Unterwasserwelt

Alter! – Kleine Landschaftsgeschichte der Eifel

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Die Geschichte der Eifel beginnt unter Wasser. Vor rund 400 Millionen Jahren. Während einer für uns nicht fassbar langen Zeitspanne lagerte sich verwittertes Gesteinsmaterial des nördlich gelegenen Kontinents Laurussia (Ur-Nordamerika und Ur-Europa) in Meeresbecken ab. Über viele Millionen Jahre wurden diese rötlichen, eisenreichen Ton- und Sandkörner im Erdzeitalter Devon (408 bis 360 Mio. Jahre) durch Druck zu neuem Gestein zusammengepresst. Auf diesem stehen wir heute in der Eifel. Andere Teile dieses gepressten Meeresbodens heißen Westerwald, Taunus, Ardennen und Hunsrück. Zusammen sind sie das rheinische Schiefergebirge.

Fossil, Versteinerung, Ammonit

Fossil, Versteinerung, Ammonit

Die devonischen rotbraunen Eifelgesteine haben heute noch eine Mächtigkeit von mindestens 5.000 Metern. Sie sind nährstoffarm. Wo diese Böden landwirtschaftlich völlig ungeeignet sind, liegen Wälder. In wärmeren Perioden der mittleren und jüngeren Devonzeit bildeten sich Korallenmeere. Ihre Reste sind heute in den neun Kalkmulden der Eifel erhalten. Deren Fossilienreichtum ist weltbekannt. Spektakulär ragen die Gerolsteiner Dolomitfelsen schroff 100 Meter über das Talniveau empor. In die dortigen Riffkalke drangen von oben magnesiumreiche Lösungen ein. Kalkspat (Calcit) kristallisierte mit ihnen zum harten, kaum wasserlöslichen Dolomit. Woher das Magnesium stammte? Keiner weiß es genau. Ein Eifelgeheimnis!
Vor etwa 330 Mio. Jahren wurde nun die Erdkruste Mitteleuropas zusammengeschoben und gefaltet, weil die südlichen Kontinente nach Norden wanderten. Die Eifel gehörte zu einem Hochgebirge – und war keine 30 Mio. Jahre später schon wieder von Wind und Wetter eingeebnet. (Geowissenschaftler werfen mit Jahrmillionen gerne mal herum, als wären es Tennisbälle …).

Zwischenzeitlich war die Eifel flächendeckend rot. Trockene, heiße Winde fegten zu Beginn der Triaszeit (248 bis 243 Mio. Jahre) über das Land und wehten eisenhaltige Sande zu mächtigen Dünen auf. Die Sande waren Verwitterungsmaterial des vormaligen Hochgebirges. Durch Druck der darüber liegenden Schichten verfestigten sich die Sandkörner im Lauf von mehreren Mio. Jahren zu Gestein. Reste der damals entstandenen und leicht verwitternden Buntsandstein-Pakete finden sich bei Mechernich, Gerolstein und Trier.
In der Folgezeit schwappte das Meer nur noch über die Randbereiche der Eifel. Ablagerungen aus der Trias-Zeit und des Jura finden sich im Südwesten sowie im Norden des Gebirges bei Mechernich und Kall.

Wolfsschlucht in der VulkaneifelUnd wo bleiben die Eifelvulkane? Die kommen jetzt! Das Klima in der Zeit von vor 65 bis 2,6 Mio. Jahren (Tertiär-Zeitalter) war meist warm und feucht. Es entwickelten sich schließlich die heutigen Gewässersysteme, wie Rhein, Mosel, Kyll und Lieser. Die devonische Erdkruste kam mächtig in Wallung, weil sich die Alpen emporhoben. Die alte Kruste mit der Flexibilität eines Knäckebrots brach vielerorts. In recht geringer Tiefe unter der Eifel muss sich Magma befunden haben. Wie auch unter Vogelsberg und Siebengebirge. Durch Spalten drang sie vor gut 40 Mio. Jahren erstmalig an die Eifel-Oberfläche. Über 400 lokalisierte Vulkane in der Hocheifel mit ihren Basaltschloten, wie die Hohe Acht, zeugen heute von dieser Epoche, die vor etwa 20 Mio. Jahren endete. Vor etwa 500.000 Jahren nahm die Hebung der Eifel wieder stark zu. Und sie hält bis heute an. Begleitet von erneuter vulkanischer Aktivität. Und möglicherweise auch von ihr mitverursacht.
In wenigen Regionen der Welt steigen inmitten einer Kontinentalplatte – wie hier unter der Eifel – besonders heiße und zu etwa 2 % flüssige Gesteine sehr langsam aus den Tiefen des Erdmantels (mindestens 400 km) nach oben. Ähnliches geschieht in einer Lavalampe. Die Steigleistung der sehr heißen Gesteine unterhalb der Eifel beträgt etwa 10 cm pro Jahr. Schließlich erreichen sie den Rand des erstarrten äußeren Mantels (ab etwa 100 km Tiefe). Ein solches aus der Tiefe aufsteigendes stark erhitztes Gesteinsfelds nennt man Plume. Englisch für „buschige Feder“. Der geophysikalisch nachgewiesene Eifel-Plume reicht bis fast zur Erdkruste hinauf, die hier etwa 30 km dick ist. Aus dem Plume wandert Magma schubweise weiter nach oben durch Gesteinsklüfte (das Knäckebrot!) in Magmakammern innerhalb der Erdkruste. Von dort aus ist die Oberfläche nahe.

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Über 100 Ausbruchsorte dieser zweiten vulkanischen Phase sind entdeckt. Das Osteifel- und das Westeifel-Vulkanfeld entstanden. Letzteres erstreckt sich etwa von Stadtkyll im Nordwesten bis Bad Bertrich nahe der Mosel im Südosten. Hier liegen auch die Maare. Sie entstanden in Folge von Wasserdampf-Explosionen, nachdem Grundwasser auf Magma traf. Der jüngste Vulkanausbruch ereignete sich vor 10.000 Jahren. Es entstand das Ulmener Maar. Erdgeschichtlich ist diese Zeitspanne kaum länger als die eines Wimpernschlags. Derzeit gilt der Eifel-Vulkanismus unter Fachleuten als ruhend. Der Zeitpunkt des nächsten Ausbruchs lässt sich nicht seriös prognostizieren. Aktuell ist gibt keinerlei Anzeichen baldiger Aktivitäten.

Ab in die Eifel!


Gast-Autor Bruno Knopp

Bruno Knopp

Bruno Knopp

„Ich bin eifelsüchtig“, sagt Dipl. Geograph Bruno Knopp augenzwinkernd. Der gebürtige Kölner mit Südeifeler Wurzeln wandert regelmäßig durch das Gebirge. „Auf langen Wanderungen durch die einzigartigen Eifellandschaften erhole ich mich und schöpfe neue Kraft.“ Der selbstständige Marketingberater und renommierte Kölner Stadtführer ist auch leidenschaftlicher Landführer in der Eifel.

Bruno Knopp bietet unterschiedliche Wanderungen in der Eifel an.

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