Rote Äpfel in der Kirche – Das Kloster Steinfeld

Von in Coole Orte, Tourismus
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Auf der Hochebene oberhalb der Urft ist die Kirche mit den drei Türmen weit sichtbar. Es gab Zeiten, da war das hoch oben auf dem Berg gelegene Kloster Steinfeld eines der bedeutendsten Klöster im deutschen Reich – etwa 800 Jahre, bis die Säkularisation 1802 auch die Eifel erreichte. Seine Anfänge reichen zurück bis in die Zeiten Otto des Großen. Bereits 920 soll das Jagdschloss des Grafen Sibido von Hochstaden zu einem Kloster umgewandelt worden sein.

Basilika aus dem 12. Jahrhundert. (Foto: Autorin)

Der Einfluss der Prämonstratenser, die hier wohnten, reichte noch weiter. In der Einöde der Nordeifel entwickelte sich im 12. Jahrhundert ein kulturelles Zentrum mit mehreren Töchterniederlassungen, sogar in Holland und Irland.

Die große romanische Basilika, die dank eines neuen weißen Verputzes noch weiter strahlt, sollte man auf jeden Fall gesehen haben. Im Inneren besitzt die Kirche überraschend viel Inventar. Der Mittelgang der Kirche des Klosters Steinfeld ist verstellt durch ein großes steinernes Grabmal auf dem leckere, rote Äpfel liegen. „Heiliger Hermann Josef bitte für uns“, steht zu Füßen des Grabes.

 

Was ist das für eine Sache mit den Äpfeln?

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Äpfel in der Kirche findet man auch in Köln, vor einer Madonna in der Kirche Maria im Kapitol. Die Geschichte um die roten Äpfel erzählt von dem Jungen Hermann (damals noch ohne den Beinamen Josef), der um 1150 in Köln geboren wurde. Der Legende nach war Hermann das Kind eines armen Schusters, der in der Nähe der großen romanischen Kirche Maria im Kapitol wohnte. Hermann war ein eher verträumter Junge, der still und fromm war und in seiner Fantasiewelt lebte. Regelmäßig brachte er auf seinem Schulweg der Marienstatue in Maria im Kapitol, die in sehr beeindruckt hatte, einen Apfel für das Jesuskind. Dafür ließ ihn Maria mit dem Jesuskind spielen, so die Vorstellung.

Rote Äpfel auf dem Grabmal. (Foto: Autorin)

Einige Zeit später teilte er Maria unglücklich mit, dass sein Vater das Schulgeld nicht mehr bezahlen könne. Maria zeigte dem Jungen daraufhin ein Geldversteck unter einer Bodenplatte im Kreuzgang der Kirche. Sozusagen als Dank für die geschenkten Äpfel.

Diese Investition war erfolgreich. Mit 12 Jahren kam Hermann nach ins Kloster Steinfeld. Er studierte in Friesland, wurde anschließend Priester in Steinfeld und übernahm die Seelsorge der Schwesterklöster. Seine enge Verbindung zu Maria setzte sich auch im Erwachsenenleben fort. Hermann wurde durch seine „mystische Vermählung mit der Gottesmutter“ bekannt, die ihm auch den Beinamen Josef einbrachte. Josef war zu diesen Zeiten kein alltäglicher Name, da er dem Vater Jesu vorbehalten war.

Die mystische Vermählung des Kölner Schusterjungens wurde 1630 von Anton van Dyck für die Antwerpener Bruderschaft der Unvermählten gemalt. Heute hängt dieses Gemälde im Kunsthistorischen Museum in Wien. Nach seinem Vorbild van Dyks wurde auch das Altarbild des Hermann-Josefs-Altar in der Klosterkirche in Steinfeld 1698 geschaffen.

Hermann Josef starb Ostern 1241 während er im Zisterzienserinnenkloster Hoven bei Zülpich aushalf. Die Nonnen dort begruben ihn sofort an einem angeblich vor seinem Tod von ihm benannten Platz. Erst als die Mönche aus Steinfeld den Kölner Erzbischof einschalteten, rückten die Nonnen den Leichnam wieder heraus und er wurde in einer großen Prozession nach Steinfeld zurückgebracht. Schon an dem Streit um seine Gebeine erkennt man, dass die ausgeprägte Verehrung von Hermann Josef unmittelbar mit seinem Tod begann. Die Geschichte des Apfelheiligen war einfach zu beeindruckend. Offiziell heiliggesprochen wurde Hermann Josef jedoch erst 1958.

Im Barock erreichte die Verehrung von Hermann Josef ihren Höhepunkt, aus dieser Zeit stammt auch der Sarkophag im Mittelgang der Kirche. Noch heute beten Menschen häufig vor seinem Grabmal und der Heilige der Kinder, Uhrmacher und werdenden Mütter hat zu jeder Jahreszeit einen Kranz frischer Äpfel um sich.

Klostergebäude in Steinfeld. (Foto: Autorin)

Nachdem das Kloster 1802 aufgehoben wurde, eröffneten die Preußen hier 1844 eine Erziehungsanstalt – ganz im Sinne von Hermann Josef könnte man meinen, auch wenn die Nutzung natürlich nicht klösterlich war. Seit 1923 wird das Kloster von Salvatorianern betrieben, die in Fortsetzung der Tradition ein Gymnasium mit Internat gründeten, die Akademie Steinfeld und ein Gästehaus betreiben. Der Internatsbetrieb in Steinfeld wurde vor ein paar Jahren aufgegeben. Das Gymnasium gibt es weiter. Die ehemaligen Internatsräume sind zur Erweiterung des Gästehauses genutzt worden. Neben den schlichten Zimmern im alten Gästehaus, gibt es heute auch Vier-Sterne-Wohnkomfort, Tagungsräume und ein Klostercafé.

Als Gesamtanlage lebendiger klösterlicher Tradition ist Steinfeld beeindruckend. Gebäude aus allen Jahrhunderten verbinden sich zu einer geschlossenen Anlage: die Basilika aus dem 12. Jahrhundert, der anschließende Kreuzgang aus dem 15. Jahrhundert, die um drei Höfe gruppierten Klostergebäude des 17. und 18. Jahrhunderts, der Klostergarten mit Labyrinth, innerhalb einer alles umschließenden Mauer. Das Innere der Abteikirche beeindruckt nicht nur durch die Äpfel, sondern durch seine Kontraste. Schwere romanische Architektur trifft auf filigrane spätgotische Gewölbemalereien und pompöse Barockausstattung und da wir hier in einem kulturpolitischen Zentrum des Mittelalters stehen, ist die Ausstattung von hoher Qualität.

Steinfeld und Köln sind aber nicht nur über die Äpfel in den Kirchen und die Legende des Schusterjungen Hermann-Josef verbunden. Geht man an Sarkophag und Barockaltar vorbei durch eine Tür im rechten Querhaus, findet sich in der Seitenkapelle das um 1170 entstandene, älteste Wandbild des Klosters. Es zeigt die bekannteste Kölner Heilige schlechthin – Ursula umringt von ihren elftausend Jungfrauen!

Öffnungszeiten: Klosterladen und Café täglich von 12 Uhr bis 18 Uhr, am Wochenende schon ab 11 Uhr | Adresse: Kloster Steinfeld, Hermann-Josef-Straße 4, 53925 Kall-Steinfeld

Mehr Infos zum Kloster Steinfeld unter https://www.youtube.com/watch?v=-IRmEnzvcOU oder hier.

mm
Als Kunsthistorikerin, Stadtführerin in Köln und Reiseleiterin bin ich immer wieder auch in der Region zwischen Trier und Köln unterwegs. Mich faszinieren besondere Orte, die man in der Eifel oft ganz überraschend finden kann.

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