Die Eifel – Ein Refugium für Wildkatzen

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Die Eifeltiger – Die Eifel ein Refugium für Wildkatzen. Sicher ist, auch Sie könnnen dem „Eifeltiger“ begegnen. Es gehört aber viel Geduld und ein wenig Glück dazu. Denn in der Dämmerung streunt die scheue Wildkatze gerne über die Wiesen der Eifel auf ihrer Suche nach kleinen Nagern. Woher der Spitzname „Eifeltiger“ für die Wildkatze kommt? Wahrscheinlich weil es bislang die einzige wilde Katze ist, die im Nationalpark der Eifel ihre Heimat gefunden hat.

Der Biogeopgraph Sönke Twietmeyer freut sich auf jeden Fall darüber, dass er sich um seine „Eifeltiger“ im Nationalpark Eifel keine Sorgen machen muss. „Eine grobe Bestandsschätzung geht von etwa 50 Wildkatzen aus, die im Nationalpark Eifel leben“, sagt der Zoologe, der im Nationalpark für das Monitoring und die Forschung von Wildtieren verantwortlich ist. Im ganzen Eifel-Ardennen-Gebiet sollen sogar bis zu 1.000 Tiere streunen. Genaue Zahlen zu den Katzenbeständen gibt es nicht. „Man könnte natürlich genauere Untersuchungen machen“, sagt Twietmeyer „indem wir sogenannte Lockstöcke, mit Baldrian als Lockmittel, aufstellen. Daran streifen die Tiere mit ihrem Fell vorbei und hinterlassen einige Haare aus denen sich DNA gewinnen lässt und schließlich auch eine Anzahl unterschiedlicher Individuen bestimmen lässt.“

Das war bislang im Nationalpark Eifel aber noch nicht nötig. „Die Wildkatzenvorkommen in der Nordeifel können derzeit als gesichert angesehen werden.“ Er hat seine ersten Wildkatzen übrigens nicht zu Fuß, sondern vom Auto aus beobachtet. Denn auf den Fahrten über die Landstraßen der Eifel kann man oft einen schönen Panoramablick über die weitläufigen Felder genießen. So bietet sich manchmal auch die Chance die Wildkatze auf ihrer Beutejagd zu erleben. Wildkatzen erlauben sich in der Eifel einen großzügigen Wohnraum von etwa 1.500 Hektar. Das sind umgerechnet mehr als 2.100 Fußballfelder pro Katze, die übrigens stets ihrem Wohnort treu bleibt. Bei ihren Wanderungen legt sie bis zu 30 Kilometer zurück. Vor allem Laubwälder, Wiesen und Fichtenwälder liebt das kleine Raubtier, weil es dort gut Mäuse jagen kann. Die Wildkatze wurde im Gegensatz zum Luchs in Nordrhein-Westfalen nie ausgerottet. Vor rund 100 Jahren hatte sie ihr Bestandstief, aber eine Restpopulation konnte sich in der Eifel durchschlagen.

Laut Säugeratlas NRW, herausgegeben vom Landwirtschaftsverband Westfalen-Lippe, breitet sich die Art inzwischen auch in rechtsrheinischen Gebieten wieder aus. Doch wie erkennt man die Wildkatze, die sich auf den ersten Blick nicht viel von einer getigerten Hauskatze unterscheidet? „Sie hat einen gold-gelben Schimmer auf dem grau-schwarz getiegerten Fell, einen buschigen Schwanz mit mehreren schwarzen Ringen und eine meist kräftigere Statur als die Hauskatze“, erklärt Twietmeyer. Getigerte Hauskatzen können Merkmale der Wildkatze aufweisen, weshalb Verwechselungen möglich sind. „Vor allem die Kuder, das sind die männlichen Exemplare der Wildkatzen, sind auffällig groß.“ Sie sind 53 bis 68 Zentimeter groß und bringen drei bis acht Kilo auf die Waage, während die Weibchen nur bis zu fünf Kilo schwer sind. Die unzähmbaren „Eifeltiger“, die sich nie von einem Menschen berühren lassen, sind auf ihren Raubzügen nicht wählerisch. Hauptbeute sind Nagetiere, aber auch Vögel und Reptilien stehen auf dem Speiseplan.

„Die größten Feinde der Wildkatze dürften Autos sein“, sagt Twietmeyer nachdenklich, wenn man ihn nach den größten Feinden der Wildkatze fragt. Junge Wildkatzen können aber auch von Uhu oder Fuchs erbeutet werden. Die Bejagung der Wildkatzen ist seit dem Jahr 1934 strikt untersagt. Davon haben die Tiere deutlich profitiert. Auch eine nachhaltige Forstwirtschft in der Eifel fördert die Wildkatze. „Im Nationalpark Eifel arbeitet vor allem die Zeit für die Wildkatze, weil sich die Wälder hier unbeeinflusst entwickeln können.“

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Die Bestände haben sich in den vergangenen Jahren gut erholt, berichtet Twietmeyer. „Dennoch werden sie nicht so alt wie Hauskatzen“. Maximal zwölf bis 14 Jahre ist die Lebenserwartung einer Wildkatze.Meist bekommen sie im März und April ihre Jungtiere. Dafür sucht sich die Wildkatze am liebsten Baumhöhlen, um zwei bis vier Junge auf die Welt zu bringen. Wer auf die Pirsch nach der Wildkatze gehen will, kann eine Wanderung durch den Nationalpark machen. Auch wenn die Chance den „Eifeltiger“ zu Fuß zu treffen gering ist, so besteht die Möglichkeit Wildtiere zu sehen, wenn man sich ruhig und mit offenen Augen durch die Wälder bewegt. Sönke Twietmeyers Tipp für Wildtierbeobachtung ist die Aussichtsempore in Dreiborn. Hier kann man im Spätsommer vor allem Rothirsche bei der Brunft beobachten. Vielleicht schleicht sich aber auch der „Eifeltiger“ an.

Und hier gibt es noch ein spannendes Buch zum Thema: „Katzenverhalten: Von der Wildkatze zur Hauskatze Mimik, Körpersprache, Verständigung.“

Fotos von Herbert Grabe

mm
Endlich Eifel bedeutet für mich der Umzug von der Stadt in ein historisches Bauernhaus nach Monschau-Kalterherberg. In der Eifel begeistern mich die hilfsbereiten und liebenswerten Menschen, die einen vom Hohen Venn bis in die belgischen Ardennen begleiten.

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