Einkochen wie zu Omas Zeiten

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Jetzt läuft die Saison langsam auf Hochtouren. Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten einkochen – das wird immer beliebter. Da sind wir mal zu Christel aus Kliding gefahren – Profi wenn es ums „Einwecken“ geht – seit 44 Jahren.

„Versuchen Sie mal Sauerkirschen mit Ananas!“ Christel Heinz, 67, die seit Ende Mai  und im Wesentlichen bis in den Oktober einkocht oder einlegt, was ihr wunderschöner Nutzgarten neben den urgemütlichen Zier-Grünwiesen zwischen Obstbäumen im Jahresverlauf zur Reife bringt, will ja mal was Anderes empfehlen. „Das Rezept ist aber nicht von mir, sondern von meiner Freundin Rita Bauer aus Alflen“, räumt sie sofort ein: 1 Kilo je zur Hälfte Sauerkirschen und nun ja zugekaufte  frische Ananas. Beides zerkleinern beziehungsweise in kleine Stücke, ein Päckchen Gelierzucker, der Saft einer Zitrone – fertig ist die Köstlichkeit.

Ehemann Helmut muss ein glücklicher Mann sein! Denn was seine Christel seit nun 44 Jahren immer wieder so alles aus den Früchten und dem Gemüse im eigenen Garten in Kliding zuverlässig in die Weck“-Gläser zaubert, ist das ganze Vorratskellerpanorama: „Dieses Mal waren die Spätfröste allerdings für die Obstblüte eine Katastrophe“, zieht sie kritisch ihre Frühjahrsbilanz 2017. Und etwa die „Stuttgarter Riesen“ – eine Zwiebelsorte – oder den erstmals demnächst erwartbar ins Erntealter kommenden neu gepflanzten „Helgoländer Klippenkohl“ musste sie wieder im Gewächshaus anpflanzen oder unter Netze legen: „Die Maden kommen überall hin. Und die Spatzen – Sie glauben ja gar nicht. Als wenn es keine anderen Gärten mehr gäbe. 20, 30 sind immer da!“

Offenbar lohnt es sich ja bei Christel Heinz auch besonders. Sie erntet unter anderem drei Sorten Stangenbohnen, Sauerkraut, Gurken, Zwiebeln – „auch die Königsklasse, die Schalotten“ –  Spinat, Zuckererbsen, Broccoli, verschiedenste Kohlsorten, Wirsing, Salate. Obst-technisch kommen unter anderen Erdbeeren, Rhabarber, Äpfel und Co. dazu. Wenn es die Witterung zugelassen hat, die es auch Profi-Einköchin Christel in diesem Jahr schwer gemacht hat.  „Erst so lange trocken, doch dann kam der Regen und alles ist regelrecht explodiert!“

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Also ran an bis zu zehn Sorten Marmelade, an Säfte und Gemüse. „Und dann gibt‘s auch mal Heimat trifft Exotik“, grinst die Fachfrau: „Aprikosen mit Chili-Flocken.“ Vieles nach eigenen Rezepten, die lohnenden Vorschläge aus der „Südzucker-Susi“ sind ja leider nicht mehr verfügbar. Statt des gedruckten Rezepte-Magazins möge sie doch jetzt im Internet suchen, hieß es. Doch das lehnt Christel Heinz ab. Analoges Einkochen – analoges Lesen, was ihr empfohlen wird.  Schließlich sind auch die Ideen ihrer Mutter, von der sie das Ganze gelernt hat, allenfalls handschriftlich überliefert.

Mit dem, was sie schon so lange tut, ist Christel Heinz mittlerweile schon wieder im Trend, wo sie zwischenzeitlich erst Avantgarde, dann vielleicht Trendsetterin war. „Ja, Einkochen auf Vorrat ist schon länger wieder In, und es wird eher noch mehr“, bestätigt Stefan Minninger. Für den Inhaber des gleichnamigen alteingesessenen Haushaltsbedarfsgeschäftes an der Leopoldstraße in der Dauner Innenstadt ist das Thema umsatzrelevant. Ein ganzes Schaufenster dekoriert der Spezialist für Küche, Keller und gepflegtes Essen in diesen Wochen rund ums Einkochen.

Christel Heinz aus Kliding kocht seit 44 Jahren ein, was der Nutzgarten und die Obstbäume hergeben. Damit liegt sie voll im Trend – obwohl es für sie einfach Tradition ist.

Und was kostet die „Grundausstattung“  mit „Weck“-Gläsern – der Typbegriff leitet sich vom gleichnamigen Hersteller für die Bevorratung im Glas mit Bügelklammern und Gummiring ab – für „Einsteiger“ in die ernährungs- und kostenbewusste Selbstversorgung? „So an die 120-150 Euro müssen Sie investieren, würde ich schätzen“, meint Minninger: Für den Einkochapparat, Gläserset und Zubehör.

Christel Heinz hat das alles natürlich schon lange im Haus – und im Keller die dicht befüllten Regale  für die Monate nach der Erntesaison. Den Schlusspunkt wird wohl wie immer der Grünkohl setzen: „Den ernte ich im Dezember. Und dann geht es ans Plätzchen backen für Weihnachten.“

Titelbild: Fotolia

mm
Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

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