Alexander Schmid – Schwabe, Künstler, Konzertveranstalter in der Eifel

Von in Typen der Eifel
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Das ist Kunst, das kann nicht weg!

Faberludens – Kunstobjekte, Konzerte, Kreativität

Alexander Schmid ist Grafiker, Objektkünstler und Konzertveranstalter. Sein Atelier und seine Bühne hat er in der ehemaligen Dorfschule von Nohn in der Nähe des Nürburgrings. Der Name der Location: Faberludens. Hier entstehen Cover für CDs aus den Bereichen Jazz, Neue Musik und Crossover, hier baut er spielerische Installationen mit hintergründigem Humor oder auch Klangwelten voller Fantasie.

In Konzertpausen können sich Zuhörer oft nicht losreißen vom Geschehen im Foyer von „faberludens“. Denn überall stehen kleine Maschinen und Installationen, die dazu verführen, mit ihnen herumzuspielen. Da bekommt ein Kopf eine Ohrfeige verpasst, eine stattliche Hand macht den Grüßaugust oder rosige Beine mit Federboa vollführen ein Tänzchen… wenn der neugierig gewordene Mensch an einer kleinen Kurbel dreht. „Kommunikationsmodelle“ nennt ihr Schöpfer Alexander Schmid die Installationen, die mit einer unübersehbaren Portion wohlwollender Ironie typische Verhaltensweisen ganz pointiert in Szene setzen. Auch sonst gehört Nachdenklichkeit zur Kunst des gelernten Schriftsetzers, Grafikers und Absolventen der Fachhochschule für Kunst und Design in Köln, etwa wenn aus Plastikabfall ein reliefartiger, abstrakter Bilder-Farbenrausch wird. Intellekt gepaart mit der freien Fantasie, die sich sonst nur Kinder bewahren: Der lateinische Name „faberludens“, den Schmid seinem Eifeler Dasein gab, bedeutet auf Deutsch „der spielende Schmied“.

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Seit 13 Jahren lebt und arbeitet der gebürtige Schwabe nach langen Jahren, die er in Köln verbrachte, in Nohn. „Hier habe ich eine viel höhere Lebensqualität als dort, mehr Platz und es geht entspannter zu“, schildert er die Gründe für den Entschluss, die ehemalige Schule neben der Dorfkirche zu kaufen. Ins ländliche Leben fühlt er sich bestens integriert. Er wandert gern, genießt die Stille und das überschaubare, aber teils bemerkenswert gute Kulturangebot der Eifel. Viel Rummel um sich herum braucht er nicht. Er habe doch die ganze Welt im Inneren. „Außerdem ist hier mehr Freiraum für das, was ich mag. In der Stadt gibt es immer zig andere, die mit ihren Projekten schon alle Nischen besetzt haben.“ Seine Nische ist nicht nur die bildende Kunst, sondern auch die Veranstaltung von Musik-Events, die so gar nichts zu tun haben mit den eingängigen Stilrichtungen. Bei ihm gibt es keine Coverbands, die Popsongs zum Besten geben, und erst recht keine Schlagerabende. „Es soll für Herz und Hirn gleichermaßen sein“, sagt Schmid. Zu ihm kommen Profimusiker, die Neue Musik, Jazz oder experimentelles Crossover aus verschiedenen Musikkulturen auf die Bühne bringen.

Wobei „Bühne“ für den kleinen Konzertraum ein falscher Ausdruck ist. „Die Musiker mögen es, bei mir einen ganz direkten und ungezwungenen Kontakt zum Publikum zu haben“, erzählt er. Gerade die eher improvisierte, lockere Atmosphäre mit Tuchfühlung ist es, die Künstler und Publikum gleichermaßen anzieht. Die Zuhörer kommen teils von weither, auch aus Nordrhein-Westfalen. „Die Konzerte haben sich aus Anfragen von Musikern ergeben, die fanden, die alte Schule sei doch ein wunderbarer Ort für Probekonzerte“, schildert Schmid die Anfänge vor zehn Jahren. Er war in der Szene bekannt, da er für verschiedene Labels die CD-Cover entwirft – sein „Brotberuf“, für den er das schnelle Internet im Dorf braucht. Mittlerweile geht es längst nicht mehr ums Proben, sondern Formationen und Bands aus ganz Europa fragen an, ob sie bei „faberludens“ auftreten können. Die alte Schule ist Station etlicher Tourneen von Hochkarätern, die ansonsten in Luxemburg, Frankfurt oder in anderen Großstädten live musizieren. Und sie bekommen als Gage immer auch eine Portion Eifelfeeling mit, denn sie übernachten bei gastfreundlichen Nohnern, nicht in Hotels.

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Einen Kartenvorverkauf gibt es nicht, auch die Zahlung des Eintrittsgeldes ist Vertrauenssache, denn es wird einfach in eine Box geworfen. „Das klappt“, sagt der Veranstalter aus Passion, „und ums Gewinnmachen geht es doch dabei sowieso nicht.“ Für ihn hat Lebensqualität viel mehr damit zu tun, nach eigenem Tempo und Gusto leben zu können. Zwei Jahre lang startete er in Südfrankreich den Versuch, dort etwas Ähnliches wie in Nohn auf die Beine zu stellen. „Aber dort gibt es viel mehr Vorschriften wie hier“, meint er und zog zurück in die Eifel, wo sein Wunsch, die Kunst möglichst ungebremst und ohne vorgegebene Leitplanken zu verwirklichen, offenbar weniger an äußere Grenzen stößt.

 

www.faberludens.de

mm
Ich lebe seit mehr als 30 Jahren gern und gut in der Eifel. Sie ist nicht nur eine wunderbare Naturlandschaft, sondern ein großer Freiraum für Entdecker, Querdenker und Kreative. Ich finde, das sollten noch mehr Menschen wissen. Aber bitte nicht zu viele ;-)

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