Erster Eifel-Thriller von Salome Sigel: Alle Rauhnacht wieder

Von in Coole Orte, Eifeltypisch
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Ein Dorf in der Eifel, eine Vergangenheit voller Geheimnisse. Ein namenloses Grauen lauert seit Jahrhunderten auf seine Wiederkehr. Er wartet auf dich, er wird dich holen! Alle Rauhnacht wieder

„Dunkelheit, diese schreckliche erbarmungslose Dunkelheit. Kälte, die durch mein Kleid in meine Knochen kriecht, rauer Stein in meinem Rücken und klamme Feuchtigkeit in meinen Kleidern. Die rauen Fesseln um meine Handgelenke haben sich längst in mein Fleisch gescheuert.“ Wer die ersten Zeilen des Eifelthrillers von Salome Sigel liest, weiß sofort, dass es auf den folgenden 272 Seiten nicht gerade zimperlich zugehen wird.

Verdammte Eifel

Gottesfurcht und Kirchenwahn im Mittelalter. (Foto: fotolia)

„Verdammte Eifel“, schrie Mina und schlug auf das Lenkrad ein, während sie darauf wartete, dass sich ihr rasender Herzschlag wieder beruhigte. Sie hatte nicht hierher zurückkehren wollen, nicht in dieses Dorf, nicht in ihre Vergangenheit.“ Mina ist eine von vier Frauen, die in den einzelnen Erzählsträngen von „Alle Rauhnacht wieder“ ihre Geschichten aus verschiedenen Jahrhunderten schildern. All diese Frauen haben etwas erlebt, dass die Welt um sie herum nicht wahrhaben will. So auch Mina, die zwischen Weihnachten und Neujahr gezwungener Maßen in ihr Heimatdorf in der Eifel zurückkehrt. In Kummersdorf, einem fiktiven Eifelort mit realer Vorlage, muss die eigenwillig-einsame Eiflerin nach dem Tod ihrer Großmutter deren Nachlass und das eigen Leben sortieren. Und schon ist der Leser mittendrin in einem Netz aus mürrischen Charakteren der alten Eifeler, mystischen Schauplätzen, geheimnisvollen Zwischenwelten und der schauderhaften Sicht auf die eigene Vergangenheit Minas. Das starsinnige Schweigen ihrer Großmutter und der Wahnsinn der eigenen, lange vermissten Mutter scheint sie einzuholen. Gerade in diesem verschrobenen, verschlafen wirkenden Schauplatz Kummersdorf laufen die Fäden aus Hexenjagd und dem Glauben an Werwölfe, plötzlichen Leichenfunden, einer unbekannten Toten und Geschichten von weiteren ermordeten Frauen zusammen.

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Magische Eifel

Die Eifel ist seit jeher ein magischer Ort, voller alter Legenden, Mythen und Geheimnisse. Und Orte haben ein Gedächtnis: in der Abgeschiedenheit der Eifel blieb der mittelalterliche Aberglauben mit mystischem Unheilsgedanken, Kirchenwahn und Hexenverfolgung lange bestehen. Die alten Sagen und Legenden, Mythen und Geheimnisse um die Rauhnächte werden heute in der Eifel immer seltener erzählt und gehen weitestgehend verloren. Viel zu lange leben die Menschen schon in der neuen Zeit. Doch wer weiß schon, wann die alten Mächte wieder aufleben…?

 

Rauhnächte

Die Eifel, magisch und geheimnisvoll. (Foto: fotolia)

Vom 25. Dezember bis zum 6. Januar erstreckt sich die Rahmenhandlung des Buches. Die zwölf rauen Nächte zwischen Heiligabend und dem Dreikönigsfest sind zwölf Nächte außerhalb der Zeit, zwölf Nächte, in denen die Vergangenheit zum Leben erwacht… Zwischen den Jahren, so sagt man, ist die Grenze zwischen der Welt der Geister und der Menschen besonders dünn. Diese Zeit zwischen den Jahren entstand durch das mittelalterliche Verständnis vom Ende des Kirchenjahres am Heiligabend und den Beginn des neuen Jahrs am Dreikönigstag. Bis zur Einführung der Kalenderreform unter Papst Gregor XIII. gegen Ende des 16. Jahrhunderts waren vielerorts noch unterschiedliche Kalender im Umlauf. Ein Mondjahr dauerte demnach 354 Tage, während das Sonnenjahr aber 365 Tage zählte – dazwischen liegen zwölf Tage und Nächte, denen viel Spielraum für Aberglauben und Mystik innewohnt. Die Sagen und Legenden um diese zwölf Nächte blieben für lange Zeit noch bestehen.

Unheimliche Eifel

So auch im Buch von Salome Sigel. „Ein namenloses Unheil lauert seit Jahrhunderten im Wald hinter dem Dorf und scheint nur darauf zu warten, erneut zuzuschlagen.“ In jeder einzelne Rauhnacht schildert ein Unbekannter seine Gier nach neuen Frauenopfern und seine Gelüste bei den Mordtaten. „Es gefällt mir nicht, dieses Tier in mir, und gleichzeitig fasziniert es mich, so machtvoll, so stark ist es. Die Menschen, sie fürchten ihren Gott und ihre Herrscher, sie bleiben Schafe, dabei ist es doch nur die Entscheidung, nicht länger Schaf zu sein, sondern Wolf zu werden, durch die Wälder zu streifen, wild und gefährlich, auf der Suche nach Beute.“

Die Autorin schreibt als Sarah Rubal, ihrem eigentlichen Namen, Kinderbücher und historische Romane. Unter dem Pseudonym Salome Sigel entdeckt sie nun ein neues, düsteres Genre für sich. Für die Recherchen ihres Thrillers ist die gebürtige Kölnerin tief in die Geschichte und den Legendenschatz der Eifel eingetaucht. Die Verbindung von Geheimnisvollem mit aktuelleren Themen, historische Fakten der Hexenverfolgung und der Ansatz zur Aufarbeitung des Schicksals der Jenischen machen die besondere Spannung dieses Buches aus. Beeinflusst von starken Frauenfiguren sind die Protagonistinnen in ihrem Eifelthriller nicht immer in der sonst oft vorherrschenden Opferrolle. Mina, die Hauptfigur in „Alle Rauhnacht wieder“, ist eine starke, junge Frau, die der Eifel bewusst den Rücken zukehrte und erst im Verlauf des Buches ihre Herkunft schätzen lernt. „Alle Rauhnacht wieder“ ist der erste Band einer Eifelthriller-Reihe von Salome Sigel, die schon im Frühjahr 2018 mit „Alle Wasser so trüb“ fortgesetzt wird.

Salome Sigel, Alle Rauhnacht wieder, als Taschenbuch erhältlich, 283 Seiten, erschienen im Selbstverlag, ISBN 978-1973215608, 9,99 Euro.

 

mm
Vor den Toren meiner rheinischen Heimatstadt liegt die Eifel. Die nahe Mittelgebirgsregion ist häufig Ausflugsziel und Zufluchtsort zugleich. Vielfältige landschaftliche und kulturelle Reize begeistern mich ebenso wie die lebendige Geschichte und die regionalen Spezialitäten. Bei Wanderungen in der abwechslungsreichen Natur sammle ich als Stadtmensch kreative Energie für neue Projekte.

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