Jörg Lamberty – Atlantiküberquerer, Kampfsportler, Steuerberater

Von in Typen der Eifel
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Jörg Lamberty- Einhandsegler, Kampfsportler, Steuerberater

Um Konzentration geht es bei allem, was Jörg Lamberty aus Gerolstein beruflich und in der Freizeit tut. Bald führt den 46-Jährigen ein großer Segeltörn allein über den Atlantik. Sein Ziel ist die Karibik. Dort will er schauen, ob und wie er Menschen im ärmsten Land Haiti helfen kann. Als erfahrener Kungfu-Kämpfer und Steuerberater ist er es auch sonst gewohnt, mit Herausforderungen umzugehen.

01Das Gefühl, sich mit einer beeindruckenden Übermacht arrangieren zu müssen, kennt wohl jeder, der brav seine Steuern zahlt und mit dem Finanzamt zu tun hat. Um dieses nicht immer komfortable Lebensgefühl abzufedern, gibt es Steuerberater. Die gehen durchaus unerschrocken mit Fluten von Zahlen und Vorschriften um. Doch Jörg Lamberty, der mit seinem Vater die G.S.G. Steuerberatungsgesellschaft in Gerolstein innehat, fordert es heraus: Auch er wird nun Bekanntschaft machen mit mächtigen Sparringspartnern. Er nimmt es mutterseelenallein auf mit Wellengebirgen, Winden, Walen und allem was, sich ihm zwischen Schottland und der Karibik sonst noch entgegenstellen mag. Jeweils mehrere Wochen am Stück verabschiedet er sich im kommenden Jahr aus der Steuerkanzlei, um nicht den Fiskus, sondern den Atlantik zu bezwingen.

Dass er immensen Respekt vor dem Ozean hat, den er allein mit einem Segelboot Baujahr 1983 überqueren wird, versteht sich von selbst: „Ich bin nicht mit dem Segelsport aufgewachsen, sondern habe erst 2012 den Sportbootführerschein See gemacht. Aber seit ein Kollege aus der Steuerberaterprüfung schon vor Jahren auch ohne große Erfahrung einfach in die Karibik lossegelte, denke ich: So ein Abenteuer will ich auch!“ Mittlerweile hat er 3000 Seemeilen Erfahrung angesammelt. „Entweder ich mache es jetzt oder nie“, erzählt Jörg Lamberty. Sein Ehrgeiz ist es auch, dieses Abenteuer nicht im Team, sondern als Einhandsegler zu bestehen.

Da heißt es: Nachts alle halbe Stunde von einer Eieruhr geweckt werden und nach potenziellen Gefahren oder Hindernissen Ausschau halten. Alles muss er selbst erledigen, eine Ablösung existiert nicht. Sicherheit gibt es auf dem Ozean nur, wenn er an Bord an einer Streckleine festgegurtet ist, so dass er nicht über Bord gehen kann, und mit der Außenwelt durch ein Satellitentelefon verbunden ist. Zudem vertraut er auf die verschworene internationale Szene der Skipper und Segler. „Man lernt einander schnell in den Häfen kennen und hilft, wo immer es nötig ist“, weiß er.

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Von der Irischen See aus über Madeira und die Kanaren steuert er in der hurrikanfreien Jahreszeit dann die Karibik an. „Ich will nicht auf Leistung segeln, sondern auch etwas von Land und Leuten erfahren“, ist seine Devise. Er will auch wissen, wie es den Menschen im katastrophengeschundenen Haiti geht und ob es Möglichkeiten für ein privates Hilfsprojekt gibt. Bereits seit langem engagiert sich Lamberty als Pate im Verein „Rette ein Kinderleben“ e. V. für notleidende Kinder im brasilianischen Recife und wird sie nach Möglichkeit ebenfalls besuchen. Einsamkeit fürchtet er unterwegs nicht. Er kann sich selbst gut beschäftigen und ist es gewohnt, sich zu motivieren und konzentriert zu bleiben.

Die Übung darin hat er durch den Job, in dem auch Routinedinge immer präzise erledigt werden müssen und in dem Unlust auf bürokratische Aufgaben nicht zählt. „In der Karibik braucht man für jede Insel neue Einreise- und Ausreisedokumente. Mit Formularen kann ich als Steuerberater ja gut umgehen“, lächelt er. Die notwendige Körperbeherrschung für sein Abenteuer trainiert er überdies schon seit langem als Kampfsportler, bis zu fünf Mal pro Woche zwei Stunden lang: Er lernte in Duisburg Ving Tsun Kung Fu und bildet in dieser chinesischen Kunst gemeinsam mit Stefan Kablitz in Üxheim auch Nachwuchs aus. „Ich war fasziniert von den Kinofilmen mit Bruce Lee“, erinnert sich Jörg Lamberty, „und so habe ich schon mit 16 Jahren damit angefangen.“ Die eine oder andere Blessur fürchtete er damals nicht, heute begreift er den Kampfsport eher als eine Art Dienst. Schnelligkeit, gute Reflexe und Zielstrebigkeit machen für ihn das Wesentliche des Ving Tsun aus. Aggressionen, die sich im stressigen Alltag leicht ansammeln, finden so ihr sportliches Ventil.

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Ob es etwas gibt, das Steuerberatung, Kampfsport und Einhandsegeln verbindet? Jörg Lamberty muss nicht lange nachdenken. „Es geht immer um Konzentration, Selbstbehauptung und sportlichen Ehrgeiz“, sagt er. Die Beratertätigkeit sei quasi ein geistiger Kampf auf Basis standardisierter Gesetze. „Auch im Sinne der Mandanten geht es beim Kontakt mit den Finanzämtern darum, dass unterschiedliche Positionen und Meinungen gegeneinander antreten. Ganz wie im Kampf gegen die Elemente auf dem Wasser oder wie im Ving Tsun.“ Und natürlich will Lamberty gewinnen.

mm
Ich lebe seit mehr als 30 Jahren gern und gut in der Eifel. Sie ist nicht nur eine wunderbare Naturlandschaft, sondern ein großer Freiraum für Entdecker, Querdenker und Kreative. Ich finde, das sollten noch mehr Menschen wissen. Aber bitte nicht zu viele ;-)

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