Marthas Traum

Von in Typen der Eifel
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Im belgischen Küchelscheid, nahe der Grenze zu Deutschland, zapft Wirtin Martha Henn mit 77 Jahren in ihrem Elternhaus  belgisches Bier vom Fass. Es ist ihr Traumberuf, wie sie selbst sagt.

Morgens um Acht hat Martha eigentlich nur kurz bei einer Tasse Kaffee Zeit sich über ihren Beruf zu unterhalten. Sie ist bescheiden, will eigentlich nie viel Aufhebens um ihre kleine Einraum-Taverne „A’Lutze“ machen, denn sie weiß, dass man sie kennt. In Kalterherberg, in Höfen, in ihrer Heimatgemeinde Bütgenbach und wahrscheinlich weit über die Monschauer Dörfer hinaus. Die kleine Kneipe liegt in der Nordeifel unmittelbar hinter der Grenze von Kalterherberg zum belgischen Küchelscheid. Im Jahr 1927 hat Martha Henns Mutter an dieser Stelle bereits ein Lebensmittelgeschäft eröffnet, dass die Tochter bereits mit 21 Jahren übernommen hat. „Früher haben wir uns hier für eine Mark eine gemischte Fruchtgummitüte vom Taschengeld geholt“, kann sich Besucherin Anja Krings noch erinnern. Heute genießt die Hochschulangestellte aus Kalterherberg nach Feierabend mit Bekannten das süße, belgische Kirschbier Kriek.

Eine kleine Verkaufsecke mit allerhand Naschkram hat Martha in Erinnerung an das Lebensmittelgeschäft erhalten.

Schon seit 1993, nach dem Wegfall der Grenzkontrollen im Zuge der Schaffung der neu ausgerufenen Europäischen Union lief der Lebensmittelladen bei Martha Henn nicht mehr so gut. Doch erst in 2001, fasst zeitgleich mit ihrem 61. Geburtstag, erfüllte sie sich ihren sehnlichsten Wunsch Wirtin zu werden. Nicht zuletzt, damit in Küchelscheid eine Einkehrmöglichkeit bestehen blieb. Eine kleine Verkaufsecke mit allerhand Naschkram hat sie jedoch in Erinnerung an das Lebensmittelgeschäft erhalten. Bauarbeiter kommen heute noch auf dem Weg zur Arbeit hier Chips und Zigaretten kaufen, andere Gäste ein Päckchen Kaffee, belgische Schokolade oder die süßen Lütticher Zucker-Waffeln.

„Es war immer mein Traum eine Kneipe zu eröffnen. Ich wollte nicht mit 61 Jahren in den Ruhestand gehen“, sagt die zierliche Person mit Nachdruck und ihre haselnussbraunen Augen strahlen. In der Anfangszeit standen noch Secondhand-Möbel im Gastraum. Bei der Eröffnungsfeier waren sogar die Handwerker noch da. „Über die Jahre haben wir langsam alles renoviert“, sagt Martha. Heute geben die türkisfarbenen Kunststoffstühle der Kneipe einen sehr modernen Touch. „Aber die Theke ist noch wie zur Eröffnung“, sagt Martha Henn stolz.

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Praktisch ist, dass der Raum hinter der Theke direkt in ihre private Küche führt. So ist Martha eigentlich immer Zuhause. Angestellte hat Martha Henn nicht. „Das ist meine Philosophie.“ Nur sonntags kommt ihre 80-jährige Schwester Paula aus dem 60 Kilometer entfernten Lüttich in die Gaststätte und hilft ihr. Dann fahren sie gemeinsam um elf Uhr die Rollos der Kneipe hoch. Denn gerade am Wochenende wird der Außenbereich vor der Kneipe stark frequentiert. Auf den Stahlrohrstühlen sonnen sich viele Radfahrer in ihren bunten Sporttrikots und fragen Martha nach dem schnellsten Weg ins Hohe Venn.

„Für die Fahrradfahrer ist es eine Belohnung, wenn sie nach dem Anstieg des Vennbahnweges, der über Küchelscheid führt, sich mit einem leckeren Leffe vom Fass belohnen können“, schmunzelt Martha Henn. Leffe, das braune Spezialbier aus Belgien mit der samtigen Schaumkrone und das blonde Jupiler nach Pilsener Brauart sind die einzigen Fassbiere, die ausgeschenkt werden. Eine Getränkekarte gibt es nicht, obschon etliche belgische Spezialbiere, aus der Flasche sowie zahlreiche alkoholfreie Getränke zu haben sind. Die Gäste dürfen aber gerne jederzeit fragen, wenn sie einen Getränkewunsch haben.

„Geschlossene Gesellschaften will ich auch nicht“, sagt die Chefin bestimmt. „Manchmal melden sich auch Gruppen an, was jedoch nicht zu geschlossener Gesellschaft führt“, denn ihre Kneipe soll jederzeit ein geselliger Treffpunkt für alle sein. Vier feste Gruppen kommen regelmäßig zum Stammtisch, um Karten zu spielen. Der belgische Chor namens „Arnikas“ widmete der 77-Jährigen bereits ein eigenes Lied. In einer Strophe heißt es „In Martha Henns Taverne brennt bis zum frühen Morgen die Laterne…“ Der Liedtext beweist, dass bei Martha erst dann zugemacht wird, wenn der letzte Gast den Gastraum verlassen hat oder sie selbst ins Bett gehen möchte. Martha hat selbstverständlich für jeden Besucher ein offenes Ohr und bedankt sich freundlich, wenn ihr die Gäste die leeren Gläser zurück an die Theke bringen.

Einheimische berichten sogar, dass sie ihren Gästen auch schon mal nach erhöhtem Bierkonsum den Autoschlüssel abnimmt und die Gäste eigenmächtig nach Hause fährt. Martha Henn kennt ihre Besucher und vertraut ihnen.

Zudem ist ihre Taverne ein wichtiger sozialer Treffpunkt, das bestätigen Gäste jeden Alters. „Zu mir kommen auch die Jugendlichen immer sehr gerne. Alle sind immer höflich und zuvorkommend. Das können sie schreiben“, sagt Martha Henn, lächelt und wird plötzlich hektisch. „Liebchen, ich muss jetzt weiter machen“, sagt sie und räumt die Kaffeetasse ab. In zwei Stunden öffnet die Taverne „A’Lutze“, die übrigens nach ihrer Mutter Luzia benannt ist. „Denn eigentlich kennt mich keiner unter dem Namen Henn. Ich war immer die Lutze Martha“, erklärt die Chefin selbst. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los direkt zur Familie zu gehören. Martha Henn oder Lutze ganz egal – man schließt sie direkt ins Herz, dieses, echte Ardenner-Eifeler Original.

Zudem ist ihre Taverne ein wichtiger sozialer Treffpunkt, das bestätigen Gäste jeden Alters. „Zu mir kommen auch die Jugendlichen immer sehr gerne. Alle sind immer höflich und zuvorkommend. Das können sie schreiben“, sagt Martha Henn.

INFO
„Taverne A’Lutze“

Am Schwarzbach 2
B – 4750 Bütgenbach/Belgien

Öffnungszeiten:
Montag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag: ab 14 Uhr
Dienstag: Ruhetag
Samstag und Sonntag: ab 11 Uhr
Im Winter: ab 15 Uhr

mm
Endlich Eifel bedeutet für mich der Umzug von der Stadt in ein historisches Bauernhaus nach Monschau-Kalterherberg. In der Eifel begeistern mich die hilfsbereiten und liebenswerten Menschen, die einen vom Hohen Venn bis in die belgischen Ardennen begleiten.

2 Kommentare

  1. Groos /Pick 11 Monaten vor

    Bei Martha war ich immer wie zu Hause ihre Tochter und ich waren wie Geschwister also war Martha immer eine zweite Mutter für mich .Nächsten Samstag fahren wir wieder zum Treffen hin …ich freu mich schon drauf

  2. Ulli 11 Monaten vor

    Danke für den Bericht über Martha

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