Magische Eifel – Teil 2

Von in Wandern
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Weiter unterwegs in der magischen Eifel. Zu Matronenheiligtümern, den dunklen Seiten der magischen Eifel, zu einem Labyrinth im Vulkankrater und einem besonderen Baum im „Zauberwald“.

Rätselhaftes Labyrinth im Vulkankrater des Arnulphusberges bei Zilsdorf.

Es sind immer Drei. Wie Mutter, Schwestermutter, oder Patin, und Tochter. Drei wie Jugend, Reife und Alter. So lauten Erklärungen für das, was zum Beispiel vom Ferschweiler Plateau aus gesehen knapp 100 Kilometer nordwestlich zu finden ist. Zwischen Nettersheim, Zingsheim und Pesch-Nöthen in Nordrhein-Westfalen haben Archäologen gleich drei – auf einer gedachten geraden Linie stehend, wie Luftaufnahmen beweisen – Heiligtümer mit Matronen-Gedenksteinen entdeckt. Sie werden bis heute genutzt.

Die bekannteste Kultstätte ist die „Görresburg“ bei Nettersheim: Drei aufanischen Göttinnen geweiht, alle in der ubischen Festtagstracht, mit den markanten runden Kopfhauben. Bis auf die mittlere Figur. Die vermutlich junge Frau trägt das Haar offen. Bis heute legen Menschen in die zur Gabenhaltung geöffneten Hände der Göttinnen Feldfrüchte, Obst, Geldmünzen, Blumen, hängen an Ästen Bänder und Wimpel auf. Bitten um Fruchtbarkeit in Feld und Flur, vielleicht Dankbarkeit für eine Geburt. Zudem sind die „Görresburg“ oder der Umgangstempel mit Matronen-Gedenkstein Vor Hirschberg“ in Zingsheim auch vermutlich „Quellheiligtümer“ gewesen. So Sophie Lange aus Nettersheim, die zum Matronenkult ihrer Heimat forscht. Unterhalb der Weihestätten, die an allen drei markanten Höhenplätzen nach Osten, zum Sonnenaufgang ausgerichtet sind, fließen Bäche. In Pesch-Nöthen, der Nummer Drei dieser Dreiheit, kann es sich zusätzlich auch um eine Baumheiligtumstätte gehandelt haben. Auf der Görresburg spürt man mit ein bisschen Sensibilität noch heute die Kraft des Weiheortes.

Bis heute werden die Matronen um ihre Zuwendung gebeten: Einer der Matronensteine auf der „Görresburg“ bei Nettersheim.

So friedlich waren allerdings nicht alle Kultstätten in der Eifel gedacht und wurden sie auch nicht verstanden. Etwa oberhalb der Burg Neuerburg, oder bei Ahrbrück. „Auf Wolfsgraben“ in der Ahreifel war eine der Hinrichtungsstätten des Hochgerichts. Die Gemarkung ist mit Bedacht gewählt. Ausweislich der Chronik des Dorfes Pützfeld, war hier ein „Hexentanzplatz“. Es ist der 17. Juli 1649 und das Kurfürstlich kölnische Hochgericht eröffnet die Anklage. Es geht um die ungefähr 50 Jahre alte Else Simons aus dem Flecken Pützfeld an der Ahr. Die Mutter von neun Kindern, von denen vier verstorben sind, kämpft unter der Folter um ihr Leben. Sie ist von 17 Mitbürgern der Hexerei beschuldigt worden. Im Verlies der Burg Are oberhalb von Altenahr wird sie mehrfach „peinlich befraget“, also gefoltert und verhört. Doch sie weigert sich, die Beschuldigungen zuzugeben. Und dann ist ihr Wille nach weiteren Daumendrehen, Rädern und Strecken doch gebrochen. Sie gesteht und wird zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Die Bevölkerung ist zur Anwesenheit verpflichtet. Das soll der Abschreckung dienen. Vor einigen Jahren hat eine Bürgerinitiative hier einen Gedenkstein errichten lassen und eine Informationstafel zu den historisch belegten Hintergründen. Das ist die dunkle Seite der magischen Eifel.

„Goloring“, Ferschweiler Plateau, Matronenheiligtümer und jetzt in die Vulkaneifel. Zum Arnulphusberg oder Arensberg bei Zilsdorf. Die zwei Ausbruchsphasen des Vulkans werden auf die Tertiärzeit vor 32 bis 24 Millionen Jahre datiert. Hier wurde eine Bronzestaute des treberisch-römischen Heil- und Quellgottes Lenus Mars gefunden. Man vermutet in der Umgebung des Kraters einen weiteren Umgangstempel. Heute geht es durch einen gesicherten Stollen direkt ins Herz des erloschen Vulkans. Stille, Ruhe, unwirklich ist die Atmosphäre im Kessel. Säulen erstarrten Basalts an einigen Wänden des Auswurftrichters.

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Das Gelände wurde über Jahrhunderte zum Gesteinsabbau benutzt. An der tiefsten Stelle des Kraters dann überraschend ein aus Gesteinsbrocken und Geröll gelegtes Kreislabyrinth, vor vielleicht 20 Jahren entstanden. Es wird immer mal wieder vergrößert. Und zwischen den Steinen stecken ab und zu kleine Zettel mit Wünschen. Oberhalb des Labyrinths auf einer Stufe im Krater legen Unbekannte Botschaften aus Geröllsteinen, etwa Liebesschwüre. Der Arnulphusberg ist der Sage nach Standort der heute verschwundenen Spiegelburg. Und Station auf der in der Szene bekannten GPS-Geocache-Route „Ring of Eifelfire“.

Die magische Eifel kann viele Facetten haben. Zum Beispiel die Variante eines Baumes, der am Wegesrand steht. Und es muss nicht die 350 Jahre alte „Siegeseiche“ am Goßberg bei Walsdorf sein. Am Rand des Bolsdorfer Tälchens bei Hillesheim wird seit ungefähr neun Jahren eine Astbeuge als Votivstelle genutzt, so die damalige Initiatorin Petra Burggraf aus Hillesheim.

Petra Burggraf

Ganz privat habe sie das gemacht. Und dann kamen Andere dazu: Mit einem kleinen Buddha, Muscheln, Ringen, Steinen. Der Baum scheint überladen. Mittlerweile ist er vermutlich auf Kinder als kleine Dedekanten übergegangen. Sie legen in „ihren Baum“ Spielzeug, kleine Schlüsselanhänger, Mini-Bücher. Manche nennen die Passage am Rand des Bolsdorfer Tälchens „Zauberwald“. Oder ist es doch nur die Trasse der Eisenbahn, umgeben von Bäumen?

Votivbaum am Wegesrand oberhalb des Bolsdorfer Tälchens bei Hillesheim.

 

Weitere Informationen:
Zum Thema gibt es eine Unmenge von Literatur.
Eine kleine Bibliographie findet sich auch in: Judith Mies & Kurt Derungs: Magische Eifel – Reise zu mythischen Orten

Erlebnisführungen zu „magischen“ Eifelorten zu Fuß und per Rad bietet unter anderem Arduinna Erlebnistouren aus Berndorf an. Näheres und Kontakt unter www.arduinna.de.

Sophie Lange aus Nettersheim forscht seit mehreren Jahrzehnten zu den Matronen in ihrer Umgebung, zu Geschichte und Kultur der Eifel und der Eifelfrauen. Infos unter: www.sophie-lange.de

Führungen im Goloring veranstaltet das Kuratorium für Heimatforschung & Pflege Kobern-Gondorf. Neben den offiziellen Terminen können auch weiter Begehungen vereinbart werden. Kontakt: Toni Dickers, Telefon: 02607 – 1651

mm
Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

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