Unterwegs in den Eifelfrühling – Teil 2

Von in Wandern
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Weiter auf dem Weitwanderweg zwischen Rhein und Mosel durch die Eifel:  Ein verträumtes Städtchen im Tal, über die Grenze in eine besondere „Schweiz“ und dahin, wo schon die Rosen blühen. Die Strecke führt von Neuerburg nach Trier.

Im Neuerburger Ländchen wirkt das Namen gebende KleinstädtchenWanderziel der nächsten Etappe des Weitwanderweges durch die südliche Eifel, im schmalen, tief eingeschnittenen Enztal wie eine abgeschlossene Welt. Der Ortskern ist überhaupt erst aus nördlicher Richtung richtig zugänglich, seit man dort den Fels wegsprengte, um neben dem alten Fußpfad Platz für eine Straße zu schaffen. Neuerburg ist immer noch ein Marktflecken mit einigen Barockhäusern. Von der einstigen Pracht ist seit den Feldzügen der französischen Truppen unter Ludwig XIV. und Napoleon wenig übrig geblieben. Das wenige aber ist schön genug.

St. Nikolaus in Neuerburg

Die Eifel war immer Aufmarsch-Gebiet. Die „Schweden“, die Franzosen, die Westwalloffensive des Zweiten Weltkriegs – Heimsuchungen für die in zahllosen Streusiedlungen leben Menschen. Wie abgeschieden das damalige Leben war, kann man sich noch heute etwa am Weiler Luppertsseifen oberhalb von Waxweiler vorstellen. Die einzige Dorfstraße, eine Sackgasse mit an die 20% Gefälle, führt an wenigen Häusern vorbei und endet in einem schmalen Waldweg zu einem Siefen. Solche Wohnplätze entstanden rund um einen Bauernhof oder eine Mühle. Bis die Elektrifizierung Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auch nach Luppertseifen kam gab es nur Kerzenlicht.

Das spektakuläre Schlussdrittel dieses Weitwanderweges führt in die Südeifel, neben der Vulkaneifel für viele die schönste Ecke der Eifel. Von Neuerburg zunächst nach Vianden, über einen steilen Pfad hinunter nach Bivels im Ourtal, vorbei an der Ruine Falkenstein – eines von über 1000 Objekten, das französische Truppen im 17. und 18. Jahrhundert zerstörten. Es gab eine offizielle Liste der Burgen, Schlösser und Städte, die mehr oder weniger unbewohnbar zu machen waren. Unten im Ourtal führt die Wanderung erstmals nach Luxemburg. Der Fluss ist die natürliche Landesgrenze. Durch Buchenwälder wird Vianden erreicht, ein Städtchen mit französischem Flair. Von dort aus geht es am Flussufer der Our und später der Sauer entlang nach Bollendorf, eine von zwei Überführungsetappen der Gesamtroute. Hier führt sie zur „Luxemburgischen Schweiz“, die geologisch schon auf der deutschen Seite des Grenzflusses beginnt.

Es geht schon oberhalb von Bollendorf mit dem Etappenziel Echternach unterhalb dramatischer Buntsandsteinfelsen-Kulissen durch Höhlen und Labyrinthe, über Stufen und Treppen hinauf und hinab. Die Strecke führt auf das „Ferschweiler Plateau„, seit Jahrhunderten ein mythischer Ort. Archäologen haben hier Reste einer keltischen Ringwallanlage, keltische Kistengräber und zahlreiche römische Spuren gefunden. Mitten im lichten Buchenwald des Plateaus steht am Wegesrand ein 2,5 Meter hoher Menhir, das „Fraubillenkreuz“. Im Stein soll eine „Sibylle“ gehaust haben. So bezeichnete man im Mittelalter Frauen, denen die Gabe der Weissagung zugesprochen wurde. Dass da der Schritt zur Denunziation starker Frauen als Hexe nicht weit war, liegt nahe.

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Vereinzelt – auf diesem Weitwanderweg zum Beispiel zwischen Brohl und Maria Laach sowie oberhalb von Neuerburg – finden sich in der Eifel noch heute „Hexentanzplätze“, eine euphemistische Umschreibung für historische Hinrichtungsstätten.

Unterhalb des „Ferschweiler Plateaus“ und der zuvor durchstiegenen „Teufelsschlucht“ oberhalb von  Irrel erreicht die Tour Echternach. Die mächtige Basilika im Sauertal wirkt einschüchternd, das Städtchen selbst, das älteste im Großherzogtum Luxemburg, nennt sich gerne „Klein Paris“: Die Atmosphäre am Marktplatz ist leicht, die zahlreichen Cafés und Restaurants mit ihren Außenterrassen sind gut gefüllt – Savoir Vivre.

Von hier aus ist die vorletzte Etappe ein Rundweg durch die eigentliche „Luxemburgische Schweiz„, ein Wanderparadies rund um das Müllerthal. Sicherlich der Höhepunkt des gesamten Weges durch die südliche Eifel, und wie fast alle Etappen gleichermaßen schön wie anstrengend. Es geht über Berdorf und der „Houllay„, einer Sandsteinhöhle, in der seit den Römern bis ins 19. Jahrhundert Mühlsteine gebrochen wurden, nach Consdorf und dann zurück nach Echternach.

Die größten der spektakulären Sandsteinriesen am Weg tragen Namen wie „Der Mandarin“, „Predigtstuhl“, „Binzelt-Schloeff“, „Adlerhorst“ oder „Schelmenlay“, ein Felsen am Rande eines Siefens mit einer überwältigenden Fülle an Farnen, Efeu, Moos und Frühjahrsblühern.

Denn diese Wanderung ist zwischen Ende März und Anfang Mai ein Weg in den Frühling. Zu Beginn ab und zu erste Wildnarzissen an kleinen Bachläufen, in den Orten und an den Hängen in den Wochen danach Forsythien, und gegen Ende Löwenzahnwiesen, leuchtende Rapsfelder und der Beginn der Ginsterblüte, dem „Eifel-Gold“. Die Farbe des Landstrichs, den man „Preußisch Sibirien“ nannte, ist leuchtendes Gelb.

Die „Houllay“ in der „Luxemburgischen Schweiz“.

Auf dem Weg zum Ziel dann frühsommerliche Temperaturen. Zunächst über den Mindener Layen, einem Muschelkalkfelsen, durch einen idyllischen Hohlweg aus Beerensträuchern mit Blick auf unten am Sauerufer angelegte reaktivierte ehemals römische Weingärten; später wieder hinunter nach Wintersdorf in eine Vegetation, die an südliche Länder denken lässt.

Dann der lange letzte Anstieg nach Trierweiler und schließlich hoch zum Markusberg oberhalb von Trier auf dem Kamm der Basaltfelsen, die wie ein Riegel das Moseltal von der Eifel abtrennen. Hier oben blühen bei der Ankunft schon die Rosen in den Vorgärten. Mit Blick hinab von der Mariensäule auf Trier und die Mosel im nachmittäglichen Sonnenlicht schließt sich der Kreis. Die Perspektive erinnert dafür viel zu sehr an den ersten Tag, an den Blick von oberhalb der „Eselstrapp“ auf Brohl, den Rhein und das Siebengebirge am Horizont. Zwischen beiden Flüssen: die Eifel.

INFO: Der hier beschrieben Weitwanderweg folgt: Christiane Rüffer-Lukowicz, Jochen Rüffer: Der Weitwanderweg durch die südliche Eifel – Von der Vulkaneifel nach Trier“, Bachem Verlag, Köln. Die Etappen: Brohl a. Rh.-Maria Laach-Mayen-Monreal-Ulmen-Daun-Gerolstein-Prüm-Waxweiler-Neuerburg-Vianden-Bollendorf-Echternach-Rundweg Luxemburgische Schweiz-Trier.

mm
Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

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