150 Jahre Automobilpionier ohne Führerschein – August Horch aus Winningen

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Eines der schönsten Dörfer Deutschlands liegt an der Mosel, so sehen es die Einwohner der Ortsgemeinde Winningen. Das Winzerdorf mit seinen Schieferterrassen oberhalb des Ortes gewann schon mehrfach Dorfverschönerungswettbewerbe und der hier angebaute Riesling gehört zu den besten der Welt. Weltruhm erlangte ebenfalls der vor 150 Jahren geborene Automobilpionier August Horch aus Winningen.

Der am 12. Oktober 1868 geborene Sohn der Winzerfamilie besuchte zunächst die Schule in seinem Heimatort an der Mosel. Mit 13 Jahren begann er eine Ausbildung in der Schmiede seines Vaters in Winningen. Wie damals üblich, begab er sich nach dem Ende der Lehre als Geselle auf Wanderschaft und kam über Deutschland hinaus nach Österreich, Ungarn, Serbien und Bulgarien. Bald schon entschied August für sich, dass er den erlernten Beruf des Schmieds nicht weiterführen werde, da er sich mehr für den Motoren- und Maschinenbau interessierte. 1888 begann er sein Ingenieurstudium in sächsischen Mittweida, ab 1891 arbeitete Horch als Mechaniker für Schiffsmaschinen in Rostock und Leipzig. Carl Benz holte Horch nach Mannheim und übertrug ihm dort die Leitung der Abteilung Motorwagenbau.

Vom Schmied zum Mechaniker

Im Jahr 1899 gründete August Horch seine eigene Autobaufirma, die Horch & Cie in Köln-Ehrenfeld. Zunächst reparierte er hier Motorfahrzeuge, bis er 1901 sein erstes eigenes Automobil, das Modell 1 baute. Für eine weitere Expansion seines Unternehmens und den Bau weiterer Automobile brauchte Horch mehr Platz und Investoren. 1902 zog die Firma nach Reichenbach ins sächsische Vogtland. Hier baute der Pionier seinen ersten Vierzylinder-Motorwagen mit immerhin 22 PS. Schon zwei Jahre später erfolgte der erneute Umzug nach der Firma nach Zwickau und der Eintrag der A. Horch & Cie. Motorwagenwerke Actiengesellschaft. Die Horch Automobile verbesserten sich technisch weiter und feierten mit dem Sieg bei der ersten weltweiten Tourenwagenrallye 1906 einen großen Erfolg. Technik, Qualität und Luxus zeichneten die Horch Automobile aus, 1907 stellte man den ersten Sechszylindermotor vor. Doch die weiteren Aufträge blieben aus und aufgrund interner wie finanziellen Streitereien verließ der Firmengründer das eigene Unternehmen 1909.

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Der Audi 10 mit 28 PS steht heute im August Horch Museum Zwickau. (Foto: fotolia)

Horch wird zu Audi

Noch im selben Jahr gründete August Horch ein neues Unternehmen, das er aber nicht unter seinen Namen „Horch“ führen durfte – diesen beanspruchte weiterhin die Actiengesellschaft A. Horch & Cie. So kam es zu der schlauen Idee der Lateinisierung des Namens von ‚horch!‘ oder ‚höre!‘ zu ‚audire!‘ und ‚audi!‘. 1910 lieferte Horch den ersten Audi und ging 1915 mit der Audiwerke AG Zwickau an die Börse.

Kriegsbedingt baute das Unternehmen ab 1917 auch Militärfahrzeuge und sogar Panzer. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges verließ August Horch jedoch das aktive Geschäft der Audiwerke und übernahm zunehmend öffentliche Ämter rund um Kraftfahrzeuge. So war er Sachverständiger der Industrie- und Handelskammer und des Kammer- und Landgerichts zu Berlin, Mitglied der Rennleitung für das erste Avus-Rennen im Jahr 1921, Aufsichtsratsmitglied zur Koordinierung der Automobilausstellung 1923, Leiter des Normenausschusses der Deutschen Industrie sowie erster Präsident der Deutschen Verkehrswacht. 1923 führte Horch die Linkssteuerung bei Automobilen ein.

Trotz aller Ämter und Erfolge war die Situation aufgrund der wachsenden Wirtschaftskrise schwierig. Die Automobilunternehmen Horch und Audi konnten nur durch eine Fusion mit den Firmen DKW und Wanderer weiterbestehen, sie schlossen sich 1932 zur Auto-Union AG zusammen, mit August Horch im Aufsichtsrat.

Winningen an der Mosel. (Foto: fotolia)

Nachdem Horchs Frau schwer erkrankte und er sich zunehmend mit ihrer Pflege beschäftigte, verwehrte ihm die französische Besatzungsbehörde an der Mosel nach Ende des zweiten Weltkrieges die angestrebte Rückkehr in seinen Geburtstort Winningen. Horch verkaufte das Berliner Anwesen und zog ins oberfränkische Münchberg. Zwei Jahre nach dem Tod seiner Frau heiratete Horch 1948 die jüdische Opernsängerin Else Kolmar, die seit 1933 als Haushälterin für ihn arbeitete und unter seinem Schutz vor Verfolgung durch die Nationalsozialisten stand. In Oberfranken verstarb 1951 der Automobilpionier und Ehrenbürger von Winningen. Seinem Wunsch gemäß wurde er in seinem Geburtstort an der Mosel beigesetzt.

Ein Leben ohne Führerschein

Verschiedene Ausstellungen und Museen erinnern an das Leben und Werk des Autobauers, der tatsächlich nie einen Führerschein besaß. Das August Horch Museum in Zwickau zeigt die Automobilgeschichte im Zentrum des alten Audi-Werkes und in nachgestellten Straße im Stil der 1930er Jahre. Winningen widmet dem berühmten Sohn eine eigene Abteilung im kulturhistorisches Museum, untergebracht im denkmalgeschützten, ehemaligen Schulgebäude.

(Titelfoto: Museumsverein Winningen e.V.)

 

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About Jeannette

Vor den Toren meiner rheinischen Heimatstadt liegt die Eifel. Die nahe Mittelgebirgsregion ist häufig Ausflugsziel und Zufluchtsort zugleich. Vielfältige landschaftliche und kulturelle Reize begeistern mich ebenso wie die lebendige Geschichte und die regionalen Spezialitäten. Bei Wanderungen in der abwechslungsreichen Natur sammle ich als Stadtmensch kreative Energie für neue Projekte.