Honig Gläser Imkerei

Thomas Körsten – Bio-Imker, Bassist, Bluessänger

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Neroth ist ein Dorf, in dem Querdenker leben: Findige Dorfbewohner arbeiteten gegen ihre Eifeler Armut an, indem sie Mausefallen bauten und mit ihnen europaweit hausierten. Der hier gegründete Jugendbund Nerother Wandervogel galt bei den Nazis als links und wurde 1933 aufgelöst. Und heute ist hier einer der ganz wenigen zertifizierten Bio-Imker der Eifel zu Hause: Thomas Körsten. Seine rund 220 Bienenvölker bringen die süße Grundlage für fünf Sorten Honig in die Waben. Außerdem ist er als Autodidakt Bluesmusiker aus Passion, nämlich Sänger und Bassist Õyez Blues Band.

imkerei-ko%cc%88rsten-2454Wer Thomas Körsten beim Arbeiten mit seinen Bienenvölkern beobachtet, wundert sich: Er hantiert mit seinen Honiglieferantinnen nicht im Schutzanzug, sondern ganz normal gekleidet. „Ab und zu werde ich auch gestochen“, gibt er zu, „aber meine Bienen sind durch 25 Jahre Selektion alle auf Friedfertigkeit geeicht.“ Die Bienen leben quasi im Matriarchat, die Mütter vererben wesentliche Eigenschaften weiter. Die Väter, die zumeist aus einem benachbarten Volk stammen, wurden von Körsten ebenfalls mit viel Geduld zu weniger Aggressivität gezüchtet. „Aber wichtig ist natürlich auch, wie man als Mensch mit den Tieren umgeht. Je gelassener und ruhiger man selbst ist, desto weniger wird man als Bedrohung wahrgenommen und desto weniger wird man von den Bienen attackiert.“

imkerei-ko%cc%88rsten-2458Seine fleißigen und friedlichen Bienen passen zu seinen eigenen Grundhaltungen. Nachdem er seinen Traumberuf bei einer großen Eifeler Imkerei erlernte und zudem auf ökologische Erzeugung umschwenkte, engagierte er sich jahrelang immer wieder auch in Imkerprojekten etwa auf Samoa oder den Fidschi-Inseln, die der nachhaltigen Entwicklungshilfe dienen. In seinem eigenen Betrieb in Neroth bietet er einen Platz für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr an. „Vom Eine-Welt-Gedanken bin ich nach wie vor überzeugt“, sagt Körsten. „Es reicht jedoch nicht, den Menschen in den betroffenen Ländern einfach Bienenvölker vor die Nase zu stellen und zu sagen ‚macht mal, damit könnt ihr Geld verdienen‘. Man muss die Leute gut auswählen, die als Imker geeignet sind, und gut ausbilden.“ In Schulen der Eifel klärt er Kinder und Jugendliche über die Bedeutung der Bienen und der Imkerei auf und gibt ihnen Blumensamentütchen mit: „Von April bis September sollte in jedem Garten etwas blühen, die Bienen brauchen das.“

Wie wichtig Bienen überall auf der Welt sind, wird der Öffentlichkeit angesichts des Bienensterbens und der damit einhergehenden Gefahr für viele Bereiche von Landwirtschaft und Obstbau allmählich bewusst. „Darum arbeite ich auch rein biologisch, was jedoch immer schwieriger wird, da ein solches Bienenvolk rund drei Kilometer Abstand zu konventionell bewirtschafteten Flächen mit schädlichen Herbiziden und Pestiziden halten muss.“ Seine 220 Völker stehen in Zehnergruppen zwischen Bernkastel-Kues und Gerolstein. Nicht nur die Nahrungsquellen der Bienen müssen ökologisch unbedenklich sein, auch die Bekämpfung der Varroamilben geschieht bei Thomas Körsten rein ökologisch.

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Das Imkern betreibt er als Profi, beim Musikmachen ist er Autodidakt mit viel Talent und Herzblut, aber ohne ausgefeilte Notenkenntnisse. Was zählt, ist der Klang. In der legendären Dauner „Backstuw“ und in der nicht minder berühmten „Tonis Disco“ in Gillenfeld wuchs seine Begeisterung für Blues und Rock. So gründete er gemeinsam mit anderen vor über dreißig Jahren die Õyez Blues Band, die bis heute rund zehn Mal pro Jahr in der Region Liveauftritte hat und ihre Fans nach wie vor mit teils selbst komponierten Songs oder mit Coverversionen erdiger Bluesklassiker vom Hocker reißt. Körsten sorgt dabei als Sänger und Bassist für furiosen Drive. Die Band bringt echten „schwarzen“ Südstaatensound ohne Schnörkel, wie es die Rolling Stones in ihren Anfängen konnten. Geprobt wird in Hontheim neben dem „Schuhbaum“ in einem ehemaligen Kasernengebäude. „Da können wir uns so richtig austoben“, sagt Thomas Körsten. Vorbei die Zeiten, als man den heimischen Keller eines Bandmitglieds mit Eierkartons auskleiden musste, um für eine gute Akustik und für möglichst leise Töne in Richtung Nachbarschaft zu sorgen.

 

www.eifelimker.de

http://www.oyez-bluesband.de/

mm

About Angelika

Ich lebe seit mehr als 30 Jahren gern und gut in der Eifel. Sie ist nicht nur eine wunderbare Naturlandschaft, sondern ein großer Freiraum für Entdecker, Querdenker und Kreative. Ich finde, das sollten noch mehr Menschen wissen. Aber bitte nicht zu viele ;-)

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