Eifelland – auch Bioland

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Mehr als 50 zertifizierte Bio-Bauernhöfe gibt es in der Eifel. Ob Obst, Gemüse, Rindfleisch oder Ziegenkäse: Die Nachfrage nach besten regionalen Produkten in hoher kontrollierter Qualität und dírekt vom Erzeuger nimmt weiter zu.

Hier fühlt man sich wie im Schwarzwald und fast wie auf der Alm im Oberallgäu: Christian Harborth, 50, gebürtig aus dem Ruhrgebiet, leitet seit 24 Jahren den „Demeterhof Steinich“. Er wirkt zufrieden mit Blick auf seine Wiesen und Felder auf dem Plateau oberhalb von Mürlenbach in 500 Metern Höhe und mitten im Wald. „Das ist von morgens bis abends alles in der Sonne.“

„Alles“ sind 30 Hektar Grünland, ein Hektar Gemüseanbau, genug Platz für die alte Eifeler „Glanrind-Rasse“, dazu Streuobstwiesen. Alleine 8000 Liter Apfelsaft presst der Biobauer pro Jahr. Aus dem Umkreis kommen im Herbst die Apfelbaumbesitzer mit ihrer Ernte zur Weiterverarbeitung auf den Hof mit der unschlagbar schönen Lage.

Der „Steinich“-Hof ist einer von gut einem Dutzend zertifizierten Demeter-Betrieben in der Eifel. Er gehört zu „Haus Michael“ im nahen Weissenseifen, einer heilpädagogischen Heimstätte mit Schule und therapeutischen Werkstätten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die auf der Grundlage des von Rudolf Steiner in der Anthroposophie gegebenen Menschenbildes arbeitet. Menschen mit schweren autistischen Erkrankungen finden so auch bei Biobauer Harborth Beschäftigung. Etwa bei der Ernte des prachtvollen Eichenblattsalates, der dicken Radieschen, oder dem Einsammeln der Eier von derzeit 50 Hühnern in Biohaltung. „100 Hühner kommen in diesem Jahr noch dazu“, so Christian Harborth.

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Jeden Samstag steht er auf dem Frischemarkt in Gerolstein. Dort hat er seine Stammkunden, die die Qualität der Produkte vom „Steinich-Hof“ zu schätzen wissen. Harborth verkauft dann auch etwa den Käse von den Demeter-Kollegen Paul und Eugenie Brandsma vom „Hof Breit“ in Wittlich, deren „Hofladen“ als einer der besten in ganz Deutschland prämiert wurde.

Oder auch den Ziegenkäse von Regino Esch vom „Bioland Hof Steinrausch“ in Wascheid. Esch, 46, hält 150 Stück der „Bunten deutschen Edelziege“, aus deren Milch er Käse herstellt, der deutschlandweit über Biomarkt-Großhändler vertrieben wird. 35 Betriebe in der Eifel sind dem Bioland-Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland angeschlossen, 300 sind es in dem Großbereich insgesamt. „Der Markt wächst schneller als die Betriebe von der konventionellen Landwirtschaft auf Bioproduktion umstellen können“, meint Esch.

Regino Esch vom „Hof Steinrausch“ ist für seinen Ziegenkäse bekannt.

Deutschlandweit waren es zum 1. Januar dieses Jahres  schon 6861 Bioland-Betriebe, der größte Fachverband, ein weiteres Plus um 10 Prozent gegenüber 2016. Sie bewirtschaften rund 343.000 Hektar Land. „2016 stellten etwa fünf Bauern pro Tag auf Bio um, fast jeder zehnte Landwirtschaftsbetrieb in Deutschland wirtschaftet ökologisch“, so der Bund Ökologischer Landwirtschaft. Nach Schätzung des BÖLW wuchs die deutsche Öko-Fläche 2016 um 96.633 Hektar auf 1.185.471 Millionen, einem Plus von 8,9 Prozent. Die Zahl der Bio-Betriebe stieg im selben Zeitraum auf 26.855 Öko-Höfe an, was ein Plus von 2.119 Betrieben oder 8,6 Prozent bedeutet. Über die Hälfte von ihnen (52 Prozent) sind den größten Bio-Verbänden angeschlossen.

Auf dem Gerolsteiner Frischemarkt hat Biobauer Christian Harborth schon lange viele Stammkunden.

„Bio“ nach Demeter oder Bioland-Richtlinien ist ein geschützter Begriff. Darauf legt Regino Esch größten Wert. Solche Produkte gibt es auch im Hofladen wie in Wittlich, oder bei Demeter-Biobauer Bruno Thome in Weiersbach bei Daun.

So weit zum Thema „Bio“. Gute Qualität kann aber auch nach den Richtlinien der Europäischen Gemeinschaft andere Produkte kennzeichnen.

Ein anderes Thema ist die „Milchtankstelle“. Hier wird konventionelle, regionale Milch etwa von  Bauer Hansen in Bleialf, auf dem Bielenhof in Birgel, dem Traudenhof bei Wiesbaum oder auf dem Ferienhof Barthems in Rommersheim angeboten.

Schlägt man den Bogen noch etwas weiter, und sucht nach landwirtschaftlichen Betrieben in der Eifel die ebenfalls auf gute regionale – aber konventionelle – Qualität ihrer Produkte setzen, so lohnt sich zum Beispiel ein Besuch auf dem Gröner Hofin Loogh, wo Michael und Ursula Gröner den „Eifeler Bergkäse“  und sogar den „Eifeler Camembert“ anbieten. „Bergkäse“ vom kleinen Weiler bei Kerpen ist in Supermarktkühltheken in ganz Deutschland zu finden.

Ganz von ungefähr kommt der Boom bei den Biobetrieben nicht. Neben dem neuen Ernährungsbewusstsein der Verbraucher haben auch die anhaltend zu niedrigen Milchpreise manche Bauern in der Eifel zum Umdenken bewogen. Sie verkleinern ihre Betriebe und stellen sie um – vielleicht ergänzt um „Ferien auf dem Bauernhof“. So ist es zum Beispiel auf dem Schnee-Eifel-Hof“ von Demeter-Bauer Josef Weber in Sellerich-Herscheid.

Ines und Kristian Finken aus Steffeln schwören auf Bio-Qualität aus dem eigenen Garten. Sie sind Selbstversorger. Was fehlt, finden sie auch bei den Bio-Bauern der Region.

Bio-Landbau in Deutschland, einst ein Nischenmarkt, ist mittlerweile mit rund 8 Milliarden Euro der größte Markt mit dieser Qualitätsgarantie in Europa geworden. Mit derZukunftsinitiative für den ökologischen Landbau“ werden Landwirte vom Bundeslandwirtschaftsministerim mit Zuschüssen „von bis zu 20 Prozent“ für die Betriebsumstellung unterstützt, so Regino Esch.

Warum? „Weil Bioqualität einfach besser schmeckt, und wir wissen, was wir essen“, betonen Ines und Kristian Finken aus Steffeln. Sie allerdings sind Teil eines weiteren Trends, dem zur  Selbstversorgung. Die junge Familie baut in ihrem Obst- und Gemüsegarten fast alles an, was sie für den Speiseplan braucht. Was fehlt, finden sie auch bei den Eifeler Biobauern.

mm

About Stefan

Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

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