Eifelspezialität Döppekooche

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Dem Eifeler muss keiner erklären, was ein Döppekooche ist. Döppekooche ist das Gericht, das die Mutter auftischt, wenn die erwachsenen und fortgezogenen Kinder mal wieder zu Besuch kommen. Denn Döppekooche riecht nach Heimat und Zuhause. Und tatsächlich ist der Duft von frisch gebackenem Döppekooche durch nichts zu toppen.

Döppekooche ist ein Kartoffelauflauf, der große Bruder vom Krebbelche, dem Kartoffelpuffer. Er besteht aus geriebenen Kartoffeln, vermischt mit Zwiebeln, Eiern, altbackenen Brötchen und Speck. Gewürzt wird mit Salz, Pfeffer und Muskat. Dazu gibt es Apfelmus, nicht optional, sondern als unbedingtes Muss. Aber das muss man einem Eifeler natürlich nicht erklären. Der hat den Döppekooche samt Apfelmus praktisch mit der Muttermilch eingesogen. Fast jeder Haushalt hat sein eigenes Rezept, dem – so sollte man zumindest meinen – natürliche Grenzen gesetzt sind. Trotzdem schwört jeder Stein auf Bein, dass sein Rezept oder das der Mutter oder der Oma das Beste sei.

Der Döppe
Seinen Namen hat der Döppekooche vom gußeisernen Döppe (=Topf). Denn darin wird er gebacken. Vorzugsweise in einem, der bereits Patina angesetzt hat und über Generationen weitervererbt wurde. In so einem gusseisernen Bräter bekommt er die schönste Kruste. Und die sollte zumindest dunkelbraun, wenn nicht gar schwarz sein, wenn der Döppekooche aus dem Ofen kommt. Außen kross und innen weich, so ist er genau richtig. Und natürlich sollte der Döppe groß sein, richtig groß. Denn der Döppekooche wird in der Eifel nicht in kleinen Mengen gegessen. Ich habe schon von Exemplaren gehört, die fünf Kilo schwer waren. Doch auch wenn man die fünf Kilo nicht alle selbst verdrückt, ist Döppekooche kein Diätessen. Er ist ausgesprochen gehaltvoll, vor allem dann, wenn noch Öl im Rezept steht. Manchmal kommen zusätzlich zum Speck auch noch klein geschnittene Mettwürstchen in den Teig.

Wir vergessen dann gerne, dass wir uns nicht nach tagelanger, anstrengender Feldarbeit die abgeschafften Kalorien wird anfuttern müssen, sondern dass wir uns am Schreibtisch gerade mal für ein Knäckebrot ins Zeug gelegt haben. Früher galt der Döppekooche in der Eifel als Armeleute-Essen. Zu St. Martin gab es ihn statt der Gans, die an diesem Tag bei den Betuchteren auf dem Tisch stand. Und das war nicht nur in der Eifel so. Im gesamten nördlichen Rheinland-Pfalz, im Westerwald oder rund um Koblenz wird dieser Kartoffelauflauf gegessen. Er heißt dann nur anders: Dibbedotz, Krombierekooche oder Debbekooche, Dibbelabbes, Kesselsknall. Ja, so lustig können sich traditionelle Gerichte in der jeweiligen Mundart anhören.

Döppekooche 2.0
In Zeiten des Internets hat es der Döppekooche sogar schon auf Facebook geschafft. Dort gibt es gleich zwei Fangruppen. Eine nennt sich „Eifler Döppekoche und andere Gerichte aus der Eifel“, die andere schlicht „Döppekooche“. Zusammen haben sie 2600 Freunde. Hier werden Rezepte ausgetauscht und Döppekooche-Bilder gepostet. Der eine gibt ganz viel Rindermark rein oder Lauch, ein anderer backt den Döppekooche mit Haferflocken oder Paniermehl, statt mit Brötchen. Wie gesagt, es gibt jede Menge Variationen. Deshalb hier nur das Döppekooche-Grundrezept:

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Döppekooche-Grundrezept
1,5 kg Kartoffeln (festkochend)
0,5 l Milch
4 Eier
200 g eingeweichte Brötchen
3 Zwiebeln
200 g Speck
2 Mettwürstchen (anstatt Speck und Mettwürtschen einfach Räuchertofu für die vegetarische Variante nehmen)
40 g Butter
Salz, Pfeffer und frisch geriebener Muskat

Die Zwiebeln und den Speck in etwas Butter glasig anschwitzen. Die rohen Kartoffeln reiben, mit Salz und Pfeffer würzen. Eier, in Milch eingeweichtes und ausgedrücktes Brot, Speckwürfel und die Zwiebeln mit der Kartoffelmasse mischen und in eine Auflaufform geben und Butterflöckchen darüber verteilen.
Bei etwa 180° C bis zu 120 Minuten backen. Zum Schluss noch etwas Öl obenauf träufeln und kurz bei 190° C Oberhitze noch einmal überbacken.

Gast-Autorin

Martina Gonser lebt in der Vordereifel und bloggt auf meineeifel.de alles, was sie für mitteilenswert hält. Sie gibt Einkaufstipps, Wander- und Ausflugstipps und schreibt gerne über gutes Essen und vieles mehr. Sie möchte andere für die östliche Vulkaneifel begeistern und zeigen, wie vielseitig und spannend die Region zwischen Koblenz und Daun ist. Nicht als neutrale Reporterin, sondern aus ihrer ganz subjektiven Sicht. Hauptberuflich arbeitet sie als Rundfunkreporterin im SWR Studio in Koblenz.

2 thoughts on “Eifelspezialität Döppekooche

  1. Toll,
    aber auch wenn ich WIEDER EINMAL die Figur des Besserwisser mache,
    Döppekooche gibt es in dieser (Eifler) Form in leicht abgewandelter Art vom Elsaß bis ins Ruhrgebiet, ist also somit KEIN typisch Eifler Gericht – leider.
    Was sich allerdings erheblich ändert, ist der Name, der von Kulles, Flennes Uhles, Puttes, Dielzkooche, Erbelskooche (Erdäpfelkuchen), Tuffelskoochen bis Kesselskooche reicht, um nur einige zu nennen.
    Das Rezept ist immer dasselbe …
    … vielleicht aber eine Eigenart aus dem Ruhrgebiet (Gelsenkirchen-Buer aus meiner Familie), wo er mit einer Tasse Kaffee !!! uebergossen wird, bevor er in den Ofen kommt.

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