Musik in der Eifel – Teil 1

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„Scheiß drauf: Wir spielen live!“ Für Rockbands ist die Eifel immer ein gutes Pflaster gewesen – nicht nur wegen „Rock am Ring“. Da wären zum Beispiel die „Männer von Flake“. In diesem Jahr feiert das Quartett der um die 50-Jährigen „Silberhochzeit“. Also los.

„Joga: tu es!“ Meint Keyboarder „Eisen“ und schon startet unvermittelt das giftig elektrisierende Gitarrensolo von Thunderstruck“ von AC/DC. Angus Young ist es nicht, der die bekannten Riffs spielt. Nur „Joga“. Der größere Unterschied: Der Eine ist Profimusiker und in der Szene eine Legende, der andere Banker mit Nebenberufung und in der Eifel weltbekannt. Joachim „Joga“ Waasem ist einer der vier „Männer von Flake“.

Das Quartett hat den Namen von einem Kinderbuch „Wicki und die starken Männer“ entlehnt, wo „AC“ und „DC“ im Englischen für Wechselstrom und Gleichstrom steht. Doch Rock ‘n Roll spielen beide. „Wir waren auf einer Hochzeit und alle betrunken“, erinnert sich „Joga“, „da machte ‚Schröder‘ den Namensvorschlag“. Er habe den Kumpel und Drummer der Band gefragt, ob er das ernst meine. Jürgen „Schröder“ Schröder meinte es ernst. Neben „Joga“ stimmten auch „Gege“ Georg Zwingmann, Bassist und Sänger, und „Eisen“ Thomas Kolvenbach, Keyboarder und Sänger zu. Dabei blieb es. Vor 25 Jahren war das, weshalb die „Männer“ jetzt Band-Silberhochzeit feiern.

Die Vier stammen aus Eicherscheid und Nöthen bei Bad Münstereifel, sie kennen sich schon seit Kindertagen. „In unserer Jugend in den 1970er Jahren gab es nur Sport oder Musik machen“, erinnert sich „Joga“. Da war klar: Selbst Musik machen vor Publikum, „das wäre geil!“ Vorbilder in der Eifel gab es einige. Heute sind die Vier alle 50 oder knapp drüber und eifelweit in der Szene bekannt. Sie stehen für gut gelaunten Coverrock. Also haben sie auch ihre kleine Tournee zum Jubiläum „Best of Rock“ genannt. In der Altersgruppe sind sie mittlerweile eine der wenigen Eifel-Bands, auch deshalb, weil „wir nur das spielen, was wir können. Uns ist bewusst, was wir alles nicht können“, rückt der Gitarrist die Ansprüche zurecht.

Zudem gilt von Anfang an: Auf die Setlist kommt nur, was auch alle Vier spielen wollen – egal wie sicher der Publikumserfolg anderer Stücke wäre. „Was von uns immer ankommt ist ‚Music‘ von John Miles“, nennt „Joga“ als Beispiel. Der Banker, der Elekroingenieur, der Spediteur und der Elekrotechniker erweitern allerdings das Original, wie sie es auch etwa bei „Whole lotta Love“ von Led Zeppelin, „Radar Love“ von Golden Earring, oder Paranoid“ von Black Sabbath tun: Wo Improvisationen möglich sind – her damit! Genau diese Mischung aus Ehrlichkeit im Anspruch und Spielfreude bei den „Krachern“ von einst erwarten die Fans, die überwiegend ebenfalls schon Ü-40 sind. Gelernt haben die „Männer“ was sie spielen jedenfalls nicht nach Noten. Das habe sie alle weniger interessiert. Es ging um Live und die Bühne. Schlagzeuger „Schröder“ etwa „hatte das einfach drauf: Er setzte sich an die Kiste, und das Timing und die Koordination – alles da“, so „Joga“, der immerhin das Spiel auf der klassischen Gitarre mit Zwölf lernte.

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Als er Deep Purples „Made in Japan“-Live-Album auflegte, war es mit der tradierten Art des Saitengreifens allerdings vorbei. Daraus geworden ist stattdessen eine veritable „Rampensau“ bei den „Männern von Flake“, wo der 53-Jährige wie die Kollegen sichtlich Spaß am Spiel und der Show dabei hat. Von ihrer Musik leben müssen die Vier nicht, dennoch erlaubt sich „Joga“ ein Urteil über die Kollegen: „Das stirbt doch langsam leider aus: Bands, die ohne Equalizer oder Playback aus dem Rechner auftreten und alles selber spielen“. Die „Männer“ halten dagegen. Ohne Verfallsdatum? „Solange wir noch ein Instrument halten können und uns die Leute hören wollen, spielen wir“, meint der Gitarrist. Und sie werden, wie in den vergangenen 25 Jahren, auch künftig alles selber machen: Auftritte organisieren, das Equipment schleppen und aufbauen. „Wir sind mit zunehmendem Alter wie ein guter Wein“, meint „Joga“. Ganz so abgehangen wirkt sein Bandmotto der „Männer von Flake“ dann aber nicht: „Scheiß drauf: Wir spielen alles live!“

Männer von Flake – Radar Love, Golden Earring

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About Stefan

Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

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