Jürgen Krämer – Landwirt und Bauchredner

Von in Typen der Eifel
Anzeige

„Die Ideen kommen beim Melken“ – Jürgen Krämer aus Manderscheid ist Landwirt – und Bauchredner. „Ich bin ein verrückter Typ, so kennen mich die Leute“, gibt er zu. Mit dem Bauch redet er allerdings nicht – sondern mit „Horst“.

“Jürgen und Horst” auf der Bühne in Stadtkyll

“Jürgen und Horst” auf der Bühne in Stadtkyll

Friedlich stehen die 200 Milchkühe im Stall des Kapellenhofs bei Manderscheid. Als der Bauer kommt. Aus gequetschter hoher Stimme kommt ein „Nein, ich gehe nicht auf die Bühne, so, wie Du mich beim letzten Mal behandelt hast!“ Das liebe Vieh bleibt entspannt. Erst als Jürgen Krämer auf dem Hof der Eltern mit dem Futtersack raschelt, spitzen die Kühe die Ohren. Ganz normaler Alltag im Stall, Jürgen Krämer bei der Arbeit. Bis auf eins: „Ich bin gelernter Landwirt und Bauchredner“.
Der 32-Jährige grinst. „Das war gerade Horst, meine Handpuppe“. Mit ihr erklärt er seit fast vier Jahren einem immer größer werdenden Publikum, was das Leben auf einem Bauernhof in der Eifel ausmacht. „Wir halten Kühe und Feriengäste“, so beginnt einen Tag später auch bei der Kappensitzung der Karnevalsfreunde Stadtkyll dajöhh das 45-minütige Programm von „Jürgen und Horst“. Die bessere Bühnenhälfte schaut im Saal zu ihrem Spieler auf: Ein braunes „Wolfshörnchen“, eine „Mischung aus Eichhörnchen und Wolf“. Jürgen Krämer hat sie gerade aus der Alu-Tourneekiste auf der Bühne herausgeholt. „Horst“ spricht, was Krämer zuvor im Stall geprobt hat. Und ein beleidigtes „Wolfshörnchen“ ist nicht knuffig.
„Er ist ein schwieriger Charakter. Zwischen uns besteht eine Art Hassliebe“, so der Handpuppenspieler. Den „Vorfall“ vom letzten Mal klärt er nicht auf – stattdessen geht’s wie immer um das Leben des Landwirts: Von der künstlichen Besamung der Kühe, der Bullenauswahl bis zum Milchpreis, „der aber nur am Rande“, obwohl er in Krämers eigentlichem Leben eine Hauptrolle spielt. Nicht nur bei Besamungsfragen ist ihm das Gelächter des Publikums sicher. Wer das alles vor Ort erleben will – kein Problem. Bauchredner reden nicht mit dem Bauch. Die Zuschreibung ist eigentlich eine Vermutung aufgrund eines Defizits: Jürgen Krämer – als „Horst“ – bewegt die Lippen nicht, stattdessen klappt die Handpuppe das Maul auf und zu.
Natürlich kommen die Töne wie immer über Krämers Kehlkopf, doch er erzeugt sie bei nur leicht geöffnetem Mund mit dem Zungendruck gegen den Oberkiefer. Die Lippen bleiben regungslos. „Das ‚B‘ und das ‚P‘ sind schwierig“, erläutert der Bauchredner. Die beiden Konsonanten gehören zur Gruppe der Verschluss- oder auch Explosivlaute. Bei der Artikulation wird der Atemluftstrom blockiert, durch die sofort folgenden Freisetzung des gestauten Luftstroms entsteht eine kleine „Explosion“, die den Klang erzeugt.
Mal „Stimmhaft“ wie beim „B“, mal „stimmlos“ wie beim „P“. Man kann es ja mal nachmachen. Jürgen Krämer kam auf die Idee, als er ein Buch des aus dem Fernsehen bekannten späteren „Berufskollegen“ Sascha Grammel las. Und nachdem er eine auf der Kirmes gewonnene Handpuppe im Schrank entdeckte. Zwei Jahre habe er gebraucht, bis seine Sprechtechnik und das Handpuppenspiel so weit waren, „das ich damit halbwegs auf die Bühne konnte“.

Bauchredner nur im Nebenjob: „Ich bin Landwirt aus Überzeugung“: Jürgen Krämer auf dem Kapellenhof in Manderscheid.

Bauchredner nur im Nebenjob: „Ich bin Landwirt aus Überzeugung“: Jürgen Krämer auf dem Kapellenhof in Manderscheid.

In Manderscheid stand da 2012 gerade die Kappensitzung an. Krämer wagte die Premiere – und hatte auf Anhieb Erfolg. Das sprach sich rum, weitere Karnevalsvereine buchten ihn, er tritt mittlerweile auf Weihnachtsfeiern, Geburtstagen, Hochzeiten oder Firmenevents auf. An die 40 Termine können es im Jahr sein. Mit „Horst“, dem von einem professionellen Puppenbauer in Osnabrück gefertigten „Wolfshörnchen“, schaffte es der „bauchredende“ Landwirt aus der Eifel unter „mehreren hundert Bewerbern“ bis unter die letzten 16 der RTL-Show „Puppenstars. Für ihn „ein Riesenerfolg. Ich stehe ja erst am Anfang“.
Hat er nach knapp vier Jahren von dem launigen Stofftier auf seinem rechten Arm nicht genug? „Ich glaube, wenn ich Horst ersetzen würde, das würde er mir nie verzeihen.“ Meint Jürgen Krämer, setzt sich auf den Traktor des Kapellenhofs und fährt davon. Landwirt ist er „aus Überzeugung“. Für sein schräges Hobby hat er jetzt, oder beim Melken, „die Ruhe für die besten Ideen“.

TV-Beitrag in der Landesschau Rheinland-Pfalz Landwirt und Bauchredner: Vom Stall auf die Bühne

mm
Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

0 Kommentare

Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*