In die ewige Stadt

Von in Coole Orte
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Manchmal glaubt man bestimmte Dinge nicht. Die Eifel war ein eiszeitliches Meer (ja), hier gibt es Wölfe (derzeit aber nur im Gehege) – und Rom. Auch richtig? Wir haben die unbekannte „ewige Stadt“ gesucht. Der Sportplatz lag aber näher.

Eine buckelige Kreisstraße durch den Wald hinauf, eine Rechtskurve, dann endlich: Alle Wege führen nach Rom.

„Dir sei vergeben!“ So soll es gewesen sein. Als der mit dem Büßerkreuz beladene Pilger sich mühsam auf die Anhöhe in 585 Metern Höhe geschleppt hatte. Und da der Jesusknabe an der Hand der Muttergottes auf Spaziergang aus der Pfarrkirche im einen Kilometer entfernten Salm. Da habe der Gottessohn dem reuigen Sünder – er hatte einen Mann erschlagen – auf seinem Bußgang den Rest des Weges erlassen. Der ließ sich am Platze nieder, baute eine Hütte und nannte die Stelle des wundersamen Erlebnisses: Rom. Das war sein Ziel.

Am Ortsrand von Rom bieten Jana und Lia Niederprüm „Therapeutisches Reiten“ und eine mobile Hundeschule an.

Wie der legendäre Büßer war auch Heidi Back noch nie in Rom. Doch sie ist „Römerin“. Seit 44 Jahren. Neu-Römerin. Rom  (Eifel) hat nicht 2,8 Millionen sondern 14 Einwohner. Die zählt  Heidi Back schnell aus dem Kopf durch. „Von den Römern war noch keiner in Rom“, da ist sie sich sicher. Und das Angebot einer Städtepartnerschaft von denen unterhalb des Salmbaches an die am Tiber sei bislang nicht in Betracht gezogen worden. Anreise hin und her? Einen Flugplatz hat Rom leider nicht. AS oder Lazio Rom? Leider nicht verfügbar. Und Francesco Totti spielt ja auch nicht mehr bei AS Rom. Sagen wir es rund heraus: Der Altersdurchschnitt der Römer liegt bei Mitte 40, eine „Erste“ kriegt man mittelfristig leider überhaupt nicht mehr zusammen.

Der Hof von Bauer Back wurde 1965 am Rande Roms gegründet. Daneben stehen gerade eine Handvoll Häuser. Es gab ein gutes Dutzend, doch knapp die Hälfte wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört: „Die Alliierten vermuteten hier eine Abhörstation der Wehrmacht“, so Heidi Back. So ist Rom heute noch einmal um einiges kleiner als es schon immer war.

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Rom, früher auch „Romerhof“ genannt, ist vermutlich dann doch auf ein ehemaliges Försterhaus der Abtei Prüm zurückzuführen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde es 1313 unter dem Namen „Royme“. Hartard, Herr zu Schönecken, hatte damals seinem Burgmann Ludwig von Tholey gestattet, das verpfändete Dorf von dem Ritter Reinhard von Studernheim einzulösen. Die Zugehörigkeit Roms wechselte mehrfach im Laufe der folgenden Jahrhunderte. Der oberhalb entspringende Salmbach wurde als Grenze gezogen: Drüben der damals noch so genannte Landkreis Daun, hüben der Altkreis Prüm. Bis zur Gebietsreform Mitte der 1970er Jahre. Heute ist Rom im Landkreis Vulkaneifel und gehört zur Gemeinde Birresborn. Von dort aus führen nicht alle Wege, aber etwa eine buckelige enge Kreisstraße durch den Wald hinauf. 1936 wurde Rom ans Stromnetz angeschlossen, 1959 gab es erstmals eine Wasserleitung. Bis dahin nutzten die Römer einen Brunnen oberhalb im Wald.

Der Sportplatz ist näher! Verkehrsschild in Birresborn.

„Rom sehen – und sterben!“ Das bekommt hier, wo im Winter Meter hoher Schnee liegen kann, eine ganz neue Bedeutung. „Vor vielen Jahren hab ich mal ne Kiste Bier gewonnen weil ich behauptet hab‘, dass ich in 20 Minuten nach Rom fahre“, erinnert sich Facebook-User Josef Paul. Ach – Rom. „Wir hatten eine Frau, die wollte zu uns zur Sattelprobe kommen. Das wäre aber kompliziert, den Sattel erst ins Flugzeug zu verladen, meine sie“, lacht Lia Niederprüm. Zusammen mit ihrer Schwester Jana betreibt sie seit Februar 2017 ein Angebot für „Therapeutisches Reiten“ und die Hundeschule „Ready To Run“. Die „Rising Sun Ranch“ ist unmittelbar am ältesten noch erhaltenen Gebäude von Rom. Nein, sie müsse ja nicht erst nach Italien, sondern nur in die Eifel kommen, an den Ortsrand von Rom, habe sie der Kundin gesagt, so Lia Niederprüm.

„Wollen Sie Weidemilch aus Rom?“ Heidi Back eilt in den Stall des Bauernhofes. 80 Stück Vieh, davon 44 Milchkühe. Man liefert an die Großmolkerei ARLA in Pronsfeld. „Weidemilch aus Rom“ DIE Idee für Selbstvermarktung? Geschenkt. Die Selbstironie der Römer – oder war es doch ihr legendärer Stolz? „In Rom soll mal Einer gewohnt haben, der hieß Papst“, ruft die Römerin noch hinterher. Das glaubt man ihr sofort.

Römerinnen, die noch nie in Rom waren obwohl sie hier leben: Heidi Back (links) und ihre Tochter Silvia Back-Süßenberger.

 

mm
Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

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