Das Verschwinden der Eifelvulkane

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Hunderte von Vulkankegeln gibt es in der Eifel – doch es werden immer weniger. Seit Jahrzehnten verschwindet eine Vulkankuppe nach der anderen aus dem Landschaftsbild, zurück bleiben große Krater in einer veränderten Landschaft. Die Landschaft der Osteifel rund um den Laacher See und die Pellenz hat sich bereits erheblich verändert, die vulkanische Westeifel zwischen Bad Bertrich und Jünkerath erscheint noch unberührter, aber große Veränderungen drohen auch ihr.

Eppelsberg bei Nickenich – nicht ungefährlich am oberen Rand der Steinbrüche. (Foto: Autor)

Nicht natürliche Erosion ist die Ursache für das Verschwinden der Schlackenkegel, sondern der Lavaabbau sorgt dafür, dass in der Osteifel bereits ganze Vulkangruppen wie die Wannenköpfe verschwunden sind, der Rother Berg, der Plaidter Hummerich und der Eppelsberg sind weg. Überwiegend wird das Material zum Straßenbau verwendet, aus Vulkan wird Autobahn. Der Vulkanismus in der Eifel gilt noch als aktiv, es gilt auch als sicher, dass wieder Vulkane ausbrechen werden, nur wird das nicht zur Erneuerung der knapper werdenden Ressourcen reichen, zumal zu hoffen bleibt, dass die nächsten Vulkanausbrüche sich noch eine Weile Zeit lassen. Auch in der Westeifel sind bereits einige früher hundert und mehr Meter hohe Bergkuppen verschwunden, bspw. der Wartesberg bei Strohn, heute noch ein Krater.

Vulkanologen lieben die viele teils weggebaggerten Eifelvulkane. (Foto: Autor)

2011 legte das Landesamt für Bergbau und Geologie einen neuen Raumnutzungsplan vor, der die Bevölkerung alarmierte. Weitere Flächen sollten dem Abbau zur Verfügung gestellt werden, bereits stillgelegte Bergbaubetriebe könnten wieder aktiviert werden, große Flächen dienen als Vorhalteflächen für den Abbau in den kommenden Jahrzehnten. Die Bevölkerung hat Angst, dass sich die schöne Landschaft der Vulkaneifel deutlich verändert.

Lava ist ein hochwertiger Rohstoff, der möglichst sparsam eingesetzt werden sollte. Ein intensiver Abbau der Ressourcen zur schnellstmöglichen Gewinnoptimierung vergeudet diese wertvollen Ressourcen. Allerdings, das Material wird gebraucht, Lava ist ein wichtiges Material für den Straßenbau und niemand möchte auf gute Straßen verzichten. Sehr wichtig wäre der Einsatz von recyceltem Material, das in vielen Fällen ausreichend zur Verfügung steht, Politik und Verwaltung setzen sich aber nur sehr beschränkt für die Verwendung von recyceltem Material ein, oftmals wird der Einsatz sogar abgelehnt, obwohl es ausreichend Material gibt. Die Lavavorkommen Deutschlands sind groß, aber nicht endlich und es sollte sorgsam damit gewirtschaftet werden.

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Inwieweit zählt denn der Faktor Arbeitsplatz? Auch in großen Steinbruchbetrieben arbeiten nur wenige Mitarbeiter. Das Kapital der Eifel ist ihre Natur, ihre Landschaft, ihre frische Luft, ihre Bäche, die Eifel ist Urlaubs- und Tourismusregion. Nicht umsonst wirbt die Westeifel mit dem Begriff „Gesundland Eifel“, die Eifel sollte sich nicht zum „Krankland“ entwickelt. Der Tourismus ist für die Eifel ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, den es zu bewahren gilt – die Anzahl der Beschäftigen im Tourismus ist deutlich größer als die Anzahl der Beschäftigen in der Rohstoffindustrie.

Eifelvulkanismus ist ausgesprochen wichtig für den Tourismus und kann auch für Kinder richtig spannend sein. (Foto: Autor)

Bergbaufolgen allerdings erfreuen auch den Touristen. Aufgegebene Steinbrüche sind wichtige touristische Ziele, Infotafeln überall, die Deutsche Vulkanstraße läuft quer durch die Eifel, in Mendig zählt das Museum Lavadome hunderttausende Besucher, die nur wegen der einst abgebauten Lavamassen und Lavaströme dorthin kommen. In Strohn wird im Vulkanhaus Strohn eine riesige Lavaspalte gezeigt, die beim Lavaabbau des Wartgesbergs geborgen wurde. Auch eine gewaltige Lavabombe aus dem Wartgesbergvulkan ist ein touristischer Magnet für die Ortschaft. Die Geologen und Vulkanologen lieben den Bergbau, der ihnen einen Blick in die inneren Teile der Erde erlaubt. Ein zur Hälfte abgegrabener Vulkan wie der Eppelsberg bei Nickenich ist für jeden Geologen ein Traum. Jedes Wochenende drängen zahlreiche Mineraliensammler in die Eifelvulkane. Aufgelassene Steinbrüche sind heutzutage oftmals wertvolle Biotope, hier siedeln seltene Pflanzen, hier flattern Schmetterlinge, die auf den kargen Flächen Lebensräume finden, die ihnen die Eifelwälder niemals geben würden. In Tümpeln leben Amphibien, in den Felsen Eidechsen, in großen Steinbrüchen brüten Uhus.

Bestes Fenster ins Innere eines Vulkans – Rockeskyller Kopf bei Gerolstein. (Foto: Autor)

Der Abbau der Vulkane hat schwerwiegende negative Folgen, aber auch zahlreiche positive Aspekte. Sorgen machen sich auch die Mineralwasserbrunnen, die Qualität der wertvollen Mineralwässer können durch den Bergbau geschädigt werden.

Zweischneidig sind auch ganz eindeutige Umweltschutzsiegel, bspw. der Blaue Engel, der für das Produkt Lavasplitt verliehen wurde. In den Städten und Gemeinden, in den bei Glätte und Schneefall Lavasplitt statt Salz gestreut wird, bedeutet das fehlende Salz eine Schutzmaßnahme für das Trinkwasser und Pflanzengesundheit. Aber: Lavasplitt wird aus Basalt hergestellt, Basalt, das sind erkaltete Lavaströme. Die Gewässerschutzmaßnahme auf der einen Seite geht also mit Landschaftszerstörung und Umweltbelastung auf der anderen Seite einher.

(Titelbild: Rother Kopf bei Gerolstein, statt des einstigen Vulkankegels nur noch ein tiefes Loch. Foto: Autor)

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About Sven von Loga

Sven von Loga hat schon als Schüler in der Eifel nach Fossilien und Mineralien gesucht. Er studierte Geologie und befasst sich seither mit dieser Wissenschaft und dem Vulkanismus der Eifel. Wann immer Zeit ist, ist er in der Eifelregion unterwegs, sucht interessante Lokalitäten, wandert und fotografiert. Er ist Leiter zahlreicher GeoExkursionen, Autor vieler Zeitungsartikel und einiger geologischer Wanderführer über die Eifel.

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