Farbe bekennen

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Maf Räderscheidt ist eine Frau, der man am bunt gesprenkelten Malerkittel ansieht, dass sie Künstlerin ist. Doch gleichzeitig ist sie Lokalpolitikerin, Tierretterin und bekennende Eifel-Liebhaberin.

Wohin mit dem Pferd? Diese Frage war für Malerin Maf Räderscheidt der Auslöser zwei Jahre intensiv nach einem Haus zu suchen. Den Treffer landete sie in Schleiden. Von Köln ging es mit der Familie in die Eifel. Der Herzenswunsch der Tochter, das Pferd zu behalten, war somit erfüllt. Das Pferd lebt schon lange nicht mehr, ihre Tochter ist kürzlich fürs Studium nach Berlin gezogen. „Nun muss ich loslassen. Ich bin ein armseliger Klammeraffe“, sagt Maf Räderscheidt über sich selbst und zündet sich genussvoll eine Zigarette an. Nur von der Eifel will sie definitiv nicht loslassen.

Seit zehn Jahren lebt und arbeitet sie in Schleiden, ihr Mann Stephan Everling ist in der Region als Journalist tätig. Maf Räderscheidt liebt den Nationalpark Eifel, die endlosen Wanderwege und die vielen Notfall-Tiere denen sie in ihrem Haus ein Zuhause schenkt. Großartig findet sie das gemeinsame Miteinander und die Hilfsbereitschaft unter den Eifelbewohnern, wenn sie an ihre alten Wohnorte Cornwall, Venedig oder Mailand zurückdenkt.

„Die Menschen in der Eifel sind einfach liebenswert. Beim Spazierengehen wechselt man höflich ein paar Worte“, erklärt sie „und das Schöne ist, dass man sich erst trennt, wenn man etwas zu lachen hat.“ Wenn sie an ihre Stadt Schleiden denkt, bleibt ihr jedoch das Lachen im Hals stecken. „Schleiden ist erledigt. Wo nichts ist, kann man auch nichts machen“, lautet Räderscheidts klare Botschaft. Obwohl sie sich in der Lokalpolitik für Soziales und Kultur engagiert und zuletzt eine Begegnungsstätte mit dem Namen Kulturschock in einem alten Krankenhaus unterstützte. „Ob ich politisch weiter mitwirken will, wenn bald jemand von der AfD neben mir sitzt, muss ich mir noch gut überlegen“, sagt die 65-Jährige. „Aber ich habe bereits eine Antifa-Gruppe gegründet“, betont sie und grinst voller Tatendrang.

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Der Terminplan von Maf Räderscheidt, die übrigens mit ihrem bürgerlichen Namen Martha Angelika Felicitas heißt, ist voll. Nach dem Frühstück geht sie mit ihren Hunden in den Wald. „Das ist für mich ein Hochgenuss. Hier kann ich Gedanken und Strategien für meine Bilder entwickeln“, sagt sie „und dann sause ich ins Atelier. Dann bin ich weg.“ Sie taucht  ab in ihre Arbeit. Eine Todsünde, wenn jetzt jemand an der Tür klopfen würde. „Ich ziehe mich bis auf die Seele aus, denn alles, was ich nun in die Bilder stecke hat Bedeutung“, erzählt sie.

Meist arbeitet sie an mehreren großen Ölbildern gleichzeitig. Zwischendurch wird ein kleineres Kunstwerk eingeschoben, ein Aquarell, wenn beispielsweise die Ölfarben trocknen müssen. Als gegenständlich bezeichnet sie ihre Kunstrichtung, in die Außenstehende viel hinein interpretieren können und immer wieder neue Details und Objekte entdecken. Die Betrachter sollen sich bewusst von den Bildern entführen oder verzaubern lassen. „Mit 13 Jahren fand ich den italienischen Maler Michelangelo so toll. Ich wollte auch so malen und bildhauern wie er“, sagt Räderscheidt schwärmend. „Diese Klarheit hat mich fasziniert.“

Vielleicht ein Auslöser der dazu führte, dass sie später an der FH Köln Malerei, freie Grafik und Kunstgeschichte studierte. Daraufhin wurde sie im Anschluss selbst Kunst-Dozentin für Freihandzeichen, erhielt mehrere Kunstpreise und Stipendien und ist heute noch für die Kunstakademie Heimbach tätig.

Am frühen Nachmittag tankt Maf Räderscheidt erneut Kraft im Wald, bevor sie ihr Engagement für das Deutsche Rote Kreuz beginnt. Sie fährt unterschiedliche Flüchtlingsheime in der Eifel ab, hilft wo sie kann, vermittelt Jobs oder Wohnungen. „Meine Freiheit verpflichtet, denn ich fühle mich durch meinen Beruf so reich wie kein anderer Mensch, dass ich auch etwas von diesem Glück zurückgeben möchte“, sagt die Künstlerin.

Dazu zählt auch der Tierschutz. Eine Katze ließ sie auf ihre Kosten in einer ägyptischen Tierklinik monatelang versorgen, um sie mit Hilfe einer Tempeltänzerin nach Deutschland einzufliegen. Nun genießt die Katze ein Nickerchen in der Sonne auf Räderscheidts Terrasse. Maf Räderscheidt scheut keine Mühen. Mittlerweile hat sie über Facebook sogar ein Tierschutzzentrum in Schleiden gegründet. Tierschutz beginnt für sie auch darin, Farbe zu bekennen.

„Ein toter Wolf“ in Form eines Pelzes würde ihr nie ins Haus kommen. Deshalb hat sie auch auf öffentlichen Veranstaltungen schon mal Farbe dabei. „Am peinlichsten war der Moment als ich einer Dame den Pelzmantel auf einer Messe bemalt habe“, erzählt sie. „Später stellte sich heraus, dass die Dame die Vorsitzende eines Galeristen war, mit dem ich eine Ausstellung planen wollte.“

Im Moment leben aktuell fünf Hunde, fünf Katzen, vier Schildkröten und zwei Vögel bei ihr. „Ich komme selten unter 15 Tiere, aber die werden dann auch weitervermittelt.“ Nebenbei füllt sie ihren Künstlerblog täglich mit einem Bild und ist noch auf Messen unterwegs. Derzeit stellt sie ihr neuestes Buch Die Küsse der Farben“ vor (siehe Buchtipp). Maf Räderscheidt bekennt Farbe. Nicht nur auf ihren Bildern, sondern auch täglich in den Taten ihres Lebens.

Buchtipp: in „Die Küsse der Farben“ beschreibt Maf Räderscheidt ihr Leben als Eifel-Künstlerin. Es ist gerade im Eifelbild-Verlag erschienen.

Titelbild: Sven Nieder

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About Sabine

Endlich Eifel bedeutet für mich der Umzug von der Stadt in ein historisches Bauernhaus nach Monschau-Kalterherberg. In der Eifel begeistern mich die hilfsbereiten und liebenswerten Menschen, die einen vom Hohen Venn bis in die belgischen Ardennen begleiten.

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