Traumpfad-Wanderung durch Höhlen- und Schluchten im Brohltal

Von in Tourismus, Wandern
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Die warme Frühlingssonne lockt raus in die Natur und lädt wieder zu Wanderungen durch die Eifel ein. An einem Sonntag starten wir um die Mittagszeit am Parkplatz in Kell unsere Tour auf dem Höhlen- und Schluchtensteig. Dieser Weg gehört zu den Traumpfaden Rhein-Mosel-Eifel. Als Rundwanderweg angelegt eignet er sich gut für einen Tagesausflug durch die herrliche Eifel-Landschaft mit ihren reichen Naturdenkmälern und kulturellen Schönheiten.

Der Wasserfall in der Wolfsschlucht. (Foto: Autorin)

Laut der Tourenbeschreibung erwarten uns mächtige Felswände, geheimnisvolle Trasshöhlen, Urwaldatmosphäre in der Wolfsschlucht, ein einzigartiger Wasserfall und sprudelnde Quellen am Wegesrand. Ausgestattet mit der Traumpfade-App, die schon vorab mit einer kleinen Bildergalerie einen Eindruck von der Wanderung vermittelt, machen wir uns auf den rund 12 Kilometer langen Weg. Neben der Traumpfad-Beschreibung mit Höhenprofil zeigt die Tourenbegleitung mittels Smartphone interessante Orte entlang des Weges und im Umfeld, wie Sehenswürdigkeiten, Aussichtspunkte, Parkplätze und Gastgeber.

Wir laufen entgegen der Beschreibung in Richtung Wolfsschlucht über Felder zum Waldrand und entdecken schon bald einige Rehe im Dickicht. Von weitem hört man zaghaftes Vogelgezwitscher sowie das energische Klopfen eines Spechts am Baumstamm. Das orangefarbene Logo der Traumpfade leitet die Wanderer perfekt, so dass eigentlich gar keine Karten oder andere Hilfsmittel im Verlauf der Strecke erforderlich sind. Durch ein Waldstück geht es hinunter zu den sprudelnden Mineralquellen am Waldrand. Ganz in der Nähe befindet sich auch die sogenannte Römerquelle, aus der kohlensäurehaltiges Wasser mit leichtem Schwefelgeruch sprudelt. Weiter laufen wir hinab in die Wolfsschlucht, mit tollen Felsformationen, sprudelnden Quellen im Bachbett und sogar mit einem Wasserfall.

Durch den urigen Wald verläuft der Weg und wir lassen uns hier von den Werken der Natur beeindrucken.

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Beeindruckendes Wurzelwerk. (Foto: Autorin)

Tief im Wald liegen die denkmalgeschützten Reste des Klosters Tönisstein aus dem Jahr 1465, eingewachsen im Dickicht wie ein Dornröschen-Schloss. Der Legende nach fand 1388 ein Hirte hier ein Gnadenbild der Gottesmutter mit dem heiligen Antonius im brennenden Dornenbusch. Die bald darauf errichtete Kapelle war für die einsetzenden Wallfahrten schnell zu klein, so kam es zum Bau des Karmeliterklosters Sankt Antoniusstein (in Eifeler Mundart „Tönnes-Stein“). Das gleichnamige Quellwasser rund um das Kloster wurde bereits um 1500 zu Heilzwecken verwendet und machten Bad Tönisstein im 17. und 18. Jahrhundert zum angesehenen Kurort der Kölner Kurfürsten. Heute gibt es dort keinen Kurbetrieb mehr, aber der magnesiumreiche und calciumhaltige Tönissteiner Sprudel ist weiterhin beliebt. Das Kloster wurde 1802 infolge der Säkularisation aufgelöst und seinem Verfall überlassen, das Marienbild befindet sich heute in der Pfarrkirche St. Lubentius in Kell.

Graffitis an den Trasswänden. (Foto: Autorin)

Der Bachlauf begleitet uns noch ein Stück bevor wir die Landstraße überqueren und die mächtigen Trasshöhlen erblicken. Das Material dieser Höhlen war ehemals ein glühend heißes Gemisch aus Lavapartikeln und Gasen, das beim Ausbruch des nur fünf Kilometer entfernten Vulkans am Laacher See ausgestoßen wurde und die umliegenden Täler bis zu 60 Meter hoch auffüllte. Im Laufe der Jahrtausende sind Asche und Lavapartikel zu einem Gestein geworden, welches in der Eifel Trass genannt wird. Schon in römische Zeit verwendete man rheinischen Trass, ein Tuffgestein für den Hausbau. Bei Zugabe von Kalk und Wasser entsteht eine Art vulkanischer Zement. Durch den Abbau des Gesteins entstanden die beeindruckenden Trasshöhlen im Brohltal.

Durch die mannshohen Höhlen und Gänge laufen wir zum Viadukt des Vulkanexpresses, der wieder ab Mai bis Oktober regelmäßig zwischen Brohl und Engeln fährt. Wer eine jetzt ausgiebige Rast einlegen möchte, kann im Gasthaus Jägerheim (von Mittwoch bis Sonntag ab 12 Uhr geöffnet) einkehren.

Ab hier geht es auf dem Hermann-Löns-Pfad steil bergauf durch den Wald. Der doch sehr anstrengende Aufstieg wird belohnt durch einen Panorama-Ausblick über die Vulkanlandschaft, ein schön angelegter Rastplatz lädt hier zu einer kurzen Pause ein.

Der Name ist hier genau richtig. (Foto: Autorin)

Weiter geht es durch den tiefen Wald wieder hinab ins verträumte Pönterbachtal, wo uns der Bachlauf stetig begleitet. Hier gibt es jedoch eine Änderung des ursprünglichen Pfades, den die Pönterbachbrücke ist aktuell nicht begehbar. Die Umleitung ist aber leicht zu finden und führt auf einem Seitenweg sicher hinab. In der feuchten Auenlandschaft fühlen sich auch die Wildschweine wohl, auch wenn wir die Tiere nicht zu Gesicht bekommen, sind ihre Schlammsuhlen nicht zu übersehen. Auf der Bank Sonnenschein bleiben wir nur kurz sitzen und beobachten den ersten Zitronenfalter des Frühlings.

Ein Hotel für Insekten. (Foto: Autorin)

Durch das idyllische Krayerbachtal laufen wir wieder leicht bergan und genießen den Ausblick über die weite Eifellandschaft bis zum imposanten Siebengebirgsblick. Unterwegs bestaunen wir ein geräumiges Insektenhotel am Wegrand. Feldwege führen uns zurück zum Wanderparkplatz, der schon von weitem durch die auffälligen Fahnen mit dem Traumpfade-Logo erkennbar ist.

Aktueller Hinweis: Die Pönterbachbrücke ist zurzeit gesperrt. Eine gut begehbare Umleitung ist aber eingerichtet und ausgeschildert. Die Wanderstrecke ist durch diese Umleitung etwa 900 Meter länger. (Stand: April 2018) | An sonnigen Wochenenden herrscht viel Wanderbetrieb auf dem beliebten Traumpfad – wer dies scheut, sollte den Höhlen- und Schluchtensteig lieber an Wochentagen erwandern.

Traumpfad Höhlen- und Schluchtensteig: 12,1 Kilometer | Höhenmeter: 405 m | Wanderzeit: 3,5 Stunden | Schwierigkeitsgrad: mittel

Sehenswertes: Mineralquellen | Wolfsschlucht mit Wasserfall | Ruine Kloster Tönisstein | Trasshöhlen | Vulkanexpress-Viadukt | Panoramablicke | idyllische Bachtäler

Start und Ziel: 56626 Andernach-Kell, Wander-Parkplatz Bergwege an der K 57 (oder über den Zuweg ab 56626 Andernach-Kell, Bürgerhaus Kell Parkplatz, Pöntertalstraße). Alternativ ist die Anreise auch mit verschiedenen Buslinien des ÖPNV oder dem Vulkan-Express möglich.

mm
Vor den Toren meiner rheinischen Heimatstadt liegt die Eifel. Die nahe Mittelgebirgsregion ist häufig Ausflugsziel und Zufluchtsort zugleich. Vielfältige landschaftliche und kulturelle Reize begeistern mich ebenso wie die lebendige Geschichte und die regionalen Spezialitäten. Bei Wanderungen in der abwechslungsreichen Natur sammle ich als Stadtmensch kreative Energie für neue Projekte.

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