Die in die Sterne gucken

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Nachts ist die Eifel am schönsten. Das  ist kein Witz, sondern die feste Überzeugung vieler Hobbyastronomen. Wenn die Nacht sternenklar ist. Von der ISS kann man dann zwar die beleuchteten belgischen Autobahnen sehen, aber nicht die Eifel. Macht nichts – Eifeler schauen trotzdem zurück.

Die Schönheit der nächtlichen Eifel bei sternenklaren Nächten hat die Region sogar schriftlich. 2014 hatte sich der Nationalpark Eifel als „Sternenpark“ qualifiziert, vor drei Jahren erhielt das Großschutzgebiet die Anerkennung der International Dark-Sky-Association (IDA). Auf dem Sternwarte-Gelände von Vogelsang IP gastiert die Astronomie-Werkstatt „Sterne ohne Grenzen“: Bei klarem Wetter kann man sich hier mit Teleskop-Freunden zum Blick in die näheren Tiefen des Weltalls treffen. Und nicht nur vom Nationalpark aus kann man die galaktische Ebene sehen, das Band der Milchstraße, zu der unsere Galaxie gehört.

Sehhilfe: Thomas Regnery (rechts) und Harald Simon vom AVV in der Sternwarte auf dem Hohen List.

Thomas Regnery, Mitglied der 2013 gegründeten Astronomischen Vereinigung Vulkaneifel am Hohen List (AVV), empfiehlt die Monate ab September und bis in den Mai – dann ist der Himmel am klarsten. Eine Vollmondnacht ist allerdings eher hinderlich – der Gute strahlt zu hell. Aber das muss Regnery beim jeden ersten Dienstag im Monat ab 19 Uhr stattfindenden „Astro Abend“ in der größten von sechs Kuppeln des Observatoriums auf dem Hohen List den Meisten nicht mehr erklären. Der Verein bietet zudem ein hochkarätiges Vortragsprogramm an.

550 Meter hoch ist die Bergkuppe oberhalb von Schalkenmehren. 1954 wurde das Observatorium vom Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn eröffnet. Die über weite Strecken immer noch ablichtfreie, weil dünn besiedelte Eifel hat für professionelle wie Freizeit-Sternengucker eben Tradition. 2012 zogen die Wissenschaftler allerdings aus, die Uni Bonn blieb Mieter des Geländes, das dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes Nordrhein-Westfalen gehört. Und der AVV ist Untermieter für die Nutzung des 1-m-Cassegrain-Teleskops auf dem Hohen List unter der größten Kuppel. Thomas  Regnery und Harald Simon, 2. Vorsitzender des AVV, treibt daher die Frage um, wie lange noch der jährlich zu erneuernde Untermietvertrag verlängert wird. Eine Dauerlösung wäre dem AVV lieber. So, oder so müssen die 700 Euro im Monat von den Mitgliedsbeiträgen (20 Euro im Jahr) irgendwie aufgetrieben werden. Für ein Hobby, und damit rund um das Wissenschaftsdenkmal in der Vulkaneifel einfach „was passiert“.

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Solche Sorgen hat Astronom Norbert Junkes nicht. Er ist einer von 40 Mitarbeitern des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR) beim Radioteleskop Effelsberg. Die 100-Meter-„Schüssel“, die Gesamtkonstruktion wiegt 3200 Tonnen, beim gleichnamigen Dorf ist das einzige noch „arbeitende“ Radioteleskop in der Eifel. Und das Zweitgrößte voll bewegliche dieser Art weltweit – in Europa die Nummer 1. Das Riesenmessinstrument ist  Teil eines weltweiten Netzwerkes. In einem Wellenlängenbereich von 3,5 Millimeter bis 90 Zentimeter können von „Effelsberg“ aus kurzwellige Radiostrahlen empfangen werden. An die 400 Vorträge hält Junkes pro Jahr um zu erklären, was hier genau geschieht. Er erläutert im Besucherzentrum dass „je weiter der Blick ins Weltall reicht, umso tiefer in die Vergangenheit“.

Die Sternwarte auf dem Hohen List oberhalb von Schalkenmehren.

Wovon die AVV-Freunde  auf dem Hohen List nur träumen können – dank der Hochleistungsrechner des MPiFR wird es aus den empfangenen Radiosignalen sichtbar gemacht: Zum Beispiel das komplexe Sternbild des Orion, des „Weltraumjägers“, nicht nur dessen hellste Punkte, wie alle leuchtenden Sterne am Eifelhimmel eigentlich Sonnen, die die Sternbilder ergeben.  Oder Pulsare, die man hörbar machen kann, kalte Gas- und Staubwolken, von Schwarzen Löchern ausgehende Materiejets und Kerne ferner Galaxien. Der „Rote Überriese“ Betelgeuze im Orion-Sternbild ist etwa 642,5 Lichtjahre entfernt. Würde er „heute“ zur „Supernova“ wäre das Licht der Explosion 642,5 Jahre später erst zu sehen sein und „heller als unsere Sonne“, so Junges. Beim Tag der Offenen Tür am 9. September im Radioteleskop können sich Interessierte diese tatsächlichen Reisen in ferne Welten erklären lassen. Besuchergruppen können zwischen April und Oktober jederzeit über E-Mail-Kontakt Junges Vorträge buchen (public@mpifr.de).

Der Astropeiler „Auf dem Stockert“ ist weithin sichtbar auf einem Höhensattel oberhalb von Bad Münstereifel.

Das weithin bekannte Teleskop bei Effelsberg ist es allerdings nicht, das man bei der Fahrt über die A1 auf der ersten Eifel-Hügelkette bei Bad Münstereifel sieht. Denn das 1972 erbaute Riesenteleskop liegt in einem Tal – Abstrahlung geschützt. „Auf dem Stockert“ steht vielmehr der schon  1956 eröffnete  „Astropeiler“. Bis 1995 war das Forschungsinstrument der Uni Bonn in Betrieb. 2004 kaufte die NRW-Stiftung das Areal mit dem 10-Meter-Spiegel und stellte Mittel für die Sanierung zur Verfügung. 2011 erfolgte die Wiederinbetriebnahme. Es wird wieder geforscht. Von Mai bis Oktober ist der „Astropeiler“ jeden Sonntag um 14 Uhr für Interessierte offen.

Die Eifel ist für vieles gut  – auch fürs Sternengucken. Ins Observatorium muss man deshalb allerdings nicht unbedingt, meint Thomas Regnery von den Astronomiefreunden: „Um Mitte August die Perseiden, die man auch Laurentius-Tränen nennt, weil sie zeitgleich zum Laurentiusmarkt in Daun auftreten,  zu sehen, reicht ein klarer Himmel und eine Sonnenliege aus.“

Titelbild: Radioteleskop Effelsberg, Norbert Junkes/MPIfR
Bild Astropeiler: Fotolia

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About Stefan

Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

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