Wanderers Traum: Die Hütte am „Brotpfad“ auf dem Eifelsteig

Von in Coole Orte, Wandern
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Nun gut, so spektakulär wie eine Hütte in den Hochalpen liegt dieses Exemplar nicht – aber die Wanderhütte am „Brotpfad“ zwischen Blankenheim und Ripsdorf ist einfach die Beste auf dem gesamten Eifelsteig. Davon sind Hunderte in ihrem Eintrag im Hüttenbuch überzeugt.

Gibt es gar nicht? Doch: auf dem „Brotpfad“ zwischen Blankenheim und Ripsdorf.

Der Mann, der einmal die Woche nach dem Rechten sieht, ist im Krankenhaus. Werner Schwarz, 83, so Ehefrau Rita, kann gerade nicht zu seinem „Pflegefall“ kommen – der Hüttenwart der „Hütte am Brotpfad“ ist gerade selber einer. Schade, denn das Ehepaar aus Nonnenbach unterhalb des Salchenbuschs, wo die Hütte steht, ist der gute Geist, der die nach Meinung vieler Wanderer auf dem Eifelsteig, der hier dem historischen „Brotpfad“ zwischen Ripsdorf und Blankenheim folgt, „schönste Hütte“ auf den 313 Kilometern zwischen Aachen und Trier betreut.

Seit 1973 steht die knuffige Pausen-Idylle an einer Wegekreuzung mitten im Wald. Zum Moos bedeckten Dach weitet sich der Grundriss, die beiden Türflügel sind mit einem Band zusammengehalten. Verschlossen ist die „Hütte am Brotpfad“ nie. Davor steht eine Sitzgruppe, unweit die Wegekreuze der verschiedenen Wanderwege, die sich hier kreuzen. Doch neben der Hütte steht ein weiteres Kreuz aus Eisen von 2012. Es ersetzt ein Holzkreuz, das an ein Unglück vor über 100 Jahren erinnert. Damals wurde hier im Winter ein erfrorenes Kind gefunden, so Werner Schwarz.

Wer die Hüttentüren öffnet, reibt sich verwundert die Augen: Ein mit einer Decke gedeckter Tisch in der Mitte, darauf in einer kleine Vase – in der Regel –  frische Blumen. An der Wand zwei kleine Erste-Hilfe-Kästen. Worunter Wanderer offenkundig auch zwei Skatspiele verstehen, die neben dem Verbandszeug liegen. Vom Tisch mit den gemütlichen Sitzbänken an den Wänden drum herum geht der Blick durch ein kleines Fenster  mit weißen Gardinen ins Grüne.

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Das alles ist für eine Wanderhütte in der Eifel so selten wie einfach gemütlich und einladend! Damit es auch so bleibt, spaziert Werner Schwarz – seiner 77-jährigen Ehefrau Rita fällt das seitdem sie ein künstliches Kniegelenk hat einfach schwer –  seit gut 15 Jahren regelmäßig hinauf zur Wegekreuzung im Wald. Der ehemalige Busfahrer sammelt in und um die Hütte herum Papierchen auf – obwohl ein Müllsack an der Außenwand hängt -, erneuert bei Bedarf die am Haken innen drin  hängende Toilettenpapierrolle, tauscht das Hüttenbuch aus, wenn es wieder einmal vollgeschrieben ist. Eventuelle Reste eines erkalteten kleinen Feuerchens draußen werden sofort verstreut:  „Damit es keine Nachahmer gibt. Ein Brand hier oben, das wäre eine Katastrophe“, so der Hüttenwart.

Doch das hat es seit 1973 – toi, toi, toi – an der „Hütte am Brotpfad“ nicht gegeben. Und auch ins Hüttenholz geritzte Grußbotschaften sind eher selten. Dafür sind die Einträge ins aktuelle Hüttenbuch – der Kugelschreiber liegt daneben – umso zahlreicher. Die allermeisten loben das kleine Pausenhäuschen übereinstimmend als „schönste Hütte des Eifelsteigs“. Es sind seit der Eröffnung des Weitwanderweges 2009 deutlich mehr geworden.

Aus aller Welt. „Hello from Sydney, Australia!“ grüßt etwa „Sam“ am 18. September dieses Jahres. Und „Marc“, der laut Bucheintrag hier in der Nacht vom 11. auf den 12. September sogar geschlafen hat, fühlte sich am nächsten Morgen bestens: „Vielen Dank für Hege und Pflege, da fühlt man sich heimisch. Nun bin ich gut erholt und ausgeruht auf meinem Weg auf dem Eifelsteig!“

Wer es hier hinauf auf 521 Meter geschafft hat, weiß eben, was er getan hat. Ob von Blankenheim oder von Ripsdorf: immer steht das Häuschen nach einem steilen Anstieg durch den Eifelwald.

Das Eisenkreuz neben der „Hütte am Brotpfad“ erinnert an einen Winter vor über 100 Jahren: Damals wurde hier ein erfrorenes Kind gefunden.

Dank des einstigen Revierförsters des Staatsforstes Salchenbusch Otto Premper. Der erteilte Schreiner Ulrich Kass aus Ripsdorf 1973 den Auftrag für den Hüttenbau. Mittlerweile gehört der umliegende Wald zwar der Bofrost-Stiftung und ist so gesehen Privateigentum – öffentlich zugänglich blieb die Hütte trotzdem.

„Zum 1. Mai stellen wir vor der Hütte einen Maibaum auf, Ostern hängen bunte Osterkugeln drin und Weihnachten steht hier ein geschmückter Weihnachtsbaum“, meint der Hüttenwart Werner Schwarz. Dass die Pflege seiner Hütte anerkannt wird, weiß er nicht nur aus den Dankesworten im Hüttenbuch. Über dem Eingang hängt ein grober Besen: „Meine Frau kehrte damit wie immer eines Tages die Hütte aus, da meinte sie: Guck mal, da ist ein Papier drin.“ Verloren hatte den gefalteten Zettel offenkundig niemand. Werner Schwarz schaute nach:  Ein Dankeschön in Form eines 50-Euro-Scheins war ins Papier geklemmt!

Gardinen am Fenster: In der Hütte ist es heimelig und gemütlich. Im „Erste-Hilfe-Kasten“ finden Wanderer sogar ein Skatspiel – zum Zeitvertreib, oder wenn es gilt, den Wegzug von besonders schlechtem Wetter abzuwarten.

mm
Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

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