Auf Holzstegen unterwegs: Im Hohen Venn in der Eifel

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Auf den Steg kommen – Wenn der Holzsteg den Weg vorgibt, die Wolken wie Watte im Himmel stehen und die Sonne das violette Weidekraut anstrahlt befindet man sich im größten Naturschutzgebiet Belgiens, dem Hohen Venn in der Eifel. Jeder Wanderschritt hallt auf den Holzstegen dumpf wie ein Trommelschlag nach. Manche Bretter federn beim Auftritt nach. Die Luft riecht holzig. Mystisch blubbern Sauerstoffblasen in den kleinen Tümpeln rechts und links neben dem Holzsteg. Wenn dann noch Nebelschwaden am Morgen über die Holzstege wabern bietet die Landschaft die ideale Kulisse für einen Krimi.

Vielleicht sind es die vielen Sinneseindrücke dieser Moorlandschaft, die Eifeltouristen ins Hohe Venn auf die Holzstege lockt. Im Winter präsentiert sich dieser Ort mit seinem Gehölz im kargen Braun. Im Frühjahr wirkt das Venn durch die weißen Wollgräser wie in Federn gehüllt. Im Sommer blühen die Heidekräuter violett und im Herbst strahlt die ganze Landschaft goldgelb. „Vor allem in dieser Jahreszeit ist das Hohe Venn von Touristen sehr beliebt, weil es sich von den Farben her so toll präsentiert“, bestätigt Eva Klinkhammer, Mitarbeiterin des Monschauer Touristikzentrums. Mit über 600 Metern über dem Meeresspiegel ist das hohe Moor, das sogenannte Venn, das sich vom französischen „Hautes Fagnes“ herleitet, das höchste Moorgebiet in Europa. Auch der höchste Punkt Belgiens befindet sich in dieser Region mit 694 Metern, die sogenannte Botrange im Gemeindegebiet von Weismes. An dem Aussichtspunkt in Botrange gibt es ein Naturparkzentrum. In diesem können Besucher in einer Dauerausstellung namens „Fania“ eine Menge über das Hohe Venn erfahren. Ebenso bietet das frühere Forst- und Zollhaus Ternell in Belgien direkt an der deutschen Grenze zum Ort Mützenich ein Naturzentrum mit einem Venn- und Waldmuseum.

Im Winter verwandeln sich beide Orte übrigens zum Treffpunkt vieler Wintersportler. Denn mit geliehenen Langlaufskis können Sportliche kilometerweit die Vennlandschaft auf Brettern erkunden. „Das Hohe Venn ist für Besucher deshalb so interessant, weil hier viele seltene Tiere und Pflanzen zu sehen sind“, sagt Chstine Kirschfink, Mitarbeiterin vom Haus Ternell. „Das Wappentier des Venns, der Birkhahn ist hier ebenso zu Hause, wie zahlreiche Libellenarten oder die fleischfressende Pflanze Sonnentau.“

Das Hohe Venn ist das größte und älteste Naturschutzgebiet Belgiens. Es gilt als aktives Hochmoor, weil die Torfschichten weiter wachsen. Das gesamte Gebiet umfasst 4.500 Hektar. Dabei gehört es auf der einen Seite zur wallonischen Region in Ostbelgien mit zwölf Gemeinden, auf der anderen Seite zu Nordrhein-Westfalen. Geologisch gesehen gehört es jedoch zum westlichen Teil der Eifel. Um das Venn zu erleben kann man für Wanderungen eine Stunde bis zu einen ganzen Tag einplanen. Öffentich zugänglich sind die sogenannte B-Zonen des Venns. „Die C-Zonen, das sind besonders geschützte Zonen, können Sie nur mit einem Wanderführer zum Beispiel vom Haus Ternell betreten“, erklärt Christine Kirschfink. Der Ortskundige kann auf der Wanderung vieles zu den Schmugglerfaden im Zweiten Weltkrieg und über eiszeitliche Wasserlöcher erzählen.

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Wer sich auf eine Vennwanderung begibt, sollte aus Sicherheitsgründen nie die Stege verlassen und seine Kleidung wohlüberlegt auswählen. „Im Venn herrscht ein Mikroklima. Das heißt es ist generell immer etwas kühler“, erläutert Kirschfink. „Aber wenn die Sonne scheint, haben sie auch keinen Schatten“, gibt die Venn-Expertin zu bedenken. „Ich empfehle wegen des Insektenvorkommens im Sommer immer lange Kleidung anzuziehen“, rät auch Eva Klinkhammer vom Monschauer Tourisitkzentrum. „Außerdem sollte man trittsicher sein, wenn man über die Stege läuft.“ Die können bei starken Regenfällen schnell zur hölzernen Rutsche werden.

Durch die Hochlage fällt im Moor viel Regen. Mit 220 Regen- oder Schneetagen muss man im Durchschnitt in dieser Eifelregion rechnen. Denn das Hochplateau des Hohen Venns ist das erste Hindernis, auf das die Wolken von ihrer Atlantikreise stoßen. Die starken Regenfälle werden wie ein Schwamm vom Torf aufgesaugt. Was der Torf nicht aufnimmt, fließt in die vielen umliegenden Bäche, Seen und Talsperren. Noch etwas Besonderes im Hohen Venn ist die rote Fahne. Sobald sie gehisst wird, sind wegen starkem Schneefall oder akuter Brandgefahr die Wanderwege unpassierbar. Die Forstdirektion im belgischen Ort Malmedy entscheidet darüber, wann der Zugang verwehrt wird. Wenn das Torf zu trocken wird, ist es schnell entzündlich. Nebenbei bemerkt: Anfang des 19. Jahrhundert wurde der Torf als günstiger Brennstoff für die nahe gelegene Tuchindustrie genutzt. Mit scharfen Spaten wurde er in Rechtecken abgetragen, getrocknet und gelagert. Dieser Tradition zu Ehren gibt es sogar eine Praline mit dem Namen Vennbrocken in einem Monschauer Café.

Viele Geschichten erzählt das Venn. Wer sie entdecken will, muss nur auf den Steg kommen.

Und hier gibt es die Karten dazu: Hikeline Hohes Venn. Belgien, Eupen, Spa, Malmedy, 426 km, 1 : 35 000, GPS-Tracks Download, wasserfest

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About Sabine

Endlich Eifel bedeutet für mich der Umzug von der Stadt in ein historisches Bauernhaus nach Monschau-Kalterherberg. In der Eifel begeistern mich die hilfsbereiten und liebenswerten Menschen, die einen vom Hohen Venn bis in die belgischen Ardennen begleiten.

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