Ostern in der Eifel

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Wo Raffer und Läufer den Schnellsten suchen:
Osterbräuche haben in der katholisch geprägten Eifel eine lange Tradition. Osterbäume, Ostereierschießen – oder auch die bekannte „Eierlage“ von Schönecken. Die allerdings hat nicht unbedingt christliche Ursprünge.

Ein Ostereierbaum auf dem Hahnplatz in Prüm. So ist es Tradition, auch wenn der Platz derzeit umgebaut wird und eine große Baustelle ist.

Einer der bekanntesten Stadtplätze der Region ist der Hahnplatz in Prüm, der derzeit vor allem deshalb von sich reden macht, weil er komplett umgebaut wird. Eine Baustelle erstreckt sich vor der zweitgrößten Hallenkirche des Bistums Trier, der St. Salvator-Basilika. Und mitten auf dem künftigen neuen Kreisverkehr davor steht seit einigen Tagen ein Baum. Er ist prächtig mit gelben Bändern und bunten Eiern geschmückt. Im katholischen Prüm fällt der traditionelle Ostereierbaum nicht deshalb aus, weil am angestammten Platz gerade die Bagger fahren. Dann bitte für einige Wochen drum herum.

Bunte Ostereier an Sträuchern oder Bäumen – das sieht man in den Eifelorten wie in allen katholisch geprägten Gebieten Deutschlands in der Osterzeit überall. Früher wurden Eier zum Auferstehungsfest Christi vor allem rot gefärbt, so der Eifeler Heimatforscher Joachim Schröder: „Der roten Farbe schrieb man eine besondere Schutz- und Lebenskraft zu.“ Weshalb bis vor wenigen Jahrzehnten in der Westeifel auch die Bezeichnung „Rukk Ustern“ – „Rote Ostern“ – gebräuchlich gewesen sei, so Schröder.

Die Bezeichnung ist heute so gut wie vergessen. Das gilt wohl auch für das früher nicht nur in der Westeifel übliche „Eierpicken“ und „Eierschattern“. So wurden Wettspiele genannt, bei denen es darum ging, mit seinem hart gekochten Ei am Ende die der anderen Mitspieler „angeschlagen“ zu haben. Nur das eigene Spielgerät blieb unversehrt und brachte den Sieg.

Eher spielerisch geht es auch beim Ostereierschießenetwa in Wahlen, in Bitburg, in Kottenheim oder in Plaidt in der Osteifel zu. Die Teilnehmer schießen auf die Ringe-Scheibe, etwa bei der St. Sebastianus Schützenbruderschaft in Bitburg. Wer die meisten Ringe hat, erhält die meisten der gefärbten Eier.

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Ein besonderer Brauch endet zwar an Karfreitag, gehört streng genommen aber zu den Osterbräuchen dazu. Alle fünf Jahre werden im kleinen Wallersheim die „Passionsspiele“ veranstaltet.  Nicht so bekannt wie der große „Bruder“ in Oberammergau, aber auch hier ausschließlich mit Darstellern aus dem Ort. Der nächste Termin ist 2018.

Ein Spektakel aus vorchristlicher Zeit ist das „Osterfeuer“, das etwa in der Ahreifel jährlich einige hundert Besucher anlockt. Was im Frühjahr aus den Gärten an Grünabfall am Feuerplatz aufgehäuft worden ist – gelegentlich ist auch der Weihnachtsbaum vom Vorjahr noch mit dabei – wird in der Nacht zu Ostersonntag verbrannt.

 

Wer wird schneller sein? „Raffer“ und „Läufer“ vor dem Start bei der Schönecker „Eierlage“ im vergangenen Jahr.

Dass die Schönecker „Eierlage“ jemals nicht stattfinden könnte – für André Steevens ist das undenkbar. Er ist Hauptmann der altehrwürdigen Junggesellensodalität des Burgfleckens. „Wir sind schließlich die Urheber der Eierlage“, so Steevens selbstbewusst. 1764 ist der erste schriftliche Nachweis der „Eierlage“ am Mittag des Ostermontags dokumentiert. „Wir gehen davon aus, dass es ihn aber schon seit 1500 gibt“, so der Traditionswahrer.

Der Sage nach wollten vor 517 Jahren die Junker, die den adligen Herren auf der Burg oberhalb von Schönecken dienten, wissen, wer ihrer zivilen Helfer aus dem Dorf denn der Schnellste und Tüchtigste sei. Es entstand ein Wettkampf der besonderen Art, der  – bis auf Kleinigkeiten – bis heute unverändert fortgeführt wird. Bis zu 800 Zuschauer wollen dabei sein.

Zeitgleich starten ein „Raffer“ und ein „Läufer“ am Burgmannenhaus aus dem späten 17. Jahrhundert in der Von-Hersel-Straße im alten Ortskern Schöneckens. Das Pärchen hat sich am Palmsonntag mit zwei anderen Duos bei einer Versteigerung der „Eierlage“ durchgesetzt. „Dabei steigern wir runter, von 25 Euro in 50-Cent-Schritten, bis wir von der Junggesellensodalität den Eindruck haben, dass drei geeignete Paare übrig bleiben“, so Hauptmann Steevens zum Prozedere. Nach Beratung in der historischen „Stuff“ des Burgmannenhauses, das auch Vereinslokal ist, wird das aktuelle Eierlagepaar verkündet.

Im exakten Abstand einer Elle werden die 104 rohen Eier für den „Raffer“ vom Vorstand der Junggesellensodalität Schönecken ausgelegt.

Die beiden müssen nun bis zum Ostermontag 104 rohe Eier bei den Schöneckern erbitten – die Hauptbestandteile der „Eierlage“. Im Abstand von einer Elle, das sind 62,5 Zentimeter, werden die „Rohlinge“ auf Von-Hersel-Straße ausgelegt. Die Strecke ist 6,825 Kilometer lang – hin und her. Beim Startschuss beginnt der „Raffer“ sie einzeln aufzuheben und zurück zum Sammelkorb zu bringen. Zeitgleich startet auch der „Läufer“. Er läuft 7,28 Kilometer ins Nachbardorf Seiwerath und wieder zurück. Wer wird schneller sein? Der „Raffer“, der das geschickte Greifen „mit Kartoffeln oder Kieselsteinen“, so Steevens, trainiert hat?

Oder doch der „Läufer“, in der Regel ist er Hobbyjogger und fit genug, dessen Rückkehr an der „Kemel“, dem ersten Punkt seines Rückweges von Seiwerath, mit einem Böllerschuss signalisiert wird? „In den vergangen Jahrzehnten ging es eigentlich 50 zu 50 aus“, so André Steevens. Die  Schnellsten halten den Rekord, ausweislich der Chronik, die immerhin bis 1866 zurückgeht, seit Jahrzehnten: 1974 war Läufer Hans Kleis in 31,45 Minuten wieder da. Zwei Jahre später raffte Wilhelm Müller die 104 rohen Eier in 29,25 Minuten zusammen.

Das letzte Ei allerdings legte er nicht mehr in den Sammelkorb ab. Das kann er, so ist es Tradition, einfach in die Luft werfen. Die Schönecker „Eierlage“ wird andernorts mittlerweile kopiert – sie findet unter anderem auch in Neroth und in Bollendorf statt (beide am Ostersonntag, 16. April).

Auch der „Läufer“ vor zwei Jahren musste den Beweis antreten, ob er es ins Nachbardorf Seiwerath und zurück nach Schönecken schafft, bevor der „Raffer“ die auf der linken Seite ausgelegten Eier aufgesammelt hat.

Sie würden ja öfter gefragt, ob nicht auch Frauen mitmachen dürften, so der Hauptmann der Schönecker Junggesellensodalität. Ausgeschlossen. Denn raffen oder laufen können nur Mitglieder der Sodalität, aktuell sind es 44 zwischen 18 und 57 Jahren. „Und es müssen Schönecker Jungs sein, die unverheiratet sind und keine Kinder haben“, so der Zeremonienmeister. Der Sieger, egal ob „Raffer“ oder „Läufer“, erhält den Siegerstrauß dann allerdings von der Dame seiner Wahl. Auch wenn so die Gefahr besteht, dass er schon bald nicht mehr aktiv bei den Sodalen dabei sein darf.

 

 

 

Literatur:
Joachim Schröder: „Brauchtumslandschaft Eifel – Bräuche und Feste im Jahreskreis“, Helios Verlag.

 

VIDEO EIERLAGE Schönecken:

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About Stefan

Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

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