Eefeler Fasicht oder die Reinigung des Dorfbrunnens am Weiberdonnerstag

Von in Eifeltypisch
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„Fasicht“ – so nennt man in der Eifel ein besonderes Brauchtumsereignis, das im Kölner Raum nur Fastelovend und bei den in Schwaben Fasnet heißt. Die Eifeler Fastnacht beginnt traditionell mit dem „Weiberdonnerstag“. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die Landfrauen die jährliche Verpflichtung gegenüber der Gemeinde, die Dorfbrunnen zu reinigen. Hierfür zahlte ihnen die Gemeinde den Erlös aus der Versteigerung eines Baumes. Mit diesem Geld hielten die Frauen eine Feier ab, und zwar am Donnerstag vor der Fastnacht. So erhielt dieser Tag im Laufe der Jahrzehnte den Namen „Weibertag“ oder „Fetter Tag“ – geboren war schließlich der „Weiberdonnerstag“. Endlich einmal konnten die Frauen, die sich ansonsten vornehm in der Öffentlichkeit zurückhielten, ihr eigenes Fest feiern und einmal so richtig auf die Pauke hauen.

Eifeler Fastnachtstreiben in den 1950er Jahren. (Foto: Autor)

Und warum durften nur Frauen die Reinigung des Brunnens übernehmen?

Dafür hat die Brauchtumsforschung zwei Antworten: Zum einen gab es unter den Männern vereinzelt „Brunnenvergifter“, die im Ort bekannt waren. Doch ein wichtiger – volkskundlicher – Aspekt war auch, dass die Frau als „Mutter des Lebens“ und „Mutter Erde“ dem Leben und dem Wasser „heilig verbunden“ war. Auch sollten die Frauen mit ihrem Tun dem neuen Leben im Frühjahr den Weg bereiten helfen. „Frauen liehen der Erde, dem Wasser und dem Frühling ihre Hilfe“, hieß es im Volksmund.

In der Regel dauerte die Eefeler Fasicht vom „Fetten Donnerstag“ bis zum Rosenmontag, vereinzelt kam auch noch der „Veilchendienstag“ hinzu. Eine äußerst lange Feierspanne! Bis in die 1970er Jahre hinein wurden die Fastnachtskostüme noch selbst genäht, die Masken aus diversen Stoffen gefertigt und die abendlichen Ausgänge in den Dörfern noch dosiert, aber voller Freude wahrgenommen. In der Küche backte die Hausfrau die „Nuuzen“, in der Westeifel auch „Prümer Mäuschen“ genannt. Dieses Fettgebackene war äußerst beliebt bei Groß und Klein.

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Nuuzen, Nonnenfürzle oder Prümer Mäuschen

Nuuzen oder Nonnenfürzle. (Foto: fotolia)

Das Rezept der „Nuuzen“, in Schwaben „Nonnenfürzle“ genannt, stammt aus dem 13./14. Jahrhundert. Für ihren Namen sollen eine Novizin und ein junger Bischof verantwortlich sein, der in einem Frauenkloster die Küche besuchte. Eine Novizin, die gerade die kleinen Krapfen herrichtete, erschrak beim Anblick des stattlichen Mannes so sehr, dass sie versehentlich ihre Krapfen noch feucht ins heiße Fett gleiten ließ. Es zischte gewaltig. Der leutselige Bischof tröstete, segnete die unglückliche Novizin und nannte von nun an dieses Fastengebäck „Nonnenfürzli“. Chapeau, Herr Bischof!

Im Stall stand ebenso ein „Großereignis“ auf dem Plan: das Schlachten des Winterschweines. Die Kleinen saßen derweil am Tisch und übten ihre Gesänge für den fastnachtlichen Heischebrauch am Fetten Donnerstag. Zwei Mundart-Liedchen durften dabei nicht fehlen: „Jras, Jras, Jrumen, de Huhner plecken Blumen, de Hannen pecken Dreck, jet mer e juut Steck Speck, da jomer von dr Dirre weg.“ Und: „Trapen, Trapen, Tringelchen (Träpchen), hey kennt mingem Pap se Jingelchen (Mädchen). Jet em jett un lot et net stohn, mer han dr Dirren noch mieh zu bejohn.“

Das war noch wahres, originelles Brauchtum – über Jahrhunderte weitergereicht und mit all der kindlichen Freude praktiziert, die ein Brauch verlangt. Er will „stiftend“ sein, Menschen zusammenbringen und regionale Identität herstellen. Ohne Gemeinschaft macht ein Brauch keinen Sinn. Fastnacht war der eigentliche Höhepunkt volkstümlichen Brauchtums, besonders in der Westeifel. Leider geht davon immer mehr verloren…

Altes Fastnachtsbrauchtum in der Eifel. (Foto: Autor)

In den letzten Jahrzehnten hat sich viel verändert. Die Zahl der singenden und heischenden Kinder ist gesunken. Das ist wohl dem Wohlstand geschuldet. Wenn es früher „en Kamell“ oder „en Nuuz“ war, steigerte sich die Bettelgabe später bis hin zu einer Dose Cola, einer Tafel Schokolade oder einer Tüte Chips. Manchmal kam sogar Bares dazu.

Die kleinen Umzüge in den Dörfern finden kaum noch statt – zu groß ist der Aufwand bei den Arbeiten, zu gering die Motivation. Eher zieht es die Leute zu Großumzügen in regionalen Hochburgen. Hier gibt es teils noch äußerst originelle Fußgruppen, „bemannte“ Kleinfahrzeuge, Räder und Karren.

Dem Winter den Garaus machen

Vielen der ausgelassen feiernden Menschen ist der hintergründige, ursprüngliche Sinn der Fastnacht nicht (mehr) bekannt. Da schaue man mal auf die alemannische Fasnet, etwa nach Rottweil oder Konstanz. Hier sieht man herrlich vermummte Gestalten und originelle Fußgruppen (ohne Motivwagen), die noch – im wahrsten Sinne – als echte Brauchträger unterwegs sind. Und diese wissen: Die lärmenden, polternden, kreischenden Teilnehmer am Umzug und die am Straßenrand mitfeiernden Leute tun – nach alter Überzeugung – nichts anderes, als dem Winter und Angst verursachenden Dämonen den Garaus zu machen. Man will den leidigen Winter einfach verjagen.

mm
Joachim Schröder aus Pronsfeld im Eifelkreis Bitburg-Prüm ist Brauchtumsforscher und hat bisher 19 Bücher über seine Heimat veröffentlicht: „Ich bin ein Kind der Eifel. Ich lebe und liebe die Eifel, weil es diese Landschaft tatsächlich kein zweites Mal gibt.“

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