jetzt eine Karl-Marx-Führung in Bad Neuenahr nach. Gästeführer Werner alias Karl Marx nimmt die Teilnehmer vom Hotel Flora, dem heutigen Rathaus der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, mit zum Kurpark und in die Konzert- und Trinkhalle, um dort das Heilwasser zu probieren. Der „Große Sprudel“ liefert seit 1865 das Heil- und Thermalwasser für den Kurort Bad Neuenahr-Ahrweiler. Mit den hiesigen Trinkkuren konnte Marx seine Leiden, wie eine Kehlkopfentzündung, zunächst lindern. Nach seinem Kuraufenthalt kehrte Karl Marx nach London zurück, dort verstarb er 1883.

Mehr zu Leben und Werk von Karl Marx gibt es hier.

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About Jeannette

Vor den Toren meiner rheinischen Heimatstadt liegt die Eifel. Die nahe Mittelgebirgsregion ist häufig Ausflugsziel und Zufluchtsort zugleich. Vielfältige landschaftliche und kulturelle Reize begeistern mich ebenso wie die lebendige Geschichte und die regionalen Spezialitäten. Bei Wanderungen in der abwechslungsreichen Natur sammle ich als Stadtmensch kreative Energie für neue Projekte.

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