Ein besonderer Bäcker in der Eifel

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Nicht nur eine Weihnachtsbäckerei – Ein besonderer Bäcker in der Eifel

Bereits bei einem ersten E-Mail-Kontakt ist klar, dass Josef Utters sein Handwerk liebt – und das nicht nur zur Weihnachtszeit. „Ich verbleibe mit beiden Händen im Teig und mit freundlichen Grüßen“, heißt es da, und zaubert dem Empfänger ein Lächeln ins Gesicht. Endlicheifel.de wollte ein bisschen über diesen Bäckermeister erfahren, der bereits in der dritten Generation traditionelle Handwerkskunst betreibt. In einem Interview erfahren wir, weshalb er in der Eifel geblieben ist, auf welch ungewöhnliche Weise er expandiert ist und wo das Rezept von „Großvaters Stollen“ herkommt, der zur Weihnachtszeit so gern gekauft wird.

In der Eifel bin ich zu Hause

02In der Eifel wohnen wirklich besondere Menschen, und Josef Utters ist einer von ihnen. Es macht ihn nicht besonders, dass er eine Öko-Bäckerei betreibt. Auch nicht, dass er seine Weihnachtsbäckerei erst im November eröffnet und erst recht nicht dass er lange Haare und einen Zopf hat. Was Josef Utters besonders macht, ist, dass er dass tut, was er liebt – und zwar voll und ganz.
Es beginnt schon mit seiner Entscheidung, in der Eifel zu bleiben. Während viele Freunde in den vergangenen Jahren abgewandert sind, ist für ihn klar, dass er hier zu Hause ist. „Hier hat man so viel Gegend“, schwärmt der 50 jährige Bäckermeister. „Ich kann hier stundenlang durch den Wald laufen und sehe niemanden! Andererseits kann ich auch links runter ins Dorf gehen und treffe Leute, die ich kenne.“
Was er schade findet, ist, dass viele in der Eifel lebende Eltern ihren Kindern gar nicht zeigen, was das Besondere an diesem Landstrich ist. „Es ist so schön hier und wir haben eine so reichhaltige Historie! Anstatt den Kindern die Vorzüge der Eifel zu zeigen, verpassen es viele Eltern ihren Kindern ein Heimatgefühl zu vermitteln.“
Das merkt Josef Utters auch in seiner Backstube. Als ausbildender Handwerksbetrieb hat er in jedem Jahr Lehrlinge die das Bäckerhandwerk von der Pike auf lernen, bis sie den Gesellenbrief in der Tasche haben. „Dann möchte ich am liebsten, dass die Gesellen in die Städte ziehen und ihr Wissen erweitern, um dann zurück zu kommen. Doch die meisten bleiben in den Städten“.
Dabei hat die Eifel so viel zu bieten – auch für die jungen Menschen. „Hier gibt es Traditionen, die schon seit 600 oder 700 Jahren bestehen und die von den jungen Menschen weitergetragen werden. Das hält zusammen.“
Für Josef Utters war der Weggang aus der Eifel nie ein Thema. Die Welt entdecken und kennenlernen – ja. „Aber hier, das ist mein zu Hause.“

Ich bin Bäcker

01Was Josef Utters noch liebt, ist die Hände in den Teig zu stecken. Vor ein paar Jahren stand er vor der Wahl, mit seiner Bäckerei zu expandieren. Er war bereits dabei die Vergrößerung zu planen, weil er mit dem Backbetrieb nicht mehr hinterher kam. Bäckermeister Utters und seine Gesellen arbeiteten wochenlang nahezu rund um die Uhr ohne Urlaub, weil unendlich viele Aufträge reinkamen. Daraufhin beschloss er, für Anschaffungen und Umbauten in Millionenhöhe zu investieren, um dem gerecht zu werden. Es war eine aufregende und überwältigende Zeit, denn die kleine Backstube stand an der Schwelle, ein kleines Bäckerimperium zu werden.
Doch eines Nachts fragte ihn seine Frau: „Willst du das wirklich?“, und seine Antwort lautete: „Nein. Ich will backen und nicht verwalten!“ Vergrößert hat die Bäckerei sich dennoch. Zwar nicht räumlich, sondern zeitlich. „Wir arbeiten seit dem in einem 3-Schicht-System und backen rund um die Uhr.“ Auf diese Weise schafft es Josef Utters der Nachfrage gerecht zu werden, seinen Gesellen geregelte Arbeitszeiten zuzusichern und selbst seiner Leidenschaft nachzugehen – dem Backen.

In der Weihnachtsbäckerei

Auch seine Kunden liebt Josef Utters, und deswegen gönnt er ihnen die Freude auf etwas Besonderes. Während in vielen Geschäften bereits am 1. September Spekulatius in die Auslage kommen, beginnt Bäckermeister Utters erst am 1. November mit den Vorbereitungen für die Weihnachtsbäckerei. „Die Weihnachtsbackwaren sind sehr fetthaltig und der Körper will das von Natur aus nur, wenn es draußen sehr kalt ist. Wenn ich die früher anbiete, haben die Kunden im Dezember keinen Appetit mehr drauf.“
Dafür dürfen seine Kunden sich auf ganz besonderen Leckerein zur Weihnachtszeit freuen. Und auch über Weihnachtsspezialitäten mit Geschichte. So erzählt Josef Utters, dass er vor vielen Jahren ein kleines, verstaubtes Büchlein hinter dem Schrank gefunden hat. „Ich habe die Spinnenweben und den Staub weggewischt und geschaut, was drin steht. Es war ein Buch, dass mein Großvater auf seiner Walz geschrieben hat!“
Dort stand in der Handschrift seines Opas ein Stollenrezept geschrieben, was gleich ausprobiert wurde. Nachdem die Familie es für gut befunden hatte, kam das Rezept in die Backstube und wird in den drei Filialen unter „Großvaters Stollen“ verkauft. Doch nur, wenn es kalt draußen ist.

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Tu was du liebst

Auf die Frage, ob seine Kinder später in seine Fußstapfen treten werden, lacht der Bäckermeister in der dritten Generation und sagt: „Früher haben sie das gemacht, wenn Schnee draußen lag!“
Dann wird er nachdenklich und berichtet von seinem Sohn, den er vor ein paar Jahren mal fragte, ob er schon wüsste, was er später mal machen möchte. Dieser antwortete: „Papa, was erwartest du denn?“ Da wurde Josef Utters klar, dass ein Genetationenbetrieb auch eine Bürde sein kann – sofern man nicht darüber spricht.
So war Josef Utters, Bäckermeister in dritter Generation froh, dass er seinen Sohn nach dessen Zielen gefragt hatte. Und seine Antwort ganz klar: „Ich erwarte, dass du deinen eigenen Weg gehst und irgendwann nach Hause kommst und mir sagst, dass du richtig glücklich bist.“

Zum Abschluss stellt uns Josef Utters noch sein Rezept für 6 Weckmänner zum nachbacken zur Verfügung: Josefs Rezept für 6 Weckmänner

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About Viola

Ich liebe die Natur der Eifel und das Schreiben ermöglicht mir, die Eifel auf eine ganz besondere Weise kennenzulernen. Denn ich erfahre Dinge, die ich vorher nicht wusste und das inspiriert mich.

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