Heiliger Latschen!

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Reliquien – die Überreste der Gebeine oder Kleider eines Heiligen – finden sich auch in manchen Kirchen der Eifel. In der Salvator-Basilika von Prüm lagern die „Sandale Christi“. Oder nur eine, ein Teil, wenigstens Partikel, die „Sandale des Brian“?

In der Mitte geht’s ums Ganze: Partikel der Sandale Christi sollen in das Gewebe eingearbeitet sein.

Dass mit dem Glauben ist für vier von fünf Schülern aus Köln, gerade auf Klassenfahrt in Prüm und jetzt unterwegs bei der „Stadt-Rallye“ ausgemachte Sache: Ja! Da drin ist eine Sandale Christi – bitte im Stadt-Fragebogen abhaken, wir müssen weiter.

Kirchenführerin Monika Rolef erklärt Jugendlichen die Geschichte des Schreins.

Monika Rolef von der Initiative „Frauenschuh“, die zusammen mit Andrea Trindel jeden Samstag Führungen durch die Salvator-Basilika anbietet, kennt das schon. Die Einen stehen dann vor dem verschlossenen schmiedeeisernen Gitter und denken: stimmt‘s? Die Anderen nehmen die Behauptung einfach für die Wahrheit. 15.000 Besucher jährlich erklärt sie die Geschichte und  Ausstattung der zweitgrößten Hallenkirche des Bistums Trier – inklusive Schuhkarton. Denn an der Nordseite des Chores der Kirche befindet sich hinter einem schmiedeeisernen Gitter ein Teil einer „Sandale Christi“. Ein Reliquiar, das 752 Papst Zacharias dem karolingischen König Pippin III als kleines Give-Away und Dankeschön für dessen zuvor erfolgte Anerkennung des Kirchenstaates aus der Reliquienkammer des Lateranklosters in Rom mit auf den Heimweg in die Eifel gab.

Ein Geschenk mit Absichten. Denn dass auch Pippin mit der wertvollen Reliquie Machtpolitik betrieb war damals wie heute nichts Ungewöhnliches. Reliquien waren die „China-Pandas“ des Mittelalters. Welchen Aufschwung nahm Köln, als die Reliquien der Heiligen Drei Könige in die Domstadt kamen! Pippin war die „Sandale Christi“ nützlich: 721 war in Prüm das erste Kloster von Bertrada der Älteren gestiftet worden, der König wollte die Benediktinerabtei aufwerten. Er schenkte ihr riesigen Grundbesitz, der im „Prümer Urbar“ verzeichnet ist. Und eine Reliquie zur Legitimation der Stiftung und des Hausklosters der Karolinger gehörte nach Möglichkeit dazu. Schließlich lebte ein Teil der Familie Karls des Großen in der Eifel: In Mürlenbach steht die Burg von Bertrada, der Urgroßmutter des Kaisers.

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Nun gut – doch der Reliquienschrein ist jetzt leider geschlossen. „Der wird nur einmal im Jahr zum Patronatstag der Basilika, am 6. August wenn es ein Sonntag ist, sonst am Sonntag danach für kurze Zeit geöffnet“, muss Kirchenführerin Monika Rolef vertrösten. Der heilige Latschen befindet sich in einem Dyptichon, ein zweiflügeliger Klappaltar, der geöffnet 1,46 Meter hoch ist. Vorbild des Nachbaus sei ein spätromanisches Dyptichon aus dem 12. Jahrhundert in Brüssel, so Rolef.

„Stark vergoldetes Rotkupfer, alles reich verziert mit Email, Filigran, Niello und Halbedelsteinen. Auf dem Äußeren der Flügeltüren tragen Engel Spruchbänder mit den auf die Reliquie bezogenen Psalmen. Das Innere der Flügeltüren zeigt den Geschenkgeber Papst Zacharias , und den Empfangenden König Pippin.“ So hat den Schrein Peter Oster 1927 in seiner „Geschichte der Pfarreien der Dekanate Prüm-Waxweiler“ beschrieben. Doch ist das, was drinnen ist, nur ein lederner Bügelschuh, die „Sandale des Brian“ aus Monty Pythons Jesus-Satire? In einem Vierpass in reichster Umrahmung, so Oster damals beim Augenschein,  ist jedenfalls der Überrest eines mit dem Symbol des Lebensbaums verzierten merowingischen oder karolingischen Pantoffels zu sehen, in den Partikel der Sandale Christi eingearbeitet worden seien. Links und rechts daneben Teile eines Prachtschuhs.

Die Salvator-Basilika in Prüm.

Das gute heute selten zu sehende Stück sollte Prüm  Ehre und Wohlstand aufgrund erhoffter Pilgerströme bringen – in Trier hat das seit 1196 mit dem „Heiligen Rocks“ im Dom ja auch geklappt. Es blieb ein frommen Wunsch. Desungeachtet staunen die Besucher bei Monika Rolefs Kirchenführung in der Prümer Basilika doch nicht schlecht. Und drehen sie sich vor dem Sandalen-Schrein um, blicken sie auf das Grab Kaiser Lothars I gegenüber im Kirchen-Chor. Der wiederum war ein Enkel Karls des Großen. Und vor der Kirche wurden gerade von Archäologen die Reste der ersten Prümer Kirche aus dem 8. Jahrhundert freigelegt. Prüm ist eben Karolinger-Stadt.

Info:
Kirchenführungen in der Salvator-Basilika mit dem Schrein der „Sandale Christi“ veranstalten Monika Rolef (Tel. 06551-2841) und Andrea Triendl (06551-6075).

Titelbild: Der geöffnete Schrein, Foto: Salvator Basilika Prürm

 

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About Stefan

Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

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