Joe Wulf – der Jazzer und der Musikverein

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Joe Wulf aus Mayen ist Vollblut-Jazzer, spezialisiert auf New-Orleans-Jazz und Swing. Der Posaunist, Leiter zweier Jazz-Ensembles, geht gerne neue Wege. In den vergangenen vier Jahren hat der 56-Jährige mit 38 Musikvereinen, darunter ein Dutzend aus der Eifel, Blasmusik und Jazz zusammengebracht: „Die große Band Parade“. Muss man gehört haben. Demnächst in Uedersdorf und in Dollendorf.

„20 Mal, aber seit fünf Jahren sind wir hier.“ Der Wohnungswechsel quer durch die Eifel ist im Leben des Jazzers Joe Wulf eine Konstante wie seine Lust, auch bei Musikprojekten immer wieder Neues auszuprobieren. Im schön verwinkelten alten Eifeler Bauernhaus in Stadtkyll geht es treppauf, treppab in sein „Musikzimmer“, wo seine „Constellation“ schon auf dem Posaunenständer wartet.

An die zehn Instrumente besitzt Joe Wulf, die „Conn“ gefällt ihm besonders gut, „weil sie in den hohen wie tiefen Tönen gleich  stark und intensiv ist“. Chris Barber, Jack Teagarden, Tommy Dorsey spielten oder spielen dasselbe Zugblasinstrument wie Wulf. Teagarden, so sein Urteil, „war berühmt als Mitglied der Band von Louis Armstrong. Er brachte der Posaune die Eleganz.“ Das passt zu dem gebürtigen Mayener, der mit seinem Septett „The Gentlemen of Swing“  nur im Smoking auftritt.
Zum Beispiel bei den Konzerten mit den Musikvereinen Nettersheim, Schönecken, Prüm – oder am 4.November mit den Musikern aus Uedersdorf und am 18. November aus Dollendorf.

Musikverein, also eines der Blasorchester, die es in vielen Eifeldörfern gibt, und eine Swing-Combo? „Zu Beginn vor vier Jahren gab es noch Berührungsängste. Aber das klappte, und dann zog das Kreise“, meint Wulf. „Man merkt bei ihm einfach, dass er Profi ist. Als Lehrer streng, aber auch tolerant, er hat die Proben schnell vorangebracht“, erinnert sich Benni Maus, Schlagzeuger beim Musikverein Stadtkyll an die Zeit vor dem Konzert,  vor der „Großen Band Parade“ im November 2015. Begeisterte Kommentare gab es auch zum Beispiel von der Musikkapelle Nettersheim oder von Matthias Görres vom Musikverein Schönecken: „Das war eine wirklich große Nummer! Wer nicht dabei war, hat was versäumt.“

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Bundesweit sind an die 80.000 Blasorchester im entsprechenden Bundesverband angeschlossen. Sie spielen meistens Traditionelles: Märsche, Polkas – vielleicht mal einen Blues oder einen Musical-Medley. Was ihnen Wulf – in Deutschland seiner Meinung nach in dieser Form einzigartig – anbietet, ist für die Vereine neu – und dafür sind sie bereit, meist ein dreiviertel Jahr Probenarbeit zu investieren. Für den Auftritt mit den „Gentlemen of Swing“, für New Orleans Jazz und Swing. Das Septett feiert 2017 ihr 25-jähriges Bestehen (am 9. September im Forum Daun).

„Der Ansatzpunkt für beide ist tatsächlich der Marsch. Etwa in der ‚Bourbon Street Parade‘. In New Orleans, der Hafenstadt, kamen Marschelemente durch die Franzosen und Deutsche der Swing aus der Karibik.“ Wulf hat immer wieder festgestellt, dass die Amateure der Musikvereine, wenn man ihnen nur Unsicherheiten nimmt, und für das gemeinsame Konzertprojekt Arrangements umschreibt, ganz bei der Sache sind: „Danach hat der ein oder andere Verein auch sein Repertoire erweitert“, freut sich Wulf über die Nachhaltigkeit.

New Orleans Jazz trifft Musikverein: „Die Große Band Parade“ mit Joe Wulf und den Gentlemen of Swing und der Musikkapelle Nettersheim (Leitung: Jörg Schramm) beim Konzert 2014.

Vielleicht klappt das Ganze ja auch deshalb, weil der 56-Jährige in seiner Jugend  selbst sieben Jahre in einem Blasorchester spielte. „Das war die Feuerwehrkapelle in Mayen. Da habe ich viel gelernt. Zum Beispiel dass es auf Disziplin und Zuverlässigkeit ankommt. Zu den Proben sind wir sogar mit Fieber gegangen“.

Schon als Neunjähriger hatte er seine erste Posaune, gebaut von Josef Monke in Köln. Die Instrumentenwahl war eigentlich einer vom Kinderarzt vermuteten Asthmaerkrankung bei Wulf geschuldet: Ein Blasinstrument solle es als Therapie sein. Später stellte sich heraus, dass die Diagnose falsch war. Wulf litt unter einer Allergie auf Pferdehaare. Sein Vater  war Sattler in Mayen.

Der Posaune blieb Wulf dennoch treu.  Wie auf seiner Wikipedia-Seite nachzulesen ist, hat er mit einigen Größen des Jazz schon zusammengearbeitet. 1985 wurde er Mitglied in der Band „Hot Five“ des englischen Kornettisten Rod Mason. „Mit ihm habe ich in acht Jahren an die 1500 Konzerte weltweit gespielt. Wir waren 70.000 Kilometer im Jahr unterwegs. Nur im Auto, dazu Flugzeug oder Schiff.“ Das sei jetzt aber weniger geworden, „an die 45.000 Kilometer im Jahr“.

Etwa zu den „Großen Band Paraden“, zur anstehenden traditionellen Deutschland-Weihnachtstournee mit seinen „Gentlemen“ (am 25.11. in Stadtkyll), oder auch zur Dauner Musikschule „Spiel mit“, wo Wulf aktuell 16 Jugendliche unterrichtet. Was ihn wiederum auf die Idee brachte, den Swing auch mit Jugendlichen auszuprobieren. In der Nähe von Kusel etwa hat Wulf gerade ein Konzert mit 150 Jugendlichen veranstaltet. „Das hat den jungen Leuten einen richtigen Push gegeben.  Wir wollen das ausbauen“, so der Musiklehrer.

Er ist jetzt vor allem gespannt, wie die anstehenden Konzerte in Uedersdorf und Dollendorf werden – und ob das mit dem Auftritt in der Hamburger Elbphilharmonie klappt: „Unsere Agentur will die ‚Gentlemen of Swing‘ dahin vermitteln. Wir wollen im großen Saal der Elphi spielen. Das wird ein Erlebnis!“ Und hätte er ansonsten noch Zeit übrig, bleiben Konzerte mit seiner Big Band „Joe Wulf & his Orchestra“ oder Aufnahmen der neuen CD mit Sängerin Angela van Reijthoven. „Big Swing Thing“ wird sie heißen. Ein Stück Swing lernen auch die Musikvereine in der Eifel  wenn sie mit dem Jazz-Missionar zusammenarbeiten.

mm

About Stefan

Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

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