Eifel Jeck – Karneval in der Eifel Teil 2

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Das „Karnevalserwachen“ in Mechernich, unterwegs in der „Ripsdorfer Karnevalshölle“, Mitspringen beim Geisterzug in Blankenheim. Was die Jecken im Feybachtal so besonders macht und ein Mann mit besonderem Auftrag vor dem Rosenmontagszug.

Es ist wenige Tage nach dem Elften im Elften und in der Mehrzweckhalle von Mechernich singen 900 „Super jeile Zick!“ von Brings. Sänger Peter Brings braucht auf der Bühne nicht mehr viel zu tun außer den Refrain anzustimmen, das Publikum singt die Zeilen alleine. Bunt kostümiert sind an zwei Abenden hintereinander jeweils um die 900 Jecken im November nach Mechernich gekommen. Aus einem Umkreis von an die 100 Kilometern reisen die Cliquen und Vereine an. Seit 21 Jahren ist das so. Der Junggesellenverein Satzvey – das Team um Carlo Dederichs ist schon lange im Ehestand – hat mit „Jeck sin, lache, Musik mache“ ein unübersehbares „Erwachen des Karnevals“ in der Eifel ins Leben gerufen. „Beide Veranstaltungen sind schon immer in wenigen Tagen ausverkauft“, freut sich Dederichs. Brings, Höhner, Bläck Fööss, Kasalla, De Räuber, Kuhl un de Gäng – alle sind zum großen Kölsch-Musik Auftakt in der Mechernicher Halle dabei: „Wo gibt es das schon: Wir kommen rein, und die Leute stehen schon auf den Stühlen!“ ist Henning Krautmacher von den Höhnern fasziniert.

So erwacht der Karneval in der Eifel – so ausgelassen geht es nach der „Weihnachtspause“ in den Sälen bis zu den tollen Tagen weiter. Auch die Säle sind da schon aufwändig dekoriert. Etwa der Saal Hilgers in Dreiborn, das „Vereinshaus“ in Dahlem, die Karolingerhalle in Prüm, oder der Saal der „Römerstube“ in Eiserfey beui Mechernich. Im karnevalsverrückten kleinen Ripsdorf bei Blankenheim sind gleich vier Mal die Säle der örtlichen Gastronomie rappelvoll. Seit 1987 gibt es hier die Herrensitzung am gleichen Tag im Doppelpack – die Aktiven wechseln zwischen den beiden Sälen der Dorfkneipen – und seit 1993 eine „Mädchersitzung“. „Die Frauen und die Männer feiern durchaus unterschiedlich“, so Martin Peetz, seit 29 Jahren Vorsitzender des Karnevalsvereins Ripsdorf.

Bei den Herrensitzungen etwa sind die Jecken aus dem Kreis Euskirchen mehrheitlich im einen, die aus der angrenzenden Oberen Kyll und der Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz im anderen Saal. Das Erfolgsrezept? „Wir lassen uns immer wieder neue Programmpunkte einfallen. Und wir kümmern uns nur um Karneval, das ganze Jahr über“, so Alois Jütten aus dem KV-Vorstand. Auch bei der Damensitzung der „Vlattemer Jonge“ sind Hunderte dabei.

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Beim „größten Sitzungskarneval der Eifel“ am „Eifelweiberdonnerstag“ in der Markthalle in Hillesheim, ins Leben gerufen von einem örtlichen Gastronomen, können es an die 800 sein. Stimmung bis in den frühen Morgen ist in „Deutschlands Krimihauptstadt“ garantiert. Zu diesen Höhepunkten im Karneval drinnen Karten zu bekommen ist außer an der Abendkasse erfahrungsgemäß schon Monate vor dem Termin nicht mehr möglich.

Geisterzug

Anders ist es bei einem der bekanntesten Karnevalszüge, dem „Geisterzug“ am Karnevalssamstag in Blankenheim. „Mitmachen kann Jeder!“, so Stefan Leisen, Präsident der Karnevalsvereins Blankenheim von 1613. Der KV ist wohl die älteste Narrenvereinigung Europas, besser bekannt unter ihrem Karnevalsruf „Juh-Jah“. Was es als „Geist“ braucht, ist von Leisen schnell erklärt: „Ein weißes Bettlaken, eine Kordel, eine Pechfackel können Sie auch vor Ort für kleines Geld käuflich erwerben. Sie können sich das Gesicht gerne weiß schminken, eine Maske ist aber verboten.“ Wie man zum „Geist“ wird und im Zug „springt“, erklären die Juh-Jah-Aktiven gerne. Treffpunkt ist am Karnevalssamstag um 18.30 Uhr am Rathaus in Blankenheim und dann geht es zur Aufstellung hinter dem „Obergeist“ auf seinem Pferd. Unter dem Furcht erregenden Kostüm steckt der aktuelle Prinz. Angeführt wird der Geisterzug durch die idyllischen Gassen der Blankenheimer Altstadt von den „Jecke Böhnche“, gefolgt vom „Schelleböumche“: Seit Jahrhunderten gehen vier bis fünf junge Männer hinter dem Schellenbaum mit Querflöten und einem Trömmelchen in der Woche vor den tollen Tagen durch den Ort. Sie kündigen den Straßenkarneval an. Die letzte Runde endet am Karnevalsfreitag, bevor es am Samstag in den Geisterzug geht.

Wer will, kann schon einen Tag früher bei Dunkelheit einen besonderen „Zoch“ besuchen. Vor einem Jahr ging anlässlich des Vereinsjubiläums der „Feytaler Jecken Eiserfey“ zum ersten Mal am Freitag vor Karneval der „Große Karnevalslichterzoch“ durch den Ort. Alle Mottowagen und die meisten der Aktiven in den kostümierten Fußgruppen haben Illuminiertes dabei. Im Feytal wird aber auch die Tradition gepflegt: Fünf Funkengarden in drei Altersgruppen trainieren zum Beispiel Mitglieder der karnevalsverrückten Familie Empt in Vussem. 53 Fünkchen und Funken, die sich wie die anderen Garden in der Ringgemeinschaft Karneval des Altkreises Schleiden zu mehreren „Gardetreffen“ versammeln. Im jährlichen „Gardewettstreit“ können es da schon mal an die 500 Tänzerinnen sein, die, bewertet von einer Jury, die aktuell Besten suchen.

Von solchen Teilnehmerzahlen können sie auf den kleine Dörfern, in denen es trotzdem einen vitalen Karneval gibt, nur träumen. Aber auch hier bauen junge Leuten etwa bei der Dörferkarnevalsgemeinschaft „MüKaRoOs“ in der Vulkaneifel (Müllenborn, Kalenborn-Scheuern, Roth und Oos) ihren Mottowagen selbst und halten so die Narrenumzüge lebendig. Oder im kleinen Waldorf. Dort hat man sich bewahrt, was heute eine Seltenheit ist: Ein „Zugankündiger“: Klaus Esser geht mit Glocke und Sammelbüchse für die Vereinskasse der KG Rot-Weiss Waldorf dem bunten Treiben voran. Eifel jeck.

Und wer noch mehr über Karneval wissen möchte: DVD: „Alaaf you – Eine Millionen Jecke“

mm
Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

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