Es gibt ihn tatsächlich – den Nikolaus! Zumindest in der Eifel…

Von in Eifeltypisch
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Einer der bekanntesten Heiligenfiguren der Kirche ist wohl der heilige Nikolaus. An seinem Gedenktag, dem 6. Dezember, wird er im gesamten Christentum mit zahlreichen Bräuchen verehrt. Nur wenige kennen aber die Herkunft und die tatsächliche Geschichte des großzügigen Bischofs von Myra – und noch weniger kennen den echten Eifel-Nikolaus von Gerolstein…

Der Eifel-Nikolaus von Gerolstein

Schon Ende November beginnt für den Eifel-Nikolaus die Saison. Viele Termine in Kindergärten, Schulen, Seniorenheimen und Vereinen sind zu organisieren. Seit 41 Jahren ist der Nikolaus aus Gerolstein im Einsatz und hat in dieser Zeit zahlreiche schöne und amüsante Geschichten erlebt. Seine große Erfahrung in der Figur als Nikolaus hilft ihm auch in unerwarteten Momenten, wenn er beispielsweise ohne sein aufwändig, selbst genähtes Kostüm unterwegs ist und von seinen Bewunderern angesprochen wird. Ein lustiger Spruch oder ein kleines Ablenkungsmanöver löst die kurze Irritation auf und bewahrt den wunderbaren Zauber um die Figur des Eifel-Nikolaus.

„Von drauß vom Walde komm ich her. Ich muss Euch sagen es weihnachtet sehr!“ Unterstützt wird der Eifel-Nikolaus von Knecht Ruprecht und seinem treuen Engelchen. Manchmal fürchten sich die Kinder zuerst vor dem düsteren Gesellen, doch auch diese Situationen hat der Nikolaus schnell im Griff. Er erzählt die Geschichte, wie er den Knecht Ruprecht kennen gelernt hat, als er selbst seine Gaben aus dem Nikolaussack verloren hatte. Ruprecht half dem Nikolaus, indem er alles aufsammelte – und wer hilft, kann doch nicht böse sein!

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Das Engelchen trägt das große Buch, aus dem der Nikolaus stets drei schlimme und drei gute Dinge zu berichten weiß. Manchmal fällt auch wie durch Zufall ein Brief, Gedicht oder ein gemaltes Bild, welches die anwesenden Kinder zuvor an den Nikolaus geschickt haben, aus dem Buch heraus.

Der Lohn für die guten Taten des Eifel-Nikolaus sind die strahlenden Augen der Kinder oder der Beschenkten und das was ein jeder bereit ist, ihm mitzugeben. Früher gab es sogar gemeinsame Gottesdienste mit dem Nikolaus oder Nikolaus-Schulungen, um die Tradition des wohltätigen und großherzigen Bischofs weiterzugeben.

Die Geschichte des heiligen Nikolaus

Um 280 nach Christus wurde Nikolaus in Patara, einem kleinen Ort in Lykien in der heutigen Türkei, als Sohn wohlhabender Eltern geboren. Der Reichtum bedeutet ihm wenig, früh zog es den bescheidenen Knaben zur Kirche hin. Mit sehr jungen 19 Jahren weihte ihn sein Onkel zum Bischof. Nun übernahm Nikolaus als Abt das nahe gelegene Kloster Sion in den Bergen. Doch schon bald begann erneut die Christenverfolgung des römischen Reiches unter den Kaisern Diokletian und Galerius. Nikolaus wurde gefangen genommen und gefoltert. Doch selbst in dieser misslichen Lage blieb der Bischof barmherzig und verteilte sein geerbtes Vermögen großzügig unter den Armen. Später wirkte Nikolaus als Bischof von Myra, bevor er dort am 6. Dezember verstarb. Sein Todesjahr ist nicht genau bekannt, doch seine Verehrung ist bis heute mit zahlreichen Bräuchen überliefert.

Der echte Eifel-Nikolaus. (Foto: Achim Hell).

Die Herkunft der Nikolausbräuche

Um das Leben des Nikolaus von Myra ranken sich zahlreiche Legenden und Berichte von Wundertaten, die bekannteste ist die Mitgiftspende oder die drei Goldklumpen. Einer Sage nach warf der junge Nikolaus in drei aufeinander folgenden Nächten je einen großen Goldklumpen durch das Fenster eines Zimmers. Hier lebten drei Mädchen, die ihr verarmter Vater aufgrund mangelnder Mitgift zu Prostituierten machen wollte. Die Gaben des Bischofs bewahrten die Mädchen vor diesem Schicksal.

Der heilige Nikolaus ist seit dem 10./11. Jahrhundert auch als Schutzpatron der Kinder bekannt. In den früher sehr streng geführten Schulen durften die Kinder am Festtag des Heiligen die Führung übernehmen. Dazu gehörten die Wahl eines Kinderbischofs und die Bestimmung von zwei Gehilfen. Die Ausgewählten lobten und beschenkten einige besonders fleißige und brave Schüler mit Äpfel, Nüssen und süßem Gebäck, die fauleren Mitschüler erhielten dagegen Tadel und spürten nicht selten auch die Rute.

Nikolaus und Christkind

Durch die Vermischung der unterschiedlichen Bräuche um den heiligen Nikolaus, vom segnenden Menschfreund zum strafenden Kritiker der Taten des Jahres wurde der Bischof von vielen Kindern zunächst mit großer Ehrfurcht erwartet. Bald bekam der Nikolaus einen Begleiter – je nach Region war der wilde Geselle als Knecht Ruprecht, Hans Muff oder Krampus bekannt – zugesprochen, der die Strafen austeilte und den Nikolaus wieder zum durchweg guten und freundlichen Gabenbringer werden ließ.

Obwohl mit der Reformation die Nikolausverehrung ab dem 16. Jahrhundert zurückging, ließ sich das Gabenfest nicht mehr verdrängen. Während man in katholischen Regionen weiterhin den Brauch um den heiligen Bischof schätze, setzte sich in protestantischen Gegenden das Christkind mit Geschenken zum Weihnachtsfest vermehrt durch.

Vom Nikolaus großzügig gefüllte Stiefel. (Foto: fotolia).

Neben Prozessionen zu Ehren des Heiligen sind Nikolausbesuche in den Familien am weitesten verbreitet. Heute bekommen meist die Kinder kleine Geschenke, Gebäck und Süßigkeiten in der Nacht zum 6. Dezember vom Nikolaus. Heimlich bringt der Nikolaus seine Gaben vor die Tür, manchmal verteilt er auch Schokolade in bereitgelegte Schuhe und frisch geputzte Stiefel, Strümpfe und Teller.

Sinterklaas in den Niederlanden

Eine besondere Form des Brauches um den heiligen Nikolaus wird in den Niederlanden praktiziert. Hier kommt Sinterklaas in vollem Ornat, mit Bischofsrobe, Stab und Mitra Mitte Dezember mit seinem Schiff aus Spanien in Amsterdam an. Schiffssirenen, Trompetenklänge und tausende Kinder begrüßen sein großes Gefolge aus Märchenfiguren und sagenhaften Wesen. Zum Dank besucht Sinterklaas am 4. Dezember die Kinder in ihren Familien und wird dort mit Glühwein, Apfelkuchen und Gebäck bewirtet. In der Zwischenzeit aber – von seiner Ankunft bis zum eigentlichen Nikolaustag – beschert er den Kindern – durch den Kamin – jede Nacht kleine Geschenke und Süßigkeiten.

Der echte Eifel-Nikolaus

Wer ganz viel Glück hat oder sehr brav gewesen ist, bekommt vielleicht noch einen der wenigen freien Termine beim echten Eifel-Nikolaus, der übrigens und um den 24. Dezember auch als Weihnachtsmann unterwegs ist…

mm
Vor den Toren meiner rheinischen Heimatstadt liegt die Eifel. Die nahe Mittelgebirgsregion ist häufig Ausflugsziel und Zufluchtsort zugleich. Vielfältige landschaftliche und kulturelle Reize begeistern mich ebenso wie die lebendige Geschichte und die regionalen Spezialitäten. Bei Wanderungen in der abwechslungsreichen Natur sammle ich als Stadtmensch kreative Energie für neue Projekte.

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