Fredy Lange – beliebtes Original und geschätzter Fotokünstler

Von in Artikel, Typen der Eifel
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Fotograf, Dichter, Musiker und liebenswerter Mensch: Von Fredy Lange ist uns eine Menge Lesens- und Berichtenswertes überliefert. Köstliche Geschichten aus der Lebenspraxis, viel von Fantasie und Mut, große berufliche Kompetenz und ein in die Eifel verliebter Heimatmensch. Ihm verdanken die Freunde der lokalen Historie und Eifelforscher eine Fülle von Fotos, die die Schönheit der Vulkaneifel in einem besonders hohen Maße widerspiegeln.

Der Gerolsteiner Berufsfotograf hinterließ der Nachwelt eine Fülle einzigartiger Fotos. (Foto: Fredy Lange, Archiv Joachim Schröder)

Heinz Schmitz aus Gerolstein hat in seinem Werk „Damals in der Eifel“ (Helios Aachen, 1998) die Charakteristik und Schaffenskraft dieser hoch geachteten Persönlichkeit wie folgt wiedergegeben: „Unermüdlich im Angehen des Motivs, hingebungsvolles Einfühlen, Ausdauer im Erfassen des rechten Augenblicks und meisterliche Beherrschung des fotografischen Handwerks verleihen seinen Aufnahmen eine unverwechselbare Handschrift. Trotz aller Talente und Erfolge blieb er immer ein bescheidener Mensch“.

In der Tat: Fredy Lange war ein Meister seines Faches. Unzählige Aufnahmen von Gerolstein, dem Kylltal, der engeren Vulkaneifelheimat, der Stadt Prüm, der Dörfer Schönecken, Neroth oder Kerpen – um nur einige Beispiele zu nennen – zeugen von der hohen Schaffenskunst des Meisters. Doch nicht nur das fotografische Handwerk beherrschte Lange, es war vor allem sein „Auge“, das ihn auf den richtigen Pfad leitete. Ausdauer und Geduld prägten sein Schaffen, verbunden mit der Gabe, alles ins rechte Licht zu rücken, ja „in Szene zu setzen“. Somit werden viele seiner Bilder zu Werken, die man „lesen“ muss. Seine Kraft und sein Mut zu inszenieren machen aus den Bildern Kunstobjekte. Nicht dass man darüber streiten müsste, ob sie mal weniger gut, mal besser oder besonders gut gelungen sind, nein – es sind Eindrücke, die Besonderes ausdrücken. Interpretationen sind bei der Betrachtung weniger hilfreich, vielleicht sollte sich der Betrachter einfach auf die Aussagekraft der Bilder einlassen.

Die Brücke von Birresborn in der Vulkaneifel. (Foto: Fredy Lange, Archiv Joachim Schröder)

Beste Beispiele solcher Impressionen sind eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen, menschliche Antlitze, Tiere auf der Weide, das bäuerliche Leben und Schaffen oder stille Augenblicke. Exemplarisch hierfür: die Kuhherde auf der Birresborner Brücke, die kletternden Ziegen an der Kasselburg oder die einsame Büschkapelle im winterlichen Gerolsteiner Wald – alle Motive sind klug gewählt und prächtig in einen harmonischen Zusammenhang gestellt. So werden aus Fotos kleine „Gemälde“, freilich oft ohne Farbtöne. Denn die meisten Lange-Werke sind in schlichtem Schwarz-Weiß gehalten, gestalterisch auf das Wesentliche beschränkt, schnörkellos und ohne Beiwerk.

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Fredy Lange war ein Meister des Fotografierens. Gelernt hat er seinen Beruf beim Fotografen Boeren in Pelm. Als 12-jähriger Junge bekam Fredy eine Plattenkamera, die er zunächst für seine ersten Tier- und Landschaftsaufnahmen mit sich trug. Er ließ kaum eine Gelegenheit aus, diese Ausrüstung mit sich herumzuschleppen. Er hätte eine wichtige oder witzige Szene verpassen können! Vorwitz, Fantasie und Interesse an seiner geliebten Heimat waren die Motivation für seine Fotografentätigkeit. Und in Gerolstein und Umgebung gab es eine Menge zu entdecken!

Geboren wurde Fredy Lange im Jahre 1903 in Köln-Kalk, kurze Zeit später zog die Familie in die Vulkaneifel, wo der Vater das „Hotel zur Post“ in Gerolstein übernahm. Seine Jugend verbrachte Fredy an der Kasselburg bei Gerolstein, wo Vater Franz Lange im Jahre 1908 die „Forsthaus-Restauration“ übernommen hatte. „Von den Burgen in der Eifel ist die schönste sie – ohne Zweifel“ heißt es von Fredy Lange. Stolz warb der Vater bereits in den 1920er Jahren für seinen Sohn: „Gelegenheit zu photographischen Aufnahmen durch einen Berufsphotographen“. Später warb Fredy einfallsreich: „Gehen Sie ohne Bange zu Photo Fredy Lange“ oder „Schöne Erinnerungen – von Ihnen photographiert, von uns und entwickelt und kopiert“. Bis zur Burg Eltz hat es ihn wohl nie verschlagen, sonst wäre dieser bevorzugte Eindruck von der Kasselburg wohl nicht entstanden. Aber dennoch: Die Höhenlage dieses Burg-Ensembles ist faszinierend, der Blick nach Pelm hinunter gewiss ein einzig berauschendes Erlebnis für alle Sinne.

Das Restaurant Forsthaus Kastelburg gibt es noch heute. (Foto: Joachim Schröder)

Fredy besuchte die Volksschule in Pelm. Es wird berichtet, dass der Schulbub hin und wieder mit einem Esel den Weg von der Burg in das Dorf hinabritt. Das Tier wurde dann an einem Pfahl auf dem Schulhof angebunden und von den Schulkindern liebevoll gehätschelt. Mittags erfolgte dann der Ritt zurück auf den Burgberg. Wintertags bediente sich der schlaue Fredy eines anderen Hilfsmittels: Dann sauste der Schuljunge mit dem Schlitten den Weg hinab über die kurvige, noch unfertige Landstraße oder suchte nach Abkürzungen. Das allerdings wurde ihm einmal zum Verhängnis. Bei einem schweren Sturz zog er sich eine Schenkelfraktur zu, so dass ihm ein Leben lang das Gehen zu schaffen machte.

Fredy Lange war ein äußerst beliebter Zeitgenosse, nicht zuletzt, weil er immer sprachgewandt und humorvoll auftrat. „Auf jedes Töpfchen hatte er ein Deckelchen“, weiß ein väterlicher Freund von ihm zu berichten. Sprachbegabung und Fabulierlust bezeugen auch kleine Heimatlieder, die er dichtete, Sprüche, die er öffentlich „klopfte“ und Reime, die er nebenbei schmiedete. Seine Dichtergabe hatte er von seinem Vater, der auch bereits die berühmte Kasselburg in vielen Strophen besang. Neben Kapelle, Burgbrunnen und Turmaussicht tat das der Vater nicht ohne Eigenwerbung: „Knurrt dir der Magen, geh zum Forsthaus ohne Zagen…“, ließ „Lange-Senior“ verlauten.

Weinfelder Maar im Jahr 1963. (Foto: Fredy Lange, Archiv Joachim Schröder)

Auch das Musizieren war Fredy in die Wiege gelegt. Im Kaiserhof in der Stadt Gerolstein gab er zusammen mit einigen Musikerkumpels Kostproben seines Klavierspiels. Dabei hatte er eine besondere Vorliebe für die Improvisation. Oftmals überraschte er so eine illustre Gesellschaft, einheimische Lokalpolitiker, Jagdfreunde und Fischer mit seinem virtuosen Spiel am Flügel oder mit dem Akkordeon.

Weniger schön waren die Kriegsereignisse, die den lebensfrohen Mann stark erschütterten. Nach der Einberufung erfolgten Kriegsdienst und Gefangenschaft, nach der Heimkehr in seine geliebte Heimat fand er sein Fotogeschäft nur noch als Trümmerhaufen vor. Doch Lange schuf den Neuanfang, eröffnete einen neuen Fotoladen und fand wieder zu alter Fotografierleidenschaft zurück. Es entstanden Landschaftsaufnahmen, Portraits, Stillleben und Objektbilder.

Über 25.000 Aufnahmen hat Fredy Lange der Nachwelt hinterlassen. Leider ging von der riesigen Postkartensammlung und den vielen tausend Negativen ein Teil bei seinem Umzug und in den Kriegswirren verloren. Doch zahllose Kostbarkeiten, Schätze und eindrucksvolle Dokumentationen jener Zeit zwischen 1930 und 1980 sind uns erhalten geblieben.

Lange starb 1989 in Gerolstein und ist auf dem Waldfriedhof bestattet. Fredy Langes Werk bleibt unvergessen. In Tausenden von Familien in der Heimat und weit hinaus in alle Welt befinden sich Postkarten des berühmten Fotografen. Gut zu wissen, dass alle Bilder heute „gesichert“ lagern und Interessierte Zugang finden. Dazu gehört auch der Schreiber dieser Zeilen.

Mehr zum Werk von Fredy Lange gibt es hier.

mm
Joachim Schröder aus Pronsfeld im Eifelkreis Bitburg-Prüm ist Brauchtumsforscher und hat bisher 19 Bücher über seine Heimat veröffentlicht: „Ich bin ein Kind der Eifel. Ich lebe und liebe die Eifel, weil es diese Landschaft tatsächlich kein zweites Mal gibt.“

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