Siwe Schrähm – Der Eifelpoker

Von in Artikel, Eifeltypisch
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In der Eifel wurde seit jeher oft und leidenschaftlich Karten gespielt. Manchmal dauerten Spielabende bis in die Morgenstunden, an der Kirmes ging es sogar über Tage und Nächte. Zu dem beliebtesten Spiel zählte „Siwe Schrähm“, anderenorts auch „Sibbe Schrähm“, „Siewe Schrähm“, „Sibbe Schröm“ genannt. Der Begriff heißt übersetzt aus dem Eifeler Platt „Sieben Striche“. Das beliebte Spiel wurde im engeren Sinne nur im Rheinland gespielt – mit dem „französischen Blatt“ – und soll in der Eifel erfunden worden sein.

Gespielt wird in der Eifel in der altüberlieferten Spielweise von Siwe Schrähm, die vom Vater zum Sohn und vom Sohn zum Enkel weiter vermittelt wurde. In der Volkssprache wurde das Spiel auch „Eifelpoker“ genannt. Der Name „Siwe Schrähm“ bedeutet „Sieben Striche“ und erklärt sich aus der Art der Anschreibung der Spiele auf einem Papier, bei dem der Verlierer je nach Wert des Spiels bis zu sieben Striche angeschrieben bekommt. Wer als erster sieben Striche auf seinem Konto hat, hat die Partie oder, wenn man um zwei Hälften spielt, eine Hälfte verloren und scheidet aus. Die übrigen Mitspieler spielen so lange weiter, bis nur noch ein Mitspieler übrig bleibt, der das Kartenspiel dann insgesamt gewonnen hat.

Siwen-Schrähm ist ein Kartenspiel für vier Personen. Es wurde in der Eifel erfunden – dort gehört(e) es seit mehr als 100 Jahren zur Wirtshauskultur. Seit 1982 werden Meisterschaften ausgetragen. Gespielt wird mit einer Skatkarte (Französisches Blatt).

Grundregeln sind: Ausgeteilt werden vom Geber 4 Karten, in Stückelung zwei Karten, auf Verlangen eines Mitspielers aber auch einzeln. Die nicht ausgegebenen Karten kommen verdeckt in den Stock, also in die Mitte. Der Verlauf des Spiels ist so: Farbe bedienen, die höchste Karte der gleichen Farbe erhält das weitere Ausspiel. Ein normales Spiel wird allen Verlierern mit einem Strich angeschrieben. Der Gewinner eines Durchgangs (der am Schluss die höchste Karte in der gespielten Farbe hat) bekommt keinen Strich. Glaubt ein Mitspieler während des Spiels, dieses gewinnen zu können, kann er klopfen und erhöht damit den Wert des verlorenen Spiels um die Anzahl der Klopfzeichen. Der Gewinner eines Durchgangs gibt die Karten für den nächsten Durchgang. Hört sich kompliziert an, aber erfahrene „Pokerer“ hatten das schnell „drauf“.

Nach dem Austeilen der Karten sind zunächst die Spieler in der Reihenfolge nach dem Geber im Uhrzeigersinn gefragt, ob sie klopfen wollen. Klopft ein Mitspiele, sind die übrigen (der Reihe nach im Uhrzeigersinn vom Klopfenden aus gesehen) zunächst gefragt, ob sie halten wollen oder passen. Mitspieler, die passen, bekommen den Spielwert als Strich für das verlorene Spiel angeschrieben. Die übrigen Mitspieler, die nicht passen, sondern halten, spielen weiter um den jetzt erhöhten Wert des Spiels. Wer am Schluss die höchste Karte in der gespielten Farbe legt, hat das Spiel gewonnen. Die übrigen Mitspieler bekommen den Wert des gehaltenen, verlorenen Spiels jeweils aufgeschrieben. Wer zuerst 7 Striche auf seinem Konto hat, hat verloren und scheidet aus. Die übrigen Mitspieler spielen weiter bis nur noch ein Mitspieler (der Gewinner der Partie) übrig bleibt.

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Das größte Turnier mit mehreren hundert Spielern findet alljährlich im Mekka des „Siwe Schrähm“ Spiels, in Ulmen, statt. Klar ist, dass es in der gesamten Eifel beim privaten Spiel in der „guten Stub“ oder im Wirtshaus auch reichlich zu trinken und zu essen gab. Zu einem langen Kartenabend gehörten immer reichlich Bier, „ein klarer Tröpp“, Viez oder ein Aufgesetzter. Zur Stärkung gab es meist „Buttichen“, also Brot mit fetter Wurst oder geräuchertem Bauch. Auch die Pfeife hatte in der „Rauchbude“ stets ihren Einsatz.

(Mit freundlicher Unterstützung von Klaus Goßmann aus Wehr)

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Joachim Schröder aus Pronsfeld im Eifelkreis Bitburg-Prüm ist Brauchtumsforscher und hat bisher 19 Bücher über seine Heimat veröffentlicht: „Ich bin ein Kind der Eifel. Ich lebe und liebe die Eifel, weil es diese Landschaft tatsächlich kein zweites Mal gibt.“

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