Thomas Knauf – Mann am Feuer

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In Duppach in der Vulkaneifel steht die „Erlebnisschmiede“ von Thomas Knauf. Für den 54-Jährigen ist sie mehr als ein Hobby. Er führt eine uralte Familientradition fort.

Der Schmied am Feuer

Der Schmied am Feuer

In kurzen 15 Minuten ist die Maus fertig. Klar erkennbar sind ihr Körper und der lange Schwanz. Die Maßstäbe stimmen. Nur: das Tierchen ist nicht lebendig und aus Knochen, Haut und Fell – sondern aus Stahl und mausetot. Thomas Knauf begutachtet kritisch das Ergebnis seiner Arbeit. Dass die Größenordnungen realistisch sind, ist ihm dabei besonders wichtig: „Man bemüht sich schon um eine gewisse Perfektion“, meint der Schmied, der im Hauptberuf Industriemeister ist, und das Handwerk nur zum privaten Zeitvertreib ausübt. Tatsächlich aber hat Knauf mit dem Bau seiner Schmiede 2012, originalgetreu, wie es sie über Jahrhunderte in vielen Eifeldörfern und auch im kleinen Duppach gab, eine große Tradition im Dorf fortgeführt.

Schon die Römer schmiedeten in der Eifel, wie Funde römischer Schlackereste bewiesen haben. Als Hufschmiede sind die Spezialisten auch heute noch gefragt. Doch dann reisen sie aus dem weiten Umland in die Region zu den Pferdebesitzern als ambulante Helfer an. Schmiedekünstler und Idealisten wie Thomas Knauf sind hingegen selten. Knauf kann sich erinnern, dass es noch in seiner Kindheit anders war: „Hier in Duppach gab es sogar zwei Schmiede“. Einer davon war in der Nachfolge des Großvaters sein Vater. Mit Feuer und Glut und dem Klang des Hammerschlags auf den rot glühenden Stahl bei der Formung auf dem Amboss ist Thomas Knauf aufgewachsen.

1000 Jahre lässt sich der Beruf des Schmieds in seiner Familie, die einst aus Ostbelgien eingewandert war, zurückverfolgen. Das Familienwappen zeigt einen mittelalterlichen Schwertknauf aus Stahl. 1968 schloss Knaufs Vater die Arbeitsstätte. Das Gebäude jenseits des Dorfbachs hinter dem Wohnhaus wurde 2000 abgerissen. Das bedeutete allerdings nicht das Ende einer große Tradition. Denn für Thomas Knauf war klar, „dass ich das alte Werkzeug nicht verschrotten wollte. Ich habe es mir gesichert.“

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2012 baute er die kleine Werkstatt hinter dem Wohnhaus wieder auf, gefördert mit LEADER-Mitteln der Europäischen Union. Amboss und Esse, die zentralen Arbeitsplätze in der Werkstatt des Schmieds, sind an die hundert Jahre alt, den Schmiedehammer des Vaters hat der Sohn ebenfalls noch – wenn er ihn auch nicht mehr benutzt. So bleibt in Duppach ein einst in der Eifel weit verbreitetes Handwerk lebendig. Es ist auch sein Handwerk, das Thomas Knauf professionell gelernt hat.

Und jetzt geht es zur Praxisdemonstration. Thomas Knauf öffnet die Werkstattür. Mit Fichtenspänen und etwa Haselnuss großen Kohlekörnern wird in der Esse alles vorbereitet, ein Brandbeschleuniger bringt nach dem Entzünden schnell die ersten Flammen. Mit dem Steuerrad des Blaskastens wird das Feuer reguliert, bis die geeignete Schmiedetemperatur von 950 bis 1000 Grad Celsius erreicht ist.

Thomas Knauf

Thomas Knauf

Und dann geht alles sehr schnell. Sobald der Rohling rot aufglüht, nimmt ihn Knauf mit der Zange sofort vom Feuer. Mit wuchtigen, genauen Schlägen, bei denen Stärke und Genauigkeit das Maß aller Dinge sind, entsteht in mehreren Arbeitsgängen die gewünschte Form. Schmiede sind von Natur aus bekanntlich eher robuste Typen, die aber im entscheidenden Formmoment am Amboss blitzschnelle Filigrantechniker sein müssen. Zum Schluss wird die Form im Feuer gebogen, überflüssiges Eisen abgeschlagen, die Form im Wasser abgekühlt und danach mit Leinöl gegen Verrostung gestrichen.

In seinem Wohnzimmer hat der Duppacher Spezialist für Feuer und Eisen eine ganze kleine Galerie seiner aus dem Feuer gewonnenen Schöpfungen stehen. Ein paar der Mäuse sind natürlich auch dabei. Nur wenn man einen dieser Nager in die Hand nimmt, merkt man am Gewicht, dass es sich nicht um possierliches Stoffspielzeug handelt. Sie wirken eben täuschend echt. Und wie viel körperlich schwere Arbeit dahinter stecken kann, das ahnt man nicht.

Wer den Schmied bei der Arbeit erleben, und sich auch mal selbst am Amboss versuchen will, ist ihm herzlich willkommen. Es muss ja nicht gleich eine ganze Maus sein. Die Duppacher „Erlebnisschmiede“ ist für Besucher nach Voranmeldung geöffnet.

INFO

Erlebnisschmiede Knauf
Maifeldstraße 22
54597 Duppach
Geöffnet von April bis Oktober
dienstags ab 17 Uhr, samstags ab 14 Uhr
Vorherige Anmeldung erforderlich!
Zusatztermine nach Vereinbarung
Besuchergruppen: bis 12 Personen
Tel.: 06558/1260
kontakt@erlebnisschmiede-knauf.de
www.erlebnisschmiede-knauf.de

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About Stefan

Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

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