Das Motorrad aus der Eifel

Von in Artikel
Anzeige

Vor 90 Jahren wurde die legendäre „Nordschleife“ am Nürburgring eröffnet. Doch Motorsport gab es in der Eifel schon vorher. Im kleinen Nohn in der Vulkaneifel hatten Fritz und Peter Hoffmann schon 1924 beschlossen: „Wir bauen so ein Ding!“: Die „Nohner“ – das Motorrad aus der Eifel.

Walter und Rainer Hoffmann mit der einzigen noch erhaltenen „Nohner“ aus der Kleinserie.

Das Fahrrad als Designvorlage ist unübersehbar. Schmale Reifchen, darin der noch dünnere Keilriemen für den Antrieb: Fritz Hoffmann posiert 1924 irgendwo in der Vulkaneifel auf seiner „Nohner“ – das von ihm und seinem Bruder Peter gebaute Motorrad aus Nohn in der Vulkaneifel. „IZ-10171“ lautet das handbemalte Kennzeichen samt Prüfstempel, zugelassen vom „Dampfkessel-Überwachungs-Verein“ (DÜV), dem Vorläufer des TÜV. Die „Nohner“. Eine von sieben aus einer Kleinserie, erfunden von den Gebrüdern Hoffmann.

„Mein Vater und sein Bruder waren Konfektionäre, von denen es auch in der Eifel ein paar gab“, erinnert sich Walter Hoffmann. Fritz und Peter Hoffmann hatten eine Schmiede in Nohn. Was lag da den erfindungsreichen Brüdern näher, als es mal zu versuchen. Fahrräder hatten sie zuvor schließlich auch schon gebaut.

„Sie haben zum Beispiel die Fußrasteranlage geschmiedet“, erklärt Enkel Rainer Hoffmann. Oder  Rahmenteile gelötet. Anderes, was fehlte, wurde gekauft – aus dem Katalog der Hersteller, daher der Name „Konfektionär“: Getriebe, Lampen, der Ledersitz – der nur gefedert war, aber nicht gedämpft. Den Motor bestellten die Gebrüder Hoffmann bei DKW oder bei Villiers in England.

Anzeige

„So 60 Kilometer bekam die schon drauf“, erinnert sich Walter Hoffmann. „Wenn es bergab ging.“ Die Fahrt sei allerdings noch in den 1940er Jahren für ihn kein Vergnügen gewesen: „Es gab ja kaum asphaltierte Straßen. Aber Hufnägel und Kuhfladen.“ Ärgerlich auch, dass der „Gendarm“ von Nohn die Kinder auf der „Nohner“ scharf zurechtwies. „Aber wohl vor allem deshalb, weil er auf seinem Dienstfahrrad nicht hinter uns herkam“, lacht Walter Hoffmann. Weit allerdings kam ein „Nohner“-Fahrer so nicht. Der kleine Tank reichte nur für an die 50 Kilometer.

Die Geschäftsidee: „Nohner – das Motorrad aus der Eifel“, schlug jedenfalls fehl. Gegen die ersten industriellen Motorradhersteller hatten die Brüder aus der Eifel natürlich keine Chance. Sieben Motorräder wurden aber immerhin verkauft. Die „Kleinserie“ wurde nach rund zwei Jahren 1926/27 wieder eingestellt. Übrig gebliebene Teile wurden verschrottet.  Die Schmiede der Großeltern ist  vor gut 50 Jahren aufgegeben worden.

Rainer Hoffmann mit der letzten „Nohner“. Der Schalthebel für das 3-Gang-Getriebe ist seitlich.

„Dann bekam ich 1978 von einem Freund den Tipp: Im Schuppen der Schmiede Deiner Großeltern steht ein Motorrad“, erinnert sich Rainer Hoffmann. Er schaute nach: Die Reifen fehlten, auch die Lampe und der Tank – aber der Rahmen war noch da. Hoffmann, KFZ-Ingenieur, machte sich ans Werk und baute die letzte noch erhaltene „Nohner“ wieder auf. Es ist die mit der Seriennummer „6“. Sie hat ein HURTH-Getriebe aus München, einen Stecktank, einen nachgerüsteten Kettenantrieb und laut angeschraubtem Rahmenstempel „Brems PS: 5“ bei 85 Kilogramm Gewicht.

Immer mal wieder interessieren sich Motorradfahrer, die beim Betanken ihrer Maschinen an der Zapfsäule der Tankstelle Hoffmann warten, für das, was da im Schaufenster vor dem Setra S6 Reisebus von 1959 steht. Irgendwie orange leuchtet der Stecktank mit dem Schriftzug: „Nohner“. „Die fährt noch, kein Problem!“ grinst Rainer Hoffmann. Er rollt das Unikat – Kennzeichen: IZ-10067 wie einst im Straßenbetrieb – aus dem Schaufenster des Reisebüros Hoffmann mit Tankstelle am Ortsrand von Nohn. Noch 2005 und 2006 war er mit der „Nohner“ bei der alljährlichen „Ernst-Neumann-Neander-Gedächtnisfahrt“ zwischen Insul und Bad Münstereifel am Start. Neumann aus Kassel war ebenfalls Motorrad-Konfektionär. Wie sein Künstlername hieß auch die Kleinserie: „Neander“. Sein Patent hat später Opel übernommen.

Rahmennummer: 6, Brems PS: 5: Die „NOHNER“

Etwas kompliziert sei die Betätigung des voluminösen Schalthebels für den 3-Gang-Betrieb des 194 Kubikzentimeter Hubraum starken Zweirads ja schon, meint Rainer Hoffmann: „Dann müssen Sie den Gashebel der Nohner auf Standgas stellen und kurz runter greifen.“ Er, ganz der Enkel der Eifel-Motorrad-Erfinder,  hat in den 1990er Jahren sogar eigene Maschinen mit einem englischen Hersteller entwickelt. Der Eifel-britischen Enduro von WASP erging es wie der „Nohner“: Es blieb bei einer Kleinserie. 20 Stück. Doch das ist eine andere Geschichte.

Fritz Hoffmann Mitte der 1920er Jahre in der Nähe von Bodenbach auf seiner „Nohner“. Foto: Archiv Hoffmann

Titelbild: Archiv Hoffmann

mm
Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

0 Kommentare

Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*