Wenn Eifel-Bäume sprechen: Interview mit Peter Wohlleben

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Mitten in der Eifel lebt ein Mann, den ein kanadischer Indianerstamm um Hilfe gebeten hat. Denn dieser Mann versteht nicht nur etwas von Bäumen – er versteht Bäume sogar. Er heißt Peter Wohlleben und ist nicht nur Bestsellerautor, sondern in erster Linie Förster. Endlich Eifel wollte mehr wissen und hat sich zu einem Interview mit dem Mann getroffen, von dem gesagt wird, dass er mit Bäumen spricht.

02Vom Förster zum Bestseller-Autoren

Peter Wohlleben ist nicht der Mann, der die Sprache der Bäume romantisiert und diese vermenschlicht. „Es handelt sich um chemische Prozesse, die ein Baum abgibt und mit denen zum Beispiel Warnungen für umliegende Bäume ausgegeben werden, etwa bei Schädlingsbefall“, sagt Peter Wohlleben ganz nüchtern. Doch diese chemischen Prozesse möchte er den Menschen verständlich erklären, damit letztlich unsere Wälder gesund und intakt bleiben.

Früher hat Peter Wohlleben dies nur gemacht, in dem er kleine Gruppen von Menschen für die chemischen Abläufe in unseren Wäldern sensibilisiert hat. Wäre seine Frau nicht gewesen, wäre er wahrscheinlich kein Bestsellerautor geworden, denn er wollte nie Bücher schreiben. Doch durch den Erfolg seiner Bücher ist es ihm nicht nur gelungen, ein paar Menschen zu erreichen, sondern er ist inzwischen weltweit bekannt.

„Dieser Erfolg soll zu etwas führen“, sagt Peter Wohlleben. Aus diesem Grund hat er Mitte Dezember 2016 die Waldakademie Hümmel (http://www.waldakademie-huemmel.de/index.html) eröffnet, in der er Interessierte noch vertrauter mit dem Ökosystem Wald macht.

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Ökotourismus statt Windräder

Damit tut er nicht nur den Bäumen etwas Gutes, sondern auch der Eifel als Region. Denn was sich Peter Wohlleben wirklich wünscht, ist, dass die Eifel vom Ökotourismus entdeckt wird. „Die Eifel ist ein unentdecktes Juwel. Ökotourismus bedeutet, dass Menschen hierherkommen können und sich wohlfühlen, wodurch wiederum Arbeitsplätze geschaffen werden. Und zwar ganz ohne Industrie.“ Damit meint er nicht nur große Fabrikanlagen, sondern auch Windräder, die das Bild der Eifel optisch zerstören.

„Die Natur hier ist wahnsinnig toll. Und die Touristen kommen, wenn ihnen ein hochwertiges Beschäftigungsangebot geboten wird. Zum Beispiel durch unsere Seminaren. Sie kommen dann nicht nur für einen Tag, sondern bleiben auch über Nacht. Das ist gut für Hotels und die Gastronomie und gleichzeitig stärkt es noch die bäuerlichen und Betriebe, die für ihre heimischen Produkte einen Absatz finden. All das sind Arbeitsplätze, die die Natur erhalten.“

Die Gemeinden Hümmel und Wershofen sind gemeinsam mit Peter Wohlleben auf eine alternative Forstwirtschaft umgestiegen. Das bedeutet, dass die Wälder dieser Gemeinden heute statt mit großen, lauten und zerstörerischen Maschinen mit Pferdewagen bewirtschaftet werden. Ganz so wie im Jahr 1870, als es nur diese Art der Waldbewirtschaftung gab.  „Doch dadurch gewinnen alle. Die Touristen, weil sie intakte Wälder vorfinden. Die Wälder, weil sie gesund bleiben und gedeihen können. Und die Waldbesitzer, weil sie höhere Erträge erzielen, da das Holz von besserer Qualität ist und schneller wächst.“

Pionier trotz Widerstand

Doch nicht alle finden die Initiative von Peter Wohlleben unterstützenswert. Die staatliche Forstverwaltung sieht darin wohl eher eine Konkurrenz, war sie doch bisher die einzige Anlaufstelle für Waldbesitzer, um forstwirtschaftliche Hilfe zu bekommen. „Glücklicherweise interessieren sich immer mehr Waldbesitzer für alternative Möglichkeiten, zumal damit nachweislich bessere Erträge erzielt werden“, sagt der Mann, der mit den Bäumen spricht.

„Doch die eigentlichen Waldbesitzer sind die Bürgerinnen und Bürger“, erzählt er weiter.  „Wenn diese sagen, was machen die denn da mit unseren Bäumen? Dann muss die Forstverwaltung entsprechend reagieren.“

Gut also, dass Peter Wohlleben die Idee seiner Frau aufgegriffen und all sein Wissen aufgeschrieben hat. Auf diese Weise ist es einmal um den Erdball gegangen und in Kanada auf den kleinen Indianerstamm der Kwiakah getroffen, die Peter Wohlleben um Hilfe gebeten haben. Der kleine Stamm, der inzwischen kaum mehr als 22 Mitglieder hat, kämpft für die Erhaltung eines wichtigen Naturraums, der durch großflächige Abholzung bedroht ist. Nicht nur die Bäume sind in Gefahr, sondern mit ihnen alle Wesen, die dort leben. Auch die vom Aussterben bedrohten Grizzlybären würden durch die Rodung ihren Lebensraum verlieren. Dadurch aber, dass die Bücher von Peter Wohlleben in Kanada ein großer Erfolg sind, steht nun hinter diesem kleinen Indianerstamm zusammen mit dem Bestsellerautoren eine starke Lobby,

Der Mann, der mit den Menschen spricht

Sonnenschein in BaumwipfelnDer Mann, der mit den Bäumen spricht, sagt von sich selbst, dass er nicht mit den Bäumen spricht. Doch er weiß, dass Mensch und Baum nur zusammen ein gutes Team abgeben. Er sieht in Bäumen eigenständige Wesen, die fühlen, sozial sind und untereinander kommunizieren, ohne dabei ein verklärtes Bild zu erzeugen. Er nimmt sie als Individuen wahr, die ihre eigene Ausdrucksform haben, ihre eigene Sprache, ihr eigenes Leben, in dem bestimmte Bedingungen erfüllt werden müssen, damit es überhaupt stattfinden kann.

Eigentlich ist Peter Wohlleben eher der Mann, der mit den Menschen spricht. Er führt diese an die wunderbaren Abläufe der Natur heran und weckt in ihnen ein Gespür dafür, was für ein wichtiger Teil der Mensch im Ökosystem Wald ist.

Denn der Mensch kann dem Wald helfen, den Lebensraum zu erhalten, den er zum Leben braucht – und dafür hilft der Wald dem Menschen den Lebensraum zu bekommen, den der Mensch zum Leben braucht. In Kanada genauso wie in der Eifel.

 

Bücher von Peter Wohlleben:

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Ich liebe die Natur der Eifel und das Schreiben ermöglicht mir, die Eifel auf eine ganz besondere Weise kennenzulernen. Denn ich erfahre Dinge, die ich vorher nicht wusste und das inspiriert mich.

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