Über jemanden der sich Niere nennt

Von in Typen der Eifel
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Ein Typ der Eifel, der sich „Niere“ nennt. Er war einer der ersten Punks in der Eifel. Er liebt Musik und erzählt darüber. Nebenbei: Berühmt wurde die „Niere“ nicht – dafür blieb er sich immer treu.

Niere mit Jacke

Der Grafiker und Webdesigner Frank Neuendorf, der unter seinen Freunden auch als „Niere“ bekannt ist, lebt bereits seit 49 Jahren in der Eifel. Obwohl er innerhalb der Eifel immer mal wieder umgezogen ist, wurde der ehemalige Punk nie von der Landflucht heimgesucht, da er hier alles hat, was er braucht um glücklich zu sein. Endlicheifel gegenüber hat er verraten, was für ihn das Leben in der Eifel ausmacht und vor allem über sein Lebenselixier gesprochen. Das Herz der „Niere“ schlägt für Musik. „Neben meiner Frau ist Musik für mich das Wichtigste“, verrät er uns.

Begonnen hat diese Leidenschaft als Teenager: „Meine erste Klampfe kaufte ich mir, als ich 15 Jahre alt war. Erst bin ich sacken (arbeiten) gegangen und habe mir dann meine erste E-Gitarre gekauft. Doch als ich das Ding zu Hause hatte, war ich enttäuscht, dass es gar nicht so läuft wie ich mir das gedacht habe.“ Dass sich seine Musik schrill anhörte, hat den jungen Mann nicht gestört. Statt aufzugeben oder lange eine Musikschule zu besuchen, gründete er einfach mit zwei weiteren Musikern, die ebenfalls nichts vom Musik machen verstanden, seine erste Band – Talon. „Niere“ meint: „Damit sich das Ganze überhaupt nach etwas anhört, habe ich dann vier oder fünf Akkorde gelernt.“ Und tatsächlich hatte die Band zwei Auftritte. Wenn auch nur im Jugendzentrum vor ein paar Bekannten, die einem ohnehin wohlgesonnen sind – aber immerhin. Das war der Start für „Nieres“ Leidenschaft, aus der später sein Lebenselixier werden sollte.

Legendäre Auftritte
Wie kommt es eigentlich, dass sich einer „Niere“ nennt? Er lacht und erzählt, das sei eine enttäuschende Geschichte. „Es ist nicht, weil mir jemand in die Niere geschossen hat oder ich vier Nieren habe. Nein, es ist mein Nachname, aus Neuendorf wurde Nierendorf und übrig blieb die Niere.“ Inzwischen gehört dieser Name zu ihm, wie das Organ selbst. Seine nächste Band hatte bereits mehr Erfolg und trat unter dem Namen Ellie Go Blind auf. „Hier gibt es einige Auftritte, die wir hatten, und zwei sind mir ganz besonders in Erinnerung geblieben“, berichtet er.

Der eine davon fand im Birgeler Hof statt. „Das war der beste Auftritt überhaupt, denn der Saal war ausverkauft. Auch, wenn das sicher nicht unser Verdienst war.“ Denn auf demselben Konzert spielte die damals in der Eifel bekannte Band Circle Of The Wolf. Doch das störte „Niere“ wenig. Wichtig war, dass das Publikum gebebt hat und es ein toller Abend war. „Allerdings hatten wir einen grauenhaften Auftritt in Berndorf, gesteht er seinen zweiten legendären Auftritt mit der Band Ellie Go Blind. „Wir hatten einen Heuwagen als Bühne mitten im Wald. Doch wir waren schon, bevor wir anfingen, dermaßen betrunken, dass wir nichts mehr auf die Reihe bekommen haben.“ Dennoch folgten noch weitere Angebote, aber außer auf einer Geburtstagsfeier in der Backstube einer Bäckerei ist es zu keinen weiteren Auftritten mehr gekommen. Irgendwann habe das alles „nicht mehr so gefluppt“, und dann hat sich die Band aufgelöst.“

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Vom Bauchpinseln zur Musikpause
Allerdings ist die „Niere“ mit seiner Musik dem Schlagzeuger von Cop Talk aufgefallen, einer der Gruppen, die tatsächlich damals in der Eifel ein Album auf Vinyl gebracht hat. „Als der mich fragte, ob wir zusammen was starten wollen, habe ich mich natürlich gebauchpinselt gefühlt und gleich ja gesagt. Das war immerhin ein anerkannter Musiker.“ Doch schon bald gestaltete sich das Proben als schwierig und die kleine Band, die sich darauf gegründete hat, bekam nie einen Auftritt, geschweige denn einen Namen. Nachdem sich die Gruppe aufgelöst hatte, blieb es bis 2007 still um den ehemaligen Punk, der einer der Ersten mit einem Irokesenschnitt in der Eifel war und eine Lederjacke mit langen Nieten trug. „Ich bin zwar immer am Ball geblieben, doch so richtig was gemacht habe ich dann lange Zeit nicht mehr. Bis mich ein alter Freund angerufen hat.“

Das Comeback
Dieser Freund fragte die „Niere“, ob sie sich nicht mal wieder treffen wollten. Doch da dieser gerade im Umzug-Stress war, hat er gesagt, er könne erst in ein oder zwei Wochen vorbei kommen. „Dazu ist es dann nie gekommen, weil mein Freund in der Zeit an Krebs gestorben ist. Dass ich ihn nicht besucht habe, tat mir furchtbar leid.“ Doch für Frank Neuendorf war das der Weg zurück zur Musik. Er nahm einen Titel auf, in dem es darum ging, die Zeit, die man hat, wahrzunehmen und nicht im Gestern hängen zu bleiben oder sich in das Morgen zu wünschen. „Daraus entwickelte sich dann, dass ich immer neue Stücke schrieb und plötzlich hatte ich ein Album, das ich ‚Akustik-Blues-Punk‘ nannte und ins Internet stellte“ Es folgten einige Konzerte, doch so richtig wie früher war es nicht mehr. Die „Niere“ hat gemerkt, dass die Luft raus ist, Songs zu schreiben und immer wieder zu spielen. „Was einmal gespielt ist, muss doch nicht noch mal und noch mal gespielt werden.“ Also hat er sich total gewandelt und begann damit nur noch Sessions mit anderen oder sich selbst zu machen.

Das erste Einzeiler-Konzert

2015 gab es dann nochmal einen Anlauf mit einer Band. „Wir tauften uns `Einzeiler´und nannten unseren Stil `Harter Fusion Rock‘. Das Konzept war, jedem Song immer nur eine Textzeile zu verabreichen. Das lag darin begründet, dass ich keinen Bock darauf hatte ellenlange Texte auswendig lernen zu müssen.“ Nach drei Auftritten und über 40 eigenen Stücken wurde die Sache aber dann wieder eingestampft. Ob er sich in der Eifel einen Namen gemacht hat? „Oh nein, auf keinen Fall und das ist auch nicht meine Absicht. Ich lebe hier, weil ich Ruhe habe und mich zurückziehen kann.“

Im Augenblick gibt es tatsächlich wieder eine Band mit „Niere“ als Sänger und Gitarristen. Der Name der Band ist Natriumpentothal. „Das Schöne an dieser Band ist, dass wir zwar ein paar Stücke gebastelt haben, wir aber sehr oft Stunden lang einfach miteinander improvisieren können.“ Auftritte gab es von Natriumpentothal bisher noch keine. „Im Grunde reicht es uns miteinander Musik zu machen, Auftritte sind nicht unbedingt zwingend.“ Mit dem Schlagzeuger von Natriumpentothal tritt „Niere“ einmal im Jahr als Duo Paradiso auf. Dann wird eine Stunde lang vor Publikum improvisiert was das Zeug hält. „Ich will nicht berühmt werden, ich will kein Geld damit verdienen – ich will einfach Musik machen Punkt“, erklärt die „Niere“ voller Leidenschaft. „Verkaufe ich mich an ein Plattenlabel, dann kann ich nicht plötzlich von Faltenrock auf Jazz umsteigen“, führt er weiter aus. „Ich mache Musik weil es mir Spaß macht und weil ich das brauche.“

mm
Ich liebe die Natur der Eifel und das Schreiben ermöglicht mir, die Eifel auf eine ganz besondere Weise kennenzulernen. Denn ich erfahre Dinge, die ich vorher nicht wusste und das inspiriert mich.

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