Exil-Mutter in der Eifel

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Von der bayerischen Stadt Regensburg in die Rureifel? Das geht! Wiebke Lengeler ist für ihren Mann mit zwei Kindern nach Dedenborn gezogen. Doch wie findet man mit zwei Kids Anschluss in einem 400 Seelen-Dorf?

Die neugeborene Anna weint und schreit nach Milch. In der Pfanne zischt der dicke Braten. Ein kurzer Blick auf die Uhr verrät Wiebke Lengeler, dass in einer Stunde ihr siebenjähriger Sohn Philipp von der Grundschule abgeholt werden will. „Ich habe alles im Griff“, sagt die Mutter. Das Milchfläschchen steht schon parat, ein schneller Griff an der Pfanne und der Braten ist gerettet. „Man muss viel Offenheit mitbringen, wenn man in der Eifel neu ist“, sagt die 35-Jährige während sie den Tisch deckt. „Natürlich darf man nicht überheblich daherkommen. Auch mit anpacken und offen sein, das gehört dazu.“ Sie nennt ein Beispiel. Als der Möbelwagen mit den Kisten aus Regensburg noch nicht ganz ausgepackt ist, hatte ihr Mann Daniel schon die erste Einladung vom Schützenverein, dass er beim Fichten schneiden mithelfen kann. Ein Dorf-Brauch, der ihrem Mann die ersten Kontakte sicherte.

Dr. Daniel Lengeler ist selbständiger Physiker und Mathematiker und braucht beruflich die Nähe zum Forschungszentrum in Jülich. Da gab es nur die Möglichkeit in der näheren Umgebung von einer Stunde Fahrt ein Haus zu finden. Es wurde Dedenborn bei Simmerath. „Wir haben die Nähe zur Natur gesucht, weil wir gerne wandern gehen. Dedenborn ist umgeben von Hügeln und liegt nah am Nationalpark. Zudem sind es nur zehn Autominuten nach Simmerath, wo sich Einkaufsmöglichkeiten befinden.“ Dedenborn hat weder Bäcker, Metzger noch Supermarkt.

Doch Wiebke Lengeler gefällt das. „Die Kontakte sind nicht so oberflächlich wie in der Stadt. Es ist alles etwas verbindlicher. Man hat keine Riesen-Innenstadt, in der man shoppen kann, dafür aber eine wunderschöne Natur vor der Tür.“ Auch das kleine Baby Anna macht es ihr leicht. Bei den ersten Spaziergängen mit Kinderwagen kam sie direkt ins Gespräch mit Einheimischen. Beim Babymassagekurs wurden Telefonnummern ausgetauscht. Bei der Einschulung ihres ältesten Sohnes Philipp versteht sie sich auf Anhieb so gut mit einer Mutter, die sie bereits aus dem Reitstall in der Umgebung kennt. „Dann sagt schnell einer ‚komm doch mal auf einen Kaffee vorbei‘.“ Auch mit den bauenden Nachbarn auf der gegenüberliegenden Straßenseite versteht sich Lengeler direkt. Es ist ebenfalls ein Paar mit Baby, das frisch aus Aachen in die Eifel gezogen ist. „Abends haben wir im Sommer die schlafenden Babys hinter dem Grill geparkt und bis tief in die Nacht über das Leben philosophiert.“

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Natürlich vermisst die junge Mutter ihre Freunde aus Regensburg, aber die modernen Medien helfen ihr Kontakt zu halten. Bodenständiger sei das Leben in der Eifel. Etwas echter, meint die junge Frau nachdenklich. Auch im Karnevalsverein engagiert sich Lengeler direkt. Statt Weißbier gibt es hier direkt einen Eifeler-Kräuterschnaps. „Der Els schmeckt mir wirklich. Endlich mal kein süß-pappiges Gesöff“, lacht sie und zieht eine erste Bilanz nach einem Dreivierteljahr Dorfleben: „Die Stadt Monschau müsste wieder etwas attraktiver für die Einheimischen werden. Es ist eine wunderschöne Stadt ist, die leider immer mehr zum Ausstellungsdorf für Touristen wird“, kritisiert Lengeler. „Aber im Großen und Ganzen machen die Eifler einer gebürtigen Niedersächsin, die 15 Jahre in Baden und Bayern gelebt hat, wie mir es einfach. Einfach weil sie lebensfroh und nett sind.“ Deshalb macht sich die zweifache Mutter auch keine großen Sorgen nach einem Jahr Elternzeit wieder in ihren Beruf als Hundetrainerin einzusteigen. „Auf meinen Spaziergängen mit meinem Hund kam ich auch schon ins Gespräch mit Hundehaltern im Dorf.“ Der Bedarf und die Anforderungen seien anders als in der Stadt ist sich Lengeler bewusst, „aber Qualität setzt sich in der Regel durch“.

Erste Adressen für Tagesmütter, um ihr Baby unterzubringen hat sie bereits von einer Dorfbewohnerin erhalten. Der Kindergartenplatz ist ihr in Dedenborn so gut wie sicher. Auch an diesem Tag setzt sich Lengeler zufrieden auf ihr Sofa und blickt aus dem Fenster Richtung Wald. „Es ist unbeschreiblich schön wenn der Milan über unser Haus kreist“, freut sich Lengeler „Es ist doch faszinierend zu wissen, der Greifvogel wohnt dort im Wald und zieht seinen Nachwuchs groß.“ Schließlich macht Wiebke Lengeler das nun auch mit ihrer Familie in Dedenborn.

Drei von Sabine selbst getestete Baby-Kurse in der Eifel:

Kurs nach dem Prager Eltern-Kind-Programm (Pekip) für Babys im ersten Lebensjahr in Simmerath – Pekip-Kurs Simmerath
Kontakt: Uschi Wagner, Veranstaltungsort: Malteser Krankenhaus St. Brigida

Ohne Pampers krabbeln die Kleinsten im beheizten Raum über Turnmatten oder entdecken erste Treppen, Höhlen und Rutschen. Uschi Wagner bringt jedes Mal selbst gebasteltes Spielzeug mit, mit dem die Babys tüfteln, entdecken und ausprobieren können. Zur Einstimmung werden in der Gruppe gängige Kinderlieder gesungen.

Kurs nach dem Prager-Eltern-Kind-Programm (Pekip) im ersten Lebensjahr in Roetgen – Helene-Weber-Haus
Kontakt: Stefanie Bielfeld, Veranstaltungsort: Familienzentrum Wackelzahn

Hier geht es ohne Body und Pampers rund. Stephanie Bielfeld lässt sich jedes Mal neue Ideen einfallen, die kleinen anderthalb Stunden zu beschäftigen, während die Mütter über Babyalltag fachsimpeln. Egal ob auf der Turnmatte, im Bällebad oder bei warmen Wetter im Sandkasten. Zudem lockt bei einem Termin das erste Bad im Planschbecken. Kinderliedtexte werden auf Zetteln verteilt, damit lautstark gesungen werden kann.

Eltern-Kind-Treff für Babys ab sechs Monaten in Höfen
Katholisches Forum für Erwachsenen- und Familienbildung Düren-Eifel – Bildungsforum Düren
Kontakt: Sonja Mombach, Veranstaltungsort: Katholisches Pfarrzentrum Höfen

Was passiert, wenn eine Plane ausgerollt wird und die Babys und Kleinkinder mit einem Teig aus Mehl und Ei spielen? Dann darf in Babykleidung „gemanscht“ werden. Und wenn das Planschbecken mit Papierschnipseln gefüllt ist? Die Rasselbande darf selbstverständlich mit Papier werfen und toben. Sonja Mombach hat jedes Mal eine neue Überraschung zum Entdecken für die Kleinen dabei. Am Anfang und Ende der Stunde wird mit den Kindern kräftig gesungen. Die Mütter dürfen sich während der Spielzeit jederzeit austauschen und klönen.

mm

About Sabine

Endlich Eifel bedeutet für mich der Umzug von der Stadt in ein historisches Bauernhaus nach Monschau-Kalterherberg. In der Eifel begeistern mich die hilfsbereiten und liebenswerten Menschen, die einen vom Hohen Venn bis in die belgischen Ardennen begleiten.

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