Prost Neijoaht! – Eifeler Brauchtum rund um den Jahreswechsel

Von in Eifeltypisch
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Der Silvesterabend und der Neujahrstag bilden in der Eifel eine Brauchtumseinheit. Am letzten Tag des Jahres stand ab dem Nachmittag das häusliche Feiern im Mittelpunkt, am frühen Abend ging man ganz selbstverständlich zum Dankgottesdienst in die Kirche. Danach zog es den Mann geradewegs ins dörfliche Wirtshaus, wo sich traditionell Männer und Burschen trafen. Die Frauen gingen dagegen nach Hause und verbrachten den Abend in der „guten Stub“.

Bauern am Neujahrstag 1924. (Foto: Joachim Schröder)

Im Wirtshaus ging es dagegen laut her, hier wurde Bier und Schnaps, manchmal auch Viez getrunken, dazu wurde gekartet und gequalmt. So vertrieb man sich die Zeit, bis um Mitternacht die Glocken das neue Jahr begrüßten, Männer und Frauen auf die Straße eilten und sich umarmten. „Prost Neijoaht“ hallte es durch die Gassen, Kinder schrien und tanzten, manche entzündeten Streichhölzer oder ein Strohbündelchen.

In der Eifel war es zudem üblich, dass die Burschen vor den Türen ihrer umworbenen Mädchen ein heftiges Krachmachen ansetzten. Für diese „Beehrung“ dankten die jungen Frauen mit einem Schnaps und Hefezopf. Mancherorts wurde auch mit Gewehren und Böllern das neue Jahr begrüßt. Ursprünglich wurden auch Masken getragen, doch das wanderte später in die Eifeler Fastnacht ab.

Silvester-Böller auf Eifeler Kopfsteinpflaster. (Foto: fotolia)

Mit Neujahr sind die unterschiedlichsten Facetten des Aberglaubens verbunden. Frei nach dem Motto „Wie das Neujahr beginnt, so ist das ganze Jahr“ wurde nach bestimmten Regeln verfahren.
So bemühte sich zum Beispiel die Hausfrau seit jeher, über Neujahr ja keine Wäsche zum Trocknen hängen zu lassen, da dies Unglück und Arbeit im kommenden Jahr mit sich bringe.
In den vielen ländlichen Bereichen der Eifel war das „Räuchern“, das Begehen der Wohn- und Arbeitsräume sowie der Stallungen mit gesegnetem Weihrauch üblich, um die Dämonen zu vertreiben. Viele Essens- und Trinkbräuche, die man zum Jahreswechsel pflegt, haben ebenfalls einen abergläubischen Hintergrund.
Am Neujahrstag fiel in der Eifel der übliche Tageszeitengruß aus und wurde ersetzt durch „E jelecklich neij Joahr“ oder „Vill jeleck am neijen Joahr“. Bis heute hat sich der Gruß „Prost Neijoahr“ erhalten. Im familiären Kreis wurde ihm oftmals hinzugefügt „un mir e Neijährchen“. Dieser Wunsch brachte zum Ausdruck, dass man sich ein kleines (Geld-) Geschenk erhoffte, das zumeist auch gewährt wurde. In der Westeifel erhielten die Kinder von ihren Paten stets am Neujahrstag Geld, nie zu Weihnachten. „Nebst einem Taler bekamen die Kinder früher ein Gebildbrot in Form eines Wickelkindes oder eines geflochtenen Kranzkuchens“, wusste noch vor 30 Jahren der 80jährige Adam Peters zu erzählen. In einigen Dörfern gingen Kinder auch von Haus zu Haus „heischen“. „Hier wohnt ein reicher Mann“ – dieses wohl bekannte Liedchen hört man heute noch am „Fetten Donnerstag“.

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Eifeler Segenswunsch
„Ech wenschen e jelecklich neij Joahr, lang ze lewen, jelecklich ze sterwen un dn Himmel ze erwen“.

Neues Eifelbuch von Joachim Schröder: „Plaudereien am Kamin – Eefeler Verzellcher“
Unter dem Titel „Volkskundliche Plaudereien am Kamin – Eefeler Verzellcher“ (Band 2) erschien soeben das neue Werk von Joachim Schröder aus Pronsfeld. Auf starken 320 Seiten schildert der Autor, wie und womit man sich früher im Winter, zumeist am wärmenden Kamin, Unterhaltung verschaffte. „Erzählstücke, Mundart–Gedichte, Reime, Neckverse, lustige und ernste Geschichten aus dem Dorf, düstere Begegnungen im Wald oder Bubenstreiche aus der Schule, auch ein bisschen Jägerlatein, selbst Märchen und Lügengeschichten gehören zum Inhalt des Buches“, so der Joachim Schröder. „Da ist von allem was drin, es bietet vielfältigen Lesestoff – vor allem Humorvolles“, sagt der Pronsfelder. Die Trilogie „Verzellcher“ wird im nächsten Jahr abgeschlossen mit „Plaudereien auf der Hofbank“, also Sommergeschichten.

Mehr über das Eifeler Brauchtum gibt es auch hier.

 

mm
Joachim Schröder aus Pronsfeld im Eifelkreis Bitburg-Prüm ist Brauchtumsforscher und hat bisher 19 Bücher über seine Heimat veröffentlicht: „Ich bin ein Kind der Eifel. Ich lebe und liebe die Eifel, weil es diese Landschaft tatsächlich kein zweites Mal gibt.“

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