Trudi Osiewacz – Erzieherin, Landfrau, Künstlerin

Von in Typen der Eifel
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So sehen Vorurteile aus: Eine Kräuterkundlerin ist eine alte Frau, die anderen alten Menschen mit brüchiger Stimme erklärt, wofür Pflanzen gut sind. Weit gefehlt! Die im Dauner Stadtteil Neunkirchen lebende Trudi Osiewacz begeistert als Naturerlebnispädagogin junge Leute, die Probleme in der Schule, im Job oder in der Familie haben, für das Grün. Dasselbe schafft sie auch spielend mit Frauen und Männern, die sonst eher Bürostühle platt sitzen. Kurzum: Diese Kräuterfee ist eine echte Inspiration.

Kräuterhexe in NaturHinter dem Haus von Trudi Osiewacz tut sich, von der Straße aus unsichtbar, ein echtes Gartenparadies auf. Viele Kräuter, Blumen und blühende Stauden wachsen da und erfreuen sich in diesem spektakulär warmen Frühherbst sichtbar des Lebens. Zu trinken gibt es erfrischende Kräuterlimonade mit Minze, Giersch und Gundermann. Die beiden Letzteren würden in jedem konventionellen Garten wohl bis aufs Messer bekämpft. Doch die Naturexpertin weiß die so genannten Unkräuter zu schätzen, in vielen stecken wunderbare Aromen, Vitamine und Mineralstoffe. „Vor ein paar Tagen habe ich Brennnesselsamen geerntet, das sind echte Vitamin-C-Bomben“, sagt sie. Eine naturbelassene Wiese ist Apotheke, Beauty-Salon und Gourmettempel in einem, aus den verschiedenen Pflanzen lassen sich Salben und Heiltees, Kosmetik und Parfums oder Salate, Getränke und Saucen machen.

Kräuterfrau auf TreppeDa Trudi Osiewacz die Menschen genauso liebt wie die Natur und ihnen offen begegnet, gibt sie ihr Wissen weiter. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger, sondern ihr Spaß an der Sache und ihre Entdeckungslust stecken an. „Ich bin auf einem Bauernhof bei Schönbach mit sechs Geschwistern aufgewachsen, da lebt man in und mit der Natur und ist zugleich immer Teil einer Gruppe von Menschen mit ihren ganz verschiedenen Eigenarten“, erklärt sie ihre Prägung. Zwar startete sie ihr Berufsleben nicht mit dem Thema Natur, sondern als Sachbearbeiterin im öffentlichen Dienst, aber nach einigen Jahren sattelte sie um, wurde Erzieherin und machte verschiedene pädagogische Fortbildungen, so dass sie später bei der Sozialpädagogischen Familienhilfe in Daun arbeitete.
Ihr neuestes Projekt ist beim NaturErlebnisZentrum in Darscheid angesiedelt: ökologische Berufsvorbereitung für Jugendliche mit besonderen Vermittlungshemmnissen, die unter dem Motto „Fit für den Job“ im Umgang mit der Natur Eigenverantwortung lernen. „Die bewusste Wahrnehmung der Natur dient der Persönlichkeitsentwicklung und der Teamfähigkeit“, ist Trudi Osiewacz überzeugt, „denn die natürlichen Kreisläufe lehren, dass es immer einen Ausgleich geben muss, damit etwas Nährendes und Tragendes entsteht.“ Daher engagiert sie sich auch für den Naturschutz in der IG Eifelvulkane, um sie für künftige Generationen zu erhalten.

Dass sie ihre Begeisterung für die Natur an junge Menschen weitergeben kann, beweisen ihre eigenen drei Kinder, die teils in „grünen“ Berufen arbeiten. Immer ist sie sehr konkret in ihren Informationen, um zu erläutern, wie wichtig zum Beispiel Ressourcen wie gesunde Böden sind: „In einer Handvoll Erde, die bis zu 300 Jahre für ihre Entstehung braucht, stecken mehr Lebewesen als Menschen auf der Welt.“ Dabei haben auch ungeliebte Krabbeltiere wie Asseln wichtige Aufgaben: „Sie lockern den Boden, so dass darauf etwa Kartoffeln angepflanzt werden können. Ohne sie gibt es keine Pommes.“ Das leuchtet jedem ein, auch Kindern, die sonst nur online sind. Nicht die theoretische Wissensvermittlung allein ist es, die fasziniert, sondern vor allem, etwas aus den Dingen der Natur zu machen und mit ihnen zu kochen oder anderes zu kreieren. „Bei älteren Teilnehmern kommen dann viele Erinnerungen an ihre Kindheit hoch, in der sie in Bauerngärten und auf Wiesen spielen oder auf Bäume klettern durften“, erzählt Trudi Osiewacz.

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Sie selbst macht aus dem, was sie draußen in den Wäldern findet, auch Kunst: Skulpturen aus bizarrem Totholz oder Gemälde aus Pflanzen- und Erdfarben. Inspirationen findet sie zuhauf bei jedem Spaziergang oder jeder Kräuterwanderung. Für sie ist die grüne und bunte Welt vor den Städten und Dörfern nicht die Gegend, wo nichts los ist, im Gegenteil: Die spannendsten Geschichten, aus der sie Kultur macht, liefert Mutter Natur.

www.darscheid.nez-vulkaneifel.de

www.landfrauenverband-daun.de

mm
Ich lebe seit mehr als 30 Jahren gern und gut in der Eifel. Sie ist nicht nur eine wunderbare Naturlandschaft, sondern ein großer Freiraum für Entdecker, Querdenker und Kreative. Ich finde, das sollten noch mehr Menschen wissen. Aber bitte nicht zu viele ;-)

1 Kommentar

  1. silke zens 1 Jahr vor

    Sehr schöne Website-ich bin begeistert!

    Vielleicht komme ich ja auch mal in den Genuss,
    denn wir haben ein Gästehaus in Udler, ganz nach eifler art eingerichtet.

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