Schön & besonders: Unsere Top-5 Eifeldörfer (1)

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Mut muss man haben um aus Hunderten von Eifeldörfern die fünf auszuwählen, die uns einfach am besten gefallen. Wir kennen ja auch nicht alle zwischen Koblenz, Trier, Aachen und Bonn. Trotzdem: hier die Plätze 5-3. Ihr Lieblingsdorf fehlt? Das kann gut sein. Wie heißt es, und warum gehört es in unser Ranking?

Das Willibrord-Denkmal an der Pfarrkirche von Waxweiler.

Platz 5: Waxweiler
Eifelkreis Bitburg-Prüm, Südeifel

Die Hauptstraße von Waxweiler heißt bei den Waxweilern eigentlich nur „Lange Jaass“ und das ist sie ja auch. Von oberhalb des Ortskerns – von der Brücke an der Durchgangsstraße kann man die malerische Lage des Zentrums von Waxweiler am Prümufer gut erkennen – schlängelt sie sich hinunter. Blickfang ist natürlich die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, die auch „Südeifel-Dom“ genannt wird und im Innern eine festliche moderne Ausmalung hat. Für die Einen gewagt, für die Anderen aber genau richtig. St. Johannes ist schließlich die Kirche, in der am Pfingstmontag die Echternach-Pilger den morgendlichen Segen vor Beginn der Wallfahrt erhalten. Vor der Kirche steht die Statue von Willibrord, dem Eifel-Missionar, der einst die Tradition der Pilgerschaft zur Echternacher Springprozession begründete.

Doch Kirche und Brauchtum ist in Waxweiler, dessen Karneval einen legendären Ruf hat, nicht alles. Unterhalb des Gotteshauses ist das Devonium. Hier kann man Erdgeschichte anschaulich vermittelt erleben. Im historischen Gemäuer des „Haus des Gastes“ direkt daneben gibt es alles Wissenswerte zu Wanderwegen im Umkreis, zu Übernachtungsmöglichkeiten, oder wie man ein Häuschen im vor dem Ort gelegenen „Campingpark Waxweiler“ reservieren kann.

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Waxweiler war einst eigenes Amt mit Gerichtsbarkeit und anderem mehr. Die Zeiten sind länger vorbei – aber der Ort mit 1055 Einwohnern ist immer noch mehr als nur ein größeres Dorf. Es gibt einen Verbrauchermarkt, Bank, Tankstelle – und ein kleines Gastronomie-Angebot. Der Tourismus spielt in Waxweiler, das im Naturpark Südeifel liegt und sich „Blumenstädtchen“ nennt, eine Rolle. Da passen schmuck restaurierte Barockhäuser wie zum Beispiel ganz am unteren Ende der „Lange Jaass“ bestens dazu.

Das barocke Wasserschloss in Eicks – Endpunkt einer kleinen 3-Dörfer-Tour.

Platz 4: Drei auf einen Streich: Hostel-Glehn-Eicks
Kreis Euskirchen, Stadt Mechernich

Ganze vier Kilometer liegen zwischen diesen drei Dörfern im sanft gewellten „Wilden Westen“ von Mechernich, die man am besten von der B 266 (Abfahrt: Hostel/Hergarten) erreicht. Zweimal viel Fachwerk – und zum guten Schluss Barockes am Wasser: das gibt es so nah beieinander nicht so häufig in der Eifel. In Hostel – 250 Einwohner – liegen Bauernhöfe aus dem 17. Jahrhundert rund um den einstigen Dorfanger, dem heutigen Frankenring. Die original erhaltene Inschrift an der Fassade an einem herrschaftlichen Hof von 1682 erzählt im damaligen gebrochenem Deutsch wer der Besitzer des Anwesens war und wer der Erbauer. Über der Eingangstür wird das Ganze vorsichtshalber noch einmal zusammengefasst. Zum Dorf gehört die Kapelle „Zu den Heiligen Mauren“, die im Jahr 1492 erstmals erwähnt wurde. Im Langhaus der Kapelle zwischen romanischem Turm und gotischem Chor  von 1696 wurden mittelalterliche Malereien freigelegt.

Nur einen Kilometer weiter, und nach einer weiteren grünen Talsenke, von denen es hier genügend gibt, ist Glehn die zweite Station. In der Ortsmitte thront das traditionsreiche „Gasthaus zur Post“ – natürlich mit Fachwerkfassade. Ein Eifeler Dorfgasthaus hat einen „Saal“ – der ist hier allerdings im Obergeschoss. Kurios. Glehns Fachwerkschätzchen – eins sogar mit blauem Fachwerk – stehen am historischen Frohnhof bei der Pfarrkirche St. Andreas mit einem Turm aus dem 12. Jahrhundert. Im Pfarrhaus wurde sogar ein Verlies entdeckt.

Schlusspunkt dieser 3-Dörfer-Tour, die auch auf einem Radwanderweg zu absolvieren ist, ist Eicks mit dem weithin bekannten spätbarocken Wasserschloss im Bruchbachtal unterhalb des LVR-Freilichtmuseums. Die ältesten Gebäude des in leuchtend gelb gestrichenen Gemäuers stammen aus dem 14. Jahrhundert. Schloss Eicks ist seit rund 500 Jahren im Familienbesitz und gilt als eines der hübschesten Beispiele dafür, wie der Rheinische Landadel einst lebte – und noch lebt. Vorbei an einer barocken Nepomukstatue auf der alten Brücke über den Bruchbach blickt man frontal aufs Schloss, das für Events geöffnet ist. Etwa zu den „Country Homes“. Dann bevölkern Aussteller und mehrere hundert Besucher den Schlosspark oder besichtigen den „Gelben Saal“.

Die Kerpener sind gesellig. Ihr kleiner Burgflecken ist ein beliebtes Ausflugsziel. Im Karneval besuchen die Eifeler Jecken selbstverständlich die „Kollegen“ im wesentlich größeren Kerpen im Rhein-Erft–Kreis und umgekehrt.

Platz 3: Kerpen
Landkreis Vulkaneifel

Die Fritz-von-Wille-Straße und ihre Nebengassen bilden unterhalb der markanten Burg das historische Zentrum von Kerpen. Eine Idylle, in der die Nachbarschaft noch funktioniert und es sich einfach gut leben lässt. „In oser Eck“ heißt der Ortskern im Dialekt. Das Grab des Eifelmalers  Fritz von Wille ist im Wald oberhalb der Burg Kerpen zu finden, die heute auch eine kleine Gastronomie vorhält. Unterhalb der Burg bilden abgehende Gassen und Winkel das Viertel.

„Am Hermesturm“  steht auf der linken Seite ein lange Jahre sichtbar verfallenes Häuschen, eng an die Reste der ehemaligen Schutzmauer geschmiegt. Das Kerpener „Spukhaus“ wirkt auffällig unauffällig. Erbaut wurde es um 1850, wie viele Häuser drum herum. Adresse eines Krämerladens. 1908, so die Legende, geschah im Kaufladen Merkwürdiges: Die Erbsen seien aus den Gläsern gesprungen, auch die Socken aus dem Wäschekorb. Drei Tage lang sei das so gegangen. Ein Erdbeben löste den Spuk nicht aus. Um 1920 jedenfalls stand das „Witschhaus“, so der Dialektausdruck, leer. Nachher gab es wechselnde Besitzer, aber das Gebäude wurde nicht mehr bewohnt. Vor drei Jahren hat ein Architekt aus Bonn das Spukhaus“ gekauft. Kennt er den Ruf, den das Häuschen hat?

Die Gasse „Am Hermesturm“ ist ein gutes Beispiel dafür, warum die Gemeinde Kerpen 1982 mit einer Schutzsatzung zum Erhalt des alten Dorfbildes Recht hatte. Damals wurden Fenstergrößen, dunkle Dacheindeckungen, heimischer Stein als Baumaterial vorgeschrieben. Das einst landwirtschaftlich geprägte Dorfzentrum, mit einem Misthaufen vor praktisch jeder Haustür, hatte sich gewandelt. Die Optik der alten Höfe und Ökonomiegebäude im Trierer Einhaus-Stil sollte aber bewahrt werden, „sonst sähe es heute hier Kunterbunt aus“, ist sich der langjährige Bürgermeister Rudolf Raetz sicher.

Kerpen, dessen Weihnachts- und Handwerkermarkt in der Vulkaneifel weithin bekannt sind, ist eines von vielen schmucken Dörfern zwischen Gerolstein, Hillesheim und Daun geworden. Dass in „ose Eck“ neben dem historischen Gerichtshaus der Pranger des Burgfleckens steht – nun ja. Die Verurteilten durften einst nur mit einem Bein in der Fußfessel auf einem Stein stehen, das andere auf der Straße. Rutschte der am Pranger Stehende ab, griff sofort die Halsfessel zu.  Kerpen liegt eben auch in der Krimilandschaft Eifel.

Teil 2:  Wer hat es an die Spitze geschafft? Das Ergebnis am kommenden Dienstag, 5. September.

Titelbild: Fachwerk in Hostel (Detail)

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About Stefan

Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

One thought on “Schön & besonders: Unsere Top-5 Eifeldörfer (1)

  1. Schalkenmehren am Maar, naturnah, ruhig, Platz für Familien, schöner Fachwerkordskern, gute Anbindung an Verkehrswege und Einkaufsorte, herrlich erholsam zu jeder Jahreszeit, viele Vereine, schöne Kirche

    „einfach wunderbar leben mitten im Vulkankrater“

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