„Euro-Eddy“ und ein Mayener in der Karibik

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„Euro-Eddy“ und ein Mayener in der Karibik – In der gesamten Eifel wird natürlich auch Fußball gespielt. Einige Kicker wurden sogar Deutsche und internationale Meister oder gefragte Trainer. Von Gerolstein, Rittersdorf oder Prüm schafften sie den Sprung bis nach Jamaika.

„Der Jugendarbeit vom SV Gerolstein verdanke ich sehr viel!“ Rudi Gores als Jungtalent im Trikot von Borussia Mönchengladbach. Seinen ersten Profivertrag unterschrieb sein Vater. Der Sohn war erst 17.
Foto: Wiechmann/Borussia

Er konnte beides. Erich Maas, 1940 in Prüm geboren, galt mit dem rechten wie dem linken Fuß als begnadeter Stürmer. In der Spielzeit 1966/67 wurde der gelernte Konditor aus der Eifel so mit Eintracht Braunschweig Deutscher Meister, spielte später bei Bayern München. „Er war pfeilschnell“, erinnert sich Rudolf „Rudi“ Gores aus Gerolstein. Und da sind wir schon mitten drin in der Geschichte von drei Eiflern, die es in die mindestens große deutsche Fußballwelt geschafft haben. Und da kreuzten sich sogar ihre Wege.

Rudi Gores, 59 Jahre alt, machte eine vergleichbare Karriere wie der Prümer. Und auch er verdankte sie der Nachwuchsarbeit seines Heimatvereins: „Die Jugendarbeit des SV Gerolstein war in den 1970er Jahren legendär“. Gores spielte in der B-, dann in der A-Jugend, kam in die Rheinlandauswahl und wurde sogar Jugendnationalspieler – 1976 war er Torschützenkönig. Ein Türöffner: „Da hatte ich plötzlich die freie Auswahl: Bayern München, der HSV, der FC, Kaiserslautern – die hatten alle Interesse.“ Doch Gores entschied sich für Udo Lattek, seinerzeit Trainer der später legendären „Fohlen-Elf“ am Niederrhein.

Ganze 17 Jahre war er alt, als sein Vater für ihn 1976 den Profi-Vertrag bei Borussia Mönchengladbach unterschrieb. Der Teenager fuhr „dreimal die Woche von Zuhause zum Training. Ich stand ja gerade im Abitur.“ Ab 1979 kam Gores bei den Profis regelmäßig zum Einsatz. In diesem Jahr wurde die Mannschaft nach 1975 zum zweiten Mal UEFA-Pokalsieger. Insgesamt war Gores in 98 Bundesligaspielen eigesetzt – inklusive der späteren Jahre beim heutigen MSV Duisburg und Fortuna Düsseldorf. In der zweiten Liga spielte er für Fortuna Köln, TeBe Berlin und Viktoria Aschaffenburg.

Doch die große Zeit war für ihn bei Gladbach: „Vogts, Heynckes, Stielike, Lienen, Alan Simonsen – alle waren dabei“. Schon mit 29 Jahren beendete Gores seine aktive Karriere: „Die Familie war mir wichtiger und ich hatte auch Probleme mit dem Knie“. Er wurde später Trainer bei Rot-Weiss Essen, die mit ihm 1996 in die 2. Liga aufstiegen und beim SV Wuppertal. Trainerassistenzjahre etwa in Dubai, Abu Dhabi und Teneriffa folgten. Hat er noch Kontakt zu seiner Heimat? „Die ist ein fester Bestandteil meines Lebens“, so Gores. Seine Schwester lebt in Gerolstein, der Bruder in Eisenschmitt. Sechs bis sieben Mal im Jahr komme er zurück. Heute ist Gores Talentscout für Mönchengladbach in Spanien und Portugal. In seiner aktiven Zeit traf Gores Ende der 1970er Jahre auch auf einen anderen Eifler.

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Winnie Schäfer, heute 67, spielte erst 1968 bis 1970, dann wieder von 1977 bis 1985 in Mönchengladbach. 1977 waren die Gladbacher zum drittenmal in Folge Deutscher Meiser geworden. Schäfer stammt aus Mayen und ist vermutlich der Eifler Kicker, der es am weitesten von seiner Heimat weg gebracht hat: Von 2013 bis 2016 war er Trainer der jamaikanischen Nationalmannschaft. Eine seiner vorherigen Stationen war der Karlsruher Sport Club (KSC). Von 1986 bis 1998 trainierte er den Club – und erlebte ein „Wunder“ – dank eines weiteren gebürtigen Eiflers.

„Edgar Schmitt – Fußballgott“: Edgar Schmitt aus Rittersdorf schießt am 2. November 1993 vier Tote für den KSC gegen den FC Valencia.

Am 2. November 1993 stand der KSC in der 2. Runde des damaligen UEFA-Cups (die heutige Euro-League) vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Gegen den damaligen Tabellenersten der spanischen Primera Divisíon, den FC Valencia, hatte man das Hinspiel in Spanien mit 1:3 verloren. Und jetzt?

Jetzt kam „Euro-Eddy“. „Den Namen hatte ich nach dem Spiel weg und bis heute! Das hat mich nicht nur in Deutschland, auch in Belgien und den Niederlanden bekannt gemacht.“ Edgar Schmitt, 54, stammt aus Rittersdorf und spielte gerade in seiner ersten Saison beim KSC. Ein klassischer Stürmer. Mit ihm ist das „Wunder vom Wildpark“ verbunden, benannt nach dem Standort des Karlsruher Stadions. Denn der KSC gewann sensationell gegen Valencia das Rückspiel 7: 0. Vier Tore schoss der Mann aus der Eifel. „Das war das Sahnehäubchen: Ein Nobody besiegt den Goliath“, so „Euro-Eddy“. Im Viertelfinale schied der KSC dann aus.

Heute ist Schmitt Dozent für Sportpsychologie am Europa Campus in Karlsruhe. Für Edgar Schmitt aus Rittersdorf war das einst alles nicht absehbar, aber: „Ich wollte schon als Sechsjähriger Bundesligaspieler werden!“ Es gab nur ein Problem: „Bis zu meinem 21. Lebensjahr war ich 1,58 Meter klein. Damals wurden große Spieler gesucht, die weit schießen konnten.“ Über den FC Bitburg – dort schoss Schmitt bis 1984 insgesamt 76 Tore – die Mannschaften in Salmrohr, Saarbrücken und Trier kam er 1991 zur Eintracht nach Frankfurt und wurde Profifußballer – mit 28 Jahren. 1993 der folgenschwere Wechsel nach Karlsruhe, wo er bis 1996 blieb, bevor er für zwei weitere Jahre bei Fortuna Köln unterschrieb. Es folgten Trainerjahre bis 2012, zuletzt beim TSV Essingen.

Und Rittersdorf? Dahin komme er mittlerweile zwar eher selten zurück, so Schmitt, aber: „Das ist einfach meine Heimat!“ Dank seiner Bekanntheit versucht er für die Region schon immer zu werben. Da fallen ihm viele Argumente ein – vor allem dieses: „Wenn man durch die Eifel fährt, kommt man zur Ruhe!“

Rudi Gores aus Gerolstein hat noch enge verwandtschaftliche Verbindungen in die Eifel: Seine Schwester lebt in der Brunnenstadt, der Bruder in Eisenschmitt.
Foto: Verheyen/Borussia

Auch sie haben es getan:

Reinhard Saftig, 59, aus Uersfeld in der Vulkaneifel: War unter anderem zwischen 1985 und 1998 Trainer in der ersten und zweiten Bundesliga (Borussia Dortmund, Hannover 96 u.a.). In der Saison 1985/86 trainierte er Borussia Dortmund, damals Tabellen-16ter. Es kam zur Relegation in drei Spielen gegen den Zweitliga-Dritten Fortuna Köln. Am Ende siegte Dortmund. Saftig glaubt, dass sei die „Geburtsstunde des speziellen Dortmunder Gemeinschaftsgefühls“ gewesen, so in einem Interview 2011.

Klaus Toppmöller, 66, aus Rivenich an der Mosel: War aus der Jugend des SV Rivenich bis in die Nationalmannschaft gekommen: 1976-79 wurde er dreimal eingesetzt und schoss 1 Tor. Bekannt wurde Toppmöller, gelernter Ingenieur für Versorgungstechnik, nach seiner aktiven Zeit als Trainer: Er coachte zwischen 1994 und 1999 etwa den VFL Bochum oder von 2003-04 den HSV. Sein größter Erfolg war aber das „Vize-Triple“ mit Bayer Leverkusen in der Spielzeit 2001/02: Er coachte das Team bis ins Finale der Champions League, auf Platz zwei der Fußball-Bundesliga und ins DFB-Pokal Finale.

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About Stefan

Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

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