Johannes Kauth – Leisten und Leder

Von in Typen der Eifel
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Johannes Kauth aus Pelm ist Schuhmachermeister. Nicht im Supermarkt mit Schlüsseldienst in der Ecke sondern mit eigener kleiner Werkstatt. Damit ist er einer der Letzten seiner Art.

Johannes Kauth an der Ausputzmaschine

Seine Maschinen sind heute teilweise museumsreif – aber sie funktionieren noch einwandfrei. Schuhmachermeister Johannes Kauth an der Ausputzmaschine.

Es macht „Rrratsch“ und die Sohle sitzt. Dem eher zierlichen Mann an der Fußsohlenpresse hätte man die flinke, konzentrierte Bewegung gar nicht zugetraut. Doch wie oft hat Johannes Kauth, 82, aus dem Dorf Pelm bei Gerolstein schon in 57 Berufsjahren das Pedal seiner Frobana Fußsohlenpresse in der Werkstatt getreten? Ein prüfender Blick des Schuhmachers, der Mancherorts auch Schuster heißt – auf die Sohle, ein kontrollierendes Streichen mit der Hand– alles wie es sein soll.  Alles wie immer. Und wie oft hat er die Ausputzmaschine in Gang gesetzt, oder die aus den 1960er Jahren stammende unverwüstliche Adler 30-70 Nähmaschine bedient? Er weiß es nicht, er sieht sich kurz suchend um.

„Da ist meine Kneif, das Schuhmachermesser. Die habe ich schon seit meiner Lehrzeit.“ Die Kneif, das buchstäbliche Handwerkszeug, ist eben bei aller maschinellen Unterstützung in seiner kleinen Werkstatt immer noch was Besonderes. Er hat das Messer seit den 1950er Jahren. Die Stahlklinge ist über die Jahrzehnte zur Hälfte verbraucht. Er wird sie mehrere tausend Male genutzt haben. Und mehrere hundert Mal auf das Zugpedal der Sohlenpresse getreten haben.

Des Schuhmachers Maschinen sind teilweise museumsreif – aber dieses werktäglich wie immer von 9 bis 12 Uhr geöffnete Technik- und Handwerksmuseum ist noch komplett funktionsfähig. Die kleine Werkstatt im Elternhaus an der Gerolsteiner Straße 1 in Pelm ist der „einzige Raum, der nie renoviert wurde“, stellt der Meister fest.  Sein Vater hatte hier 1923 den Handwerksbetrieb gegründet, und einiges im Raum im hinteren Teil des Wohnhauses ist so zugleich eine Zeitreise. Johannes und Helga Kauth führten auch das einstige Verkaufsgeschäft im Vorderhaus bis 1999 weiter. Dann wurden die großen Fenster zur Straße hin gegen kleinere ausgetauscht, die alten Regale ausgeräumt. Heute ist hier Kauths Wohnzimmer.

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Seitdem macht Kauth, seit 2012 verwitwet, die beiden Kinder haben sich für andere Berufe entschieden, deshalb noch weiter, weil der Beruf für ihn zum Hobby geworden ist. „Nein, ich will den Betrieb eher zurückfahren! Machen Sie ja nicht so viel Werbung!“, mahnt er mit skeptischem Blick. Einerseits. Andererseits würden es ihm die 70 Prozent Stammkunden krumm nehmen, wenn er einfach so endgültig aufs Altenteil gehen würde. Die allermeisten geben bei ihm ja nicht nur Schuhe ab, deren Absätze oder Sohlen neu gemacht werden müssen, sondern nutzen den Besuch in der Werkstatt zum kleinen Schwätzchen. Dagegen hat der Meister natürlich nichts. Und er ist ja auch einer der letzten seiner Art in der Region.

Leisten Größe 50

Schuhgröße 50: Johannes Kauth mit dem derzeit größten Leisten, den er in seiner Werkstatt vorrätig hat.

„Noch bis in die 1980er Jahre gab es in der Region eine ganze Reihe  Schuster“, so Kauth. Das weiß er, weil er neben der Arbeit in der Werkstatt zwischen 1970 und 1994 als Vertreter eines großen Schuhmacherzulieferers in ganz Rheinland-Pfalz und auch im Kreis Euskirchen im Nachbarbundesland Nordrhein-Westfalen unterwegs war. Schon damals spürte auch Kauth die wachsende Konkurrenz der großen Schuhdiscounter, spätestens seit den 1990er Jahren hatte sich die Billigkonkurrenz durchgesetzt. Neue Schuhe in Handarbeit vom eigenen Leisten, wie sie auch der Pelmer Schuhmachermeister angeboten hatte, waren praktisch nicht mehr gefragt.

Schuhgröße 50: Johannes Kauth zeigt auf den derzeit größten Leisten, den er in seiner Werkstatt vorrätig hat. Ab und an kommt ja doch noch Jemand bei ihm vorbei und packt den Meister an der Schuhmacherehre, wo es sonst nur noch ans Reparieren geht. Dann wird der Kundenfuß vermessen, eine Leiste aus Holz hergestellt – sozusagen der analoge Feet-Print für alle Zeit bei ausgewachsenen Kunden. Egal ob für den Pantoffel oder den Stiefel.

Doch auch wenn es nur ums Flicken geht – Qualität ist Kauth immer alles. Auch Christine Runge aus dem knapp sieben Kilometer entfernten Hillesheim ist ihm deshalb aus gutem Grund schon lange treu. Kauths Kunden kommen sogar zum Teil aus Köln. „Er weiß die alten Schätzchen eben noch zu würdigen. Einen Lieblingsschuh, der 20 Jahre alt ist, den kann ich zu ihm bringen, ohne dass er die Augen verdreht.“ Und es gibt noch etwas anderes, das ihr besonders gut gefällt:  „Es duftet noch genauso bei ihm in der Werkstatt, wie ich es aus meiner Kindheit vom Besuch beim Schuster kenne.“

Kauth, der so viel Aufmerksamkeit gegenüber den Objekten über anderer Leute Füße hat, kritisiert da grundsätzlich nur Eines. Mit Blick auf sein Alter und dem typischen trockenen-sarkastischen Humor, den viele Eifler haben, will er die Gelegenheit zum Appell nutzen: „Mit dem Wiederkommen nach dem Bringen lassen sich Manche doch arg Zeit. Und wer weiß, wie lange man die Schuhe noch abholen kann?“

Weitere Schuhmachermeister wie Johannes Kauth in Pelm in der Eifel und Umgebung – Feedbacks von Usern auf unserer Facebook-Seite:

Schuhmachermeister Rainer Mayer, Hillstraße 9, 54595 Prüm,
Tel: 06551-70213, Web: schuhmacher-mayer.de

Alfred Schmitz, Trierer Straße 84, 53949 Dahlem,
Tel.: 02447-3 88

Schwägerl Rainer Orthopädie Schuhtechnik, Teichstr. 25, 52372 Kreuzau,
Tel.: 02422- 504094

Votre Cordonnier Thiry Sàrl, 23-25 Route de Luxembourg L-4761 Pétange (Péiteng),
Tel.: +352-502272

In Köln gibt es mehrere Schuhmachermeister:
Zum Beispiel die Schuhmacherei Jürgen Fenske, Köln-Riehl

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Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

1 Kommentar

  1. Evelyn 1 Jahr vor

    Ja lieber Johannes. Das ist ein wirklich schöner Artikel. Da kannst Du echt stolz drauf sein. Ich bin es auch. Schade das wir Dich nichr für immer haben. Aber ich freue mich immer Dich zu sehen. Liebe Grüße.

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