Eifel-Kunst: Ateliertage und Kunst im Bahnhof

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Mehrere hundert bildende Künstler leben in der Eifel. Sie öffnen ihre Ateliers, stellen ihre Werke in Ausstellungen vor. Eifelkünstler haben es sogar ins Museum geschafft. Alle Kreative, alle Initiativen oder Vereinigungen vorzustellen – das würde den Rahmen sprengen. Also haben wir Mut zur Lücke! Was fehlt? Wir sind für Tipps dankbar. Wie immer (Updates am Ende des Beitrags).

Dan Hepperle aus Frohngau, einer der Gründer der Eifeler Atelier Tage.

„Hoffentlich sind alle pünktlich!“ Carin Conscience seufzt. Die Kaller Künstlerin organisiert seit fünf Jahren die Eifeler Atelier Tage, kurz EAT. In der NRW-Eifel und in angrenzenden Landkreises in Rheinland-Pfalz werden in diesem Jahr zwischen dem 17. und 19. September wieder Kreative ihre Ateliers öffnen und zum Hausbesuch einladen. Eine große Überblicksausstellung, zur Festlegung der Kunstbesuchsroute der Interessierten bei den Ateliertagen gedacht, wird im Gemünder KunstForumEifel ab dem 3. September zu sehen sein.

Doch wie viele dabei sein werden? Conscience weiß es aus Erfahrung erst „5 nach 12“, in diesem Jahr am 17. Juli, dann ist Anmeldeschluss. Eine geringe Gebühr für den Druck von Flyer, Plakaten und die Miete für die Räume in Gemünd wird erhoben – kuratiert wird nicht. Es werden wohl wieder an die 100  Ateliers sein, die an den drei Tagen Mitte September geöffnet sind. Künstler, die aus der Eifel sind oder in der Eifel leben, dazu Gastkünstler.

2005 starteten die EAT  mit zunächst 26 Künstleradressen in der Region.Die Initiatoren Dan Hepperle und Frim Sauvageot  hätten wohl nie gedacht, dass ihre Idee auf so fruchtbaren Boden fällt: „Wir wollten was bewegen, zeigen, wie viele Künstler in der Eifel leben, sogar sehr viele“, so Dan Hepperle. Die beiden stammen wie viele Kreative, die es in die Eifel gezogen hat, aus Köln. Die EAT-Gründer haben, beziehungsweise hatten ihren Wohnsitz in der Gemeinde Nettersheim. Sauvageot verstarb 2009.

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An den drei Tagen setzen sich die Kreativen so der Kritik der Besucher aus, die auch die Neugier treibt. Und es muss nicht etwas so exotisches wie die „Buntbunkerwelt“ in Satzvey sein. Wie leben und arbeiten eigentlich Künstler? Die Frage wird auch bei den EAT beantwortet. Hemmschwellen gibt es dann kaum, stattdessen oft Kaffee und Kuchen zur Kunst im Atelier.

Das gilt auch für den in diesem Jahr zum 14. Mal privat veranstalteten „Sommernachts-Raum“ von Dorothea Kirsch und Oreste in Gillenbeuren bei Ulmen, eines von mittlerweile vielen Kunstfesten in der Eifel. 16 Künstler werden am traditionell letzten Sonntag im Juni (in diesem Jahr am 25.6.) dreidimensionale Kunst im schönen großen Garten des Künstlerehepaares ausstellen: „Viele aus Köln, auch aus Kassel, Berlin, Tübingen – und natürlich aus der Eifel“, so Dorothea Kirsch. „Wir wollten damals einfach was Neues anbieten, das es so noch nicht gab“, so die Initiatorin (Archiv des Projektes bis 2015 auf sommernachtsraum.com). Der  „Skulpturengarten“ wird zwar kuratiert, die Teilnahme für die Kreativen ist aber kostenlos wie auch der Eintritt. Mehrere hundert Besucher aus einem Umkreis von bis zu 100 Kilometern können es sein, die dann ins 270-Seelen-Dorf kommen.

Eine der zentralen Kunst-Adressen: das KunstForumEifel in Gemünd. Kuratorin ist Eva Maria Hermanns (links).

Die Ateliers der Künstler sind in der Eifel verstreut. Daher ist die  Vernetzung untereinander, das Zusammenbringen mit Kunstinteressierten – es können ja auch potentielle Käufer sein – ein wichtiges Motiv für die Veranstalter der meisten Kunstschauen. Das gilt auch für Angebote weiterer Idealisten wie Bernd Sommer und seiner „Gezeitenpumpe“ in Broich bei Kall, die Internationale Kunstakademie in Heimbach, oder für Helga Lüttgens „Fluxus 13“Galerie in Blumenthal.

Den Ansatz teilen aber auch renommierte Ausstellungsmacher. In diesem Jahr findet zum 60. Mal die EVBK-Ausstellung im Kreuzgang der ehemaligen  Benediktinerabtei Prüm statt (8. Juli bis 6. August). Initiator war 1956 der Eifelverein, der anlässlich des Treffens der Europäischen Vereinigung Eifel Ardennen (EVEA) in Prüm auch eine Kunstausstellung präsentieren wollte. Prüm erschien als der rechte Ort. In der Salvator-Basilika ist das Grab Kaiser Lothars I., ein Enkel Karls des Großen, des Vaters Europas. Ihm fühlten sich die Gründungsländer Belgien, Deutschland, Frankreich und Luxemburg besonders verbunden. Elf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs war so der Europa-Gedanke Auslöser für eine internationale Kunstschau mit Arbeiten von Künstlern aus der Eifel und den Ardennen.

Kunst Untertage: Eingang zur „BuntBunkerWelt“ in Satzvey.

Die EVBK-Ausstellung ist ein Höhepunkt im sommerlichen Eifel-Kunst-Fahrplan. Ganzjährig zeigt das vom „Förderverein Maler der Eifel e.V.“ 2007 von der Stadt Schleiden übernommene KunstForumEifel (KuFo) in Gemünd Sonderausstellungen. Eva-Maria Hermanns kuratiert die von ihrer Thematik oft anspruchsvollen und immer sehenswerten Projekte. Gibt es eine Eifel-spezifische Kunst? Oder gibt es nicht eher Fragen und Kunst-Positionen, die sich gerade in der Eifel stellen und vorstellen lassen?  Die Trilogie Heimat – (k)ein Ort!?“ gab eine mögliche Antwort, im bisherigen Ausstellungsprogramm ein Höhepunkt.

Was das „KuFo“ für die NRW-Eifel, ist das „Haus Beda“ in Bitburg für die Südeifel. Es wurde  von der privaten „Dr.-Hanns-Simon-Stiftung“ gebaut, die es auch finanziert.  Neben einer Galerie mit Wechselausstellungen – einer der Höhepunkte der vergangenen Jahre war etwa eine Schau zum Thema „Mythos Wald“ – ist im Gebäude auch ein Museum einem Eifelmaler gewidmet: Das „Fritz-von Wille“-Museum beherbergt über 80 Werke des wohl berühmtesten Malers der Region, dessen Grab sich oberhalb der Burg Kerpen befindet. Museale Kunst – auch zur Region – präsentiert zudem die Sammlung der Dr.-Axe-Stiftung“ in Kronenburg.

Fritz von Wille, einem der bekanntesten Eifelmaler, ist ein ganzer Museumssaal im Haus Beda in Bitburg gewidmet. Foto: Haus Beda

Gehört das schon ins Museum? Die Frage würden sich die Veranstalter des „KuBa“, dem Kulturbahnhof in Nettersheim, eher nicht stellen. Anfang der 2000er Jahre hatte die Gemeinde Nettersheim den ehemaligen Bahnhof an der Eifelstrecke Köln-Trier gekauft und zum Atelierraum für zeitgenössische Kunst umgebaut. 2005 wurde die erste Ausstellung gezeigt, seit 2010 kuratiert vom „Freundeskreis Kulturbahnhof Nettersheim“. Acht Ausstellungen sind es pro Jahr, „mit Werken von Künstlern aus der Eifel, aber auch internationale Künstler“, so Maggie Töpfer vom „Freundeskreis“.

Und einmal im Jahr – das ist auch andernorts so – wird es sogar „günstig“ für den Kunstfreund: „100 mal 100“ heißt die dezidierte Verkaufsschau mit kreativ Geschaffenem zum Mitnahmepreis, das Stück für 100 Euro. Auch den meisten der Eifel-Künstler dürfte es schließlich so gehen wie dem Hofmaler Conti in Lessings „Emilia Galotti“. Der antwortete  auf die Frage des Prinzen: „Was macht die Kunst?“ lapidar: „Die Kunst geht nach Brot!“

Kunst zum Selbermachen, wie hier bei den Eifeler Atelier Tagen mit Michaela Rübenach (rechts).

Titelbild: Kunst-Dialog beim Sommernachts-Raum in Gillenbeuren.

Update 23.06.2017 Tipps von Facebook-Usern:
Martina Unterharnscheidt hat mit „option.265“ in Bad Münstereifel-Effelsberg in der Eifel etwas ganz Neues geschaffen: Hier wird „Textilkunst in all ihren Facetten und Ausdrucksmöglichkeiten – aus Textilem geschaffene Kunstwerke oder in Korrespondenz mit dem Material stehende – entstehen und gezeigt werden“, so die Künstlerin. Ein „Ort des Experiments, ein Labor des prozessorientierten Forschens am Material und der Rahmen für Projekte und Kooperation im Sinne eines interdisziplinären Austauschs“, seigeplant. Dazu gehören etwa Ausstellungen von TextilkünstlerInnen, eigene Werkausstellungen, Artist in Residence Projekte und Workshops.

Update 24.06.2017:
Wo gibt es in der Eifel welche Museen? Eine Übersicht hier: eifel-museen.de

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About Stefan

Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.