Eifel Jeck – Karneval in der Eifel Teil 1

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Auch in der Eifel ist Karneval. Quicklebendig wird er auf Sitzungen, Bällen und in Zügen gefeiert. „Alaaf!“ – so heißt es aber längst nicht überall. So jeck die Eifel sein kann – dass es so bleibt ist nicht selbstverständlich. Die „Ballermann“-Kultur bedroht die Karnevalstraditionen.

Viererklub

Viererklub

„Öwwäh“ ist so etwas wie das „Amen“. Jedenfalls in Ulmen, und dann, wenn Karneval ist. Die Karnevalsgesellschaft Burgnarren Ulmen suchte bei der Vereinsgründung 1957 einen unverwechselbaren Karnevalsruf – „Alaaf“ oder „Helau“ auf keinen Fall. „Ölme öwwäh!“ Darauf einigte man sich, wobei das erste Wort im Dialekt noch einfach auf den Ortsnamen Ulmen zurückzuführen ist – aber „öwwäh“? Ein Schmerzlaut? Helmut Schmitt von der KG grinst: „Nein, öwwäh wird im Ulmener Dialekt zur Bestätigung einer Aussage verwendet: „Öt ös janz schien kalt hout – öwwäh“. In Strohn – der Ort ist durch seine „Lavabombe“ bekannt – heißt es stattdessen „Strohna Hohna – Ei, Ei, Ei“. Als „Hohna“ (Hühner) wurden die Strohner traditionell bezeichnet. Das dreifache „Ei“ nimmt den Bezug auf – die Steigerung, erst ein-, dann zwei-, dann dreimal, ist vergleichbar der „Rakete“ im Kölner Sitzungskarneval.

Die „Kylltalnarren“ in Jünkerath, 1980 gegründet, belassen es da lieber bei „Alaaf“. Ob so schon jene vier Männer aus dem Ort den kleinsten Rosenmontagszug der Welt stimmlich begleitet haben – unklar. 1947 begann der Karneval in Jünkerath mit dem „Viererklub“, der durchs kriegszerstörte Dorf zog. Der Erste trug ein Schild „Beginn des Zugs“, der Letzte eins mit „Ende des Zugs“. Einfache Anfänge, und noch kein Dreigestirn und auch keine Karnevalssitzung.

Ulmener Burgnarren

Ulmener Burgnarren

Das kam in der Eifel ab den 1950er Jahren nach und nach dazu. Genau besehen ist die Eifel jeck aber kein Abklatsch des Narrentreibens am Rhein. In der Eifel kann zum Beispiel der Prinz auch mal eine Prinzin sein, und auch das Dreigestirn – wie vor einigen Jahren in Prüm – weiblich. „Neddeschem Wau, wau“, kommt es auf die Frage nach Vorbildern selbstbewusst von der „KG Löstige Höndche“ in Nettersheim. Den wesentlicheren Unterschied macht, dass in der „Eifelgemeinde“ bei den beiden Sitzungen – die meisten Vereine machen nur noch eine – das Programm fast ausschließlich aus eigenen Kräften bestückt werden kann. In die Bütt oder zum närrischen Zwiegespräch kommen Aktive aus den Dörfern der Gemeinde, Gardefunken hat man ebenfalls und auch die Live-Stimmungsmusik wird nicht zugekauft. Das ist bei weitem nicht überall so. Etwa in Marmagen, Herhahn, Ripsdorf, Mechernich-Weyer, in einigen Dörfern rund um Bitburg ist das Dorfleben Thema Nummer Eins auf der Narrenbühne. Doch vielerorts gilt: Ohne zugekaufte Auftritte externer Kräfte aus dem Großraum Köln oder der deutschsprachigen Gemeinschaft rund um St. Vith in Belgien kommt ein Sitzungsprogramm nicht zusammen.

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Geht so was, was den Eifler Karneval typisch macht verloren? Das kann Björn Wassong aus Mechernich-Weyer, Vorsitzender der „Weyerer Blömche“, beantworten. Der 34-Jährige ist seit elf Jahren als „Ne Jeck im Rähn“ in der Bütt. Dafür braucht er ein rundes Hütchen mit bunten Punkten, einen gelben „Ostfriesenerz“, eine weiße Hose mit „blauen Regentropfen“ und einen bunten Schirm.

Schon als Sechsjähriger hat er in den „Blömche“-Kindersitzungen „gesungen und mich dann in die Bütt reingeredet“. Die Eifel ohne Karneval? Das kann er sich nicht vorstellen. Für ihn kennzeichnet Eifel jeck Zweierlei: „Er ist nicht so kommerziell. Statt einer Flasche Wein für 80 Euro gibt es in der Sitzung den Kasten Bier für 30. Zweitens freuen sich die Leute, dabei zu sein. Die Atmosphäre ist familiär, man kennt sich eben.“ Ein Drittes vielleicht ist eine gewisse Stimmungsanlaufschwäche: „Der Eifler muss erst mal angekommen sein. Man muss ihn ein bisschen andäuen. Aber dann wird er locker und es gibt schließlich oft kein Halten mehr. Es geht über Tische und Bänke…“. Wassong hat Derbes und Zotiges in seinem Programm wie etwa auch Alexander Geimer in der Bütt in Dahlem nicht nötig.

Björn Wassong

Björn Wassong

Kleine „Ausrutscher“ ausgenommen: „Wenn man in der Bütt nicht die eigenen Säue durchs Dorf treibt, sondern die aus der Nachbarschaft, kriegt man sofort mehr Aufmerksamkeit!“ Zumal Wassong am Abend drauf es im Saal im Nachbardorf genauso hält. Er, Geimer und ähnlich denkende Kollegen und Kolleginnen halten die Fahne der gekonnten jecken Rede hoch: Witzig, treffend, auch entlarvend halten sie den Zuhörern den Spiegel vor. Sie könnten es sich einfacher machen. Im auch in der Eifel immer populärer werdenden „Ballermann-Karneval“ gibt es kaum noch Redner auf der Bühne. Stattdessen Stimmungsmusik und Tanz. Volle Säle sind für die veranstaltenden Karnevalsvereine garantiert. Party machen – das bieten auch die „Löstige Höndche“ in Nettersheim an – aber nicht nur. Sonst ist das, was Eifel jeck ausmacht, in Gefahr.

Im 2. Teil von „Eifel jeck – Karneval in der Eifel“:

Die Ripsdorfer Karnevalshölle, die Geheimnisse der „Juh-Jah“, Geisterzug und Lichterzoch. Gardehochburg und das „Karnevalserwachen“ von Mechernich.

Und wer noch mehr über Karneval wissen möchte: DVD: „Alaaf you -Eine Millionen Jecke“

mm
Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

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