Hubert vom Venn

Hubert vom Venn – Weltberühmt in der Eifel

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Kabarettist, Gewerkschafter, Autor und Sammler: Hubert vom Venn aus Roetgen hat viele Seiten. Bekannt ist er zwischen Trier und Aachen als der satirische Mann in Schwarz mit Hut, dicker Brille und voluminösem Schnäuzer.

Hubert vom Venn

Hubert vom Venn

„Ich mache keine Witze!“ So entschieden wie der Mann am kleinen Bistrot-Tisch im Vorraum der Roetgen-Therme das sagt, kann es nur ernst gemeint sein. Hubert vom Venn kennt, wenn es sein muss, keinen Humor. Immer wieder wird der 63-Jährige mit dem voluminösen Schnäuzer, der 70er-Jahre Tolle, den listig-lustigen Augen hinter der dicken Brille unter dem schwarzen Hut zum dunklen Nadelstreifenanzug, schließlich die Ähnlichkeit mit Hans Süper, der Karnevals-Größe aus dem „Colonia-Duett“, zum Verhängnis.

Das kann vom Venn, geboren als Hubert Franke in Konzen, gleich dreifach ärgern: „Ich sage dann: Da sind Sie der 1765te, der mich verwechselt“. Und er fügt hinzu: „Ich mache Kabarett, keine Comedy.“ Was den Unterschied macht? „Ein Comedian macht es wegen dem Geld, ein Kabarettist wegen des Geldes“. Genitiv muss für ihn da sein, wo Anderen der Dativ reicht. Und noch eins: „Ich trete nicht im Karneval auf, auch nicht in der Karnevalszeit!“

Seine jährlich rund 60 Auftritte zwischen Trier und Aachen, auch ins nahe Belgien, haben so zwischen Neujahr und Aschermittwoch Sessionspause. Seit 2014 zusammen mit seinem zweiten Bühnenpartner Achim Konejung, der den kongenialen Jupp Hammerschmidt (Tourneen zwischen 1993 und 2011) ablöste.

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Vom Venn steht nicht für politisch schwere Bühnenkost – aber für Ernst und Unernst des Eifler Lebens. „Ich mache lokales Kabarett, ein Ergebnis der Globalisierung“, so der Eifel-Highlander, der sich den Künstlernamen als Referenz an die Landschaft seiner Heimat gab. Man muss seinen Sätzen eben immer ein bisschen genauer zuhören. Stoff für Themen findet vom Venn genug. Sein 23. Buch ist gerade in Arbeit. „2000 Jahre Eifel“, so auch der Titel des aktuellen Tourneeprogramms mit Achim Konejung, soll zur Frankfurter Buchmesse erscheinen. Der Jahrtausenderückblick ist zum Teil als „Fake-Dorfchronik“ seines fiktiven Eifeldorfes Wilzenich angelegt.

Wortspielerei ist typisch für vom Venn: Sitten und Gebräuche seiner Eifler karikiert er und macht sie deutlich – aber verletzend oder zynisch ist er nie. Kabarettist ist aber nur die eine Seite des Schnäuzer-Trägers. Landschafts- und Dorfchronist eine andere. Alle 14 Tage stellt er ein neues Video auf Mon-TV ins Netz. Lauter Liebeserklärungen. Vielleicht staunende Altersmilde. Denn seit Jahresanfang ist der Mann offiziell Rentner – im Unruhestand. „…auf die Socken machen“ heißt das Format, in dem er zusammen mit Kameramann Kurt Schreiber in einem Original London-Taxi durch die Gegend fährt. „Das Taxi, weil ich London als einzige Stadt liebe“, so vom Venn.

In der Eifel im Original London-Taxi unterwegs für sein Videoformat „.. auf die Socken machen“ bei MonTV, hier mit Senderchef Dirk Neuss.

In der Eifel im Original London-Taxi unterwegs für sein Videoformat „.. auf die Socken machen“ bei MonTV, hier mit Senderchef Dirk Neuss.

Genauer: weil er Sherlock Holmes-Fan ist. Er sammelt, was ihm an Devotionalien zum legendären Detektiv in die Finger kommt. Und wenn es sein muss: „9.30 Uhr fährt der Zug nach London ab Aachen Hauptbahnhof, Ankunft um 13 Uhr Ortszeit“. Und dann flugs in die Baker Street 221b zum Holmes Museum im wiederaufgebauten Wohnhaus an der bekannten Adresse.

Ähnliche Passion teilt der Philanthrop für alles rund um Karl Valentin, den berühmtesten Münchner Kabarettisten – eines der Vorbilder für den Kollegen aus Konzen. Oder für den bayerischen Märchenkönig Ludwig II.: „Die berühmte Kutschenfahrt durch die Winternacht habe ich in verschiedensten Varianten als Motiv, zum Beispiel als T-Shirt-Aufdruck. Ludwig war ein Phantast – und ein Pazifist“. Die 60 Hüte, die vom Venn besitzt, sammelt er allerdings nicht: „Ich trage sie“.

„Den Ring trägt Keith Richards von den Stones auch“: Abschreckendes als Fingerschmuck. Auch so eine kleine Irritation beim Eifel-Highlander aus Roetgen.

„Den Ring trägt Keith Richards von den Stones auch“: Abschreckendes als Fingerschmuck. Auch so eine kleine Irritation beim Eifel-Highlander aus Roetgen.

Das alles hätte auch anders kommen können. Denn zunächst hat vom Venn tatsächlich „etwas Vernünftiges“ gelernt. Eine Lehre bei einer Krankenkasse. Er schloss sie ab, einen Tag später begann er ein Zeitungsvolontariat. Der talentierte 19-Jährige war Freier Mitarbeiter der Aachener Volkszeitung. Der Chefredakteur bot ihm per Ausnahmegenehmigung einen Volontärvertrag an. Die Volljährigkeit lag damals noch bei 21 Jahren. „Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mit dem Filmröllchen vom Verkehrsunfall in der Hand zur Redaktion fuhr und in der Dunkelkammer die Filme entwickelt habe.“

So war zudem ein Grundstein gelegt: Seit über 40 Jahren schreibt vom Venn neben bisher 22 Büchern auch Journalistisches, etwa aktuell als Kolumnist fürs Eupener „Grenz-Echo“. Und er ist Erster Vorsitzender des Bezirksvereins Aachener Presse des Deutschen Journalistenverbandes. Die Gewerkschaft verlieh ihm 2015 die Goldene Ehrennadel.

Jetzt aber, Herr vom Venn: Was ist der Eifler? „Den Eifler an sich gibt es nicht. Sie würden sich ja noch nicht einmal verstehen. Dafür sind die Dialekte viel zu verschieden. Außerdem ist es ja den Zeitungsverlagen zu verdanken, dass es kein einheitliches ‚Eifelgefühl‘ gibt: Die Verlage erscheinen nur bis hart an die Grenze eines Landkreises oder Bundeslandes. Kein Dorf weiter. Es gibt also eine Aachener, Trierer, Koblenzer und Kölner Eifel.“

Meint der Mann, der es geschafft hat, dennoch in der gesamten Eifel „weltberühmt“ zu sein. Weiter nicht. Warum? „Weil ich nach den Auftritten immer gerne nach Hause fahre.“

INFO: Hubert vom Venn im Netz: www.hubert-vom-venn.de und auf Facebook.

Und noch ein Buchtipp: „Eifel. In Wanderschuhen über brodelnde Erde“

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About Stefan

Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

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