Ein süßes Paradies in der Eifel – Bonbon-Manufaktur Anno 1900 in Simmerath

Anzeige
Anzeige

Von Simmerath, der Gemeinde zwischen Aachen, Monschau und dem Rursee, führt die Bundesstraße 266 direkt durch den verträumten Ortsteil Kesternich. Schon die Römer nahmen diesen Weg durch die Nordeifel und hinterließen ebenso ihre Spuren, wie historische Auseinandersetzungen in vielen der folgenden Jahrhunderte. Aufgrund der nahen Grenze zu Belgien kam es häufig zu Kämpfen bis hin zur fast vollständigen Zerstörung am Ende des Zweiten Weltkrieges. Doch die Kesternicher bauten ihren Ort wieder auf und erhielten dabei das ursprüngliche Erscheinungsbild. An diese bittere Zeit erinnert ein bronzenes Ehrenmal. Heute gehört Simmerath-Kesternich aber zu den süßesten Plätzen in der Eifel, denn hier fertigt Hartmut Gerhards als Bonbonmacher Anno 1900 allerlei Naschwerk nach alter Tradition.

Hartmut Gerhards mit Herzlutscher in seiner Bonbonmanufaktur. (Foto: © Bonbonmacher Anno 1900)

Die kleine Bonbonmanufaktur im ehemaligen Tante-Emma-Laden gegenüber der Pfarrkirche von Kesternich verbreitet schon beim Öffnen der Tür ein süßes Glücksgefühl. Der Duft nach Himbeeren, Lakritz und Pfefferminz erfüllt den Raum. Hier wir Tradition wirklich großgeschrieben, denn Inhaber Hartmut Gerhards widmet sich voll und ganz dem alten Handwerk der Bonbonherstellung. In Kupferkesseln, die ein wenig auch an eine Hexenküche erinnern, kocht er das Zuckerwasser, den Grundstoff für die Bonbons, über einem offenen Feuer. Es braucht seine Zeit bis die Masse die erforderliche Temperatur von genau 118 Grad Celsius erreicht. Anschließend gießt der Bonbonmacher den kochenden Zucker auf ein mit Bienenwachs, Butter und Öl gefettetes Blech zum ebenso langsamen Auskühlen. Dabei faltet er das Bonbongelee immer wieder, um eine gleichmäßige Verteilung der zugegebenen natürlichen Aromen zu erreichen. Jetzt ist die Bonbonmasse in einer wachsartigen Konsistenz, wird in passende Stücke geschnitten und durch eine gemusterte Walze gepresst. Heraus kommen die fertigen Bonbons, die noch zart miteinander verbunden sind. In einer Schüttelsieb trennt Gerhards seine süßen Kreationen voneinander.

 Ingwerwürfel, Rotweinbonbons und Eifelbrocken

Auch wenn der Herstellungsprozess relativ schnell beschrieben ist, war der Weg von Hartmut Gerhards zum Bonbonmachen doch länger. Vor rund 30 Jahren entschied er sich, seinen erlernten Beruf als Groß- und Einzelhandelskaufmann – auch für Süßwaren – aufzugeben und sich fortan mit dem Aufbau einer eigenen Bonbonmanufaktur zu beschäftigen. Mit einer ersten „Bonbonmaschine“ mit zwei Walzenpaaren aus dem Familienbesitz erweckte Gerhards, der aus Broichweiden bei Aachen stammt, die Tradition des Bonbonmachens wieder zum Leben. Aufgrund der großen Resonanz erweiterte er seinen Wirkungskreis und fand in Kestenich ein leerstehendes Ladenlokal, das sich für die Einrichtung von Werkstatt und Verkauf der Bonbons eignete.

Anzeige

Heute besitzt Gerhards 35 Bonbonwalzen, die er von überall her zusammengetragen hat. Beerenmuster, Rautenformen und Quadrate kann er damit in die Zuckermasse walzen. Zum Süßen Sortiment gehören aber auch zahlreiche Zuckerformen für Lutscher und größeres Naschwerk. Die historischen Gussformen mit Figuren, wie Eichhörnchen, Fisch, Hahn, Bär, Affe, Frosch, Püppchen, Bauer und sogar Polizist, hat der Bonbonmacher ebenfalls nach und nach in der gesamten Eifelregion sowie auf seinen Reisen durch die Republik aufgespürt.

Die alten Bonbonwalzen stammen teilweise aus Bäckereien. (Foto: © Bonbonmacher Anno 1900)

Das Auswahl der Geschmacksrichtungen ist zwar klassisch, jedoch mit 25 Sorten äußerst vielfältig. Unter der Verwendung von ausschließlich natürlichen Zutaten, wie Zucker, Honig, Fruchtsäften oder Fruchtmark, Bonbonsirup, Pflanzenauszügen, Sahne und ätherischen Ölen entstehen die unwiderstehlichen Bonbons, darunter Himbeerbonbons natürlich in Beerenform, Zitronenbonbons, Anisbonbons, Kirschbonbons, Sahnebonbons, Honigbonbons sowie Lakritz-Bonbons, Goldnüsse oder Pfefferminzkissen. Aber auch Bonbonkreationen wie Ingwerwürfel, Rotweinbonbons, Fruchtmischungen oder die mit einer Goldmedaille ausgezeichneten Eifelbrocken verführen zum süßen Genuss. 

Nostalgisch sind sogar die Verpackungen

In kleinen und größeren Bonbontüten – nostalgisch bedruckt – wird das Naschwerk verpackt. Noch schöner sind aber die Präsentdosen aus Weißblech. Wunderschöne Motive von Jugendstil, über Trachten und Wanderern bis hin zum Foto vom Chef sind erhältlich und können in kleinen Mengen sogar als Werbemittel mit Firmenlogos individuell gestaltet werden.

In Präsentdosen mit nostalgischen Motiven sind die Bonbons perfekt verpackt. (Foto: © Bonbonmacher Anno 1900)

Für Gruppen: Bonbonmachen live erleben

Nach einer Wanderung im Naturpark Eifel oder durch Hohe Venn können Gruppen ab 10 Personen – nach vorheriger Anmeldung – dem Bonbonmacher über die Schulter schauen. Für nur 5 Euro pro Person erlebt man die Herstellung von Bonbons und Lutschern und erhält eine Tüte mit leckerem Zuckerwerk als Erinnerung.

Bonbonmacher Anno 1900 | Hartmut Gerhards | Bundesstraße 56 (Werkstatt & Verkauf) | 52152 Simmerath-Kesternich | Telefon 02473/909355 | Mail: info@bonbonmacher.de

(Titelfoto: In einem alten Zirkuswagen verkauft Hartmut Gerhards seine Lutscher und Bonbons aus Simmerath auf vielen Märkten der Eifelregion sowie bundesweit, von der Ostsee bis zum Albkreis. (Alle Fotos: © Bonbonmacher Anno 1900)

mm

About Jeannette

Vor den Toren meiner rheinischen Heimatstadt liegt die Eifel. Die nahe Mittelgebirgsregion ist häufig Ausflugsziel und Zufluchtsort zugleich. Vielfältige landschaftliche und kulturelle Reize begeistern mich ebenso wie die lebendige Geschichte und die regionalen Spezialitäten. Bei Wanderungen in der abwechslungsreichen Natur sammle ich als Stadtmensch kreative Energie für neue Projekte.