Der Archehof am Kisselsbach

Von in Artikel, Coole Orte
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Westfälische Totleger sollen leben! Am Kisselsbach – Archehof, Veganer, Wwoofing. Harald und Erika Strüning geben auf ihrem kleinen Hof „Am Kisselsbach“ rund siebzig tierischen Individuen ein Zuhause. Die Viecher gehören aussterbenden Nutztierrassen an, die geschützt werden müssen. Die Strünings selbst ernähren sich vegan, vor ihnen ist jedes Tier sicher.

Lullu ist eine original Waliser Schwarzhals-Ziege: vorn dunkel, hinten hell, ein bisschen wie Schokopudding mit Vanille. Seit 2014 betreiben ihre Besitzer Harald und Erika Strüning auf ihrem Grundstück den Archehof Nummer 237 und engagieren sich dafür, seltene Nutztierrassen wie besagte Schwarzhals-Ziegen oder auch Geflügel wie Enten, Puten und Hühner zu erhalten.

Doch warum sterben überhaupt Nutztierrassen aus? „Das Grundproblem ist, dass die moderne Züchtung und industrielle Massentierhaltung nur noch auf bestimmte Produkte aus ist“, erläutert Harald Strüning, „bei Hühnern zum Beispiel entweder auf die Eier oder die fleischigen Hähnchenbrüste. Alles andere bleibt auf der Strecke.“ Was nicht supermarkttauglich ist, werde zumeist in die so genannte Dritte Welt exportiert und ruiniere dort die Lebensgrundlagen der Kleinbauern, die mit den subventionierten Fleischresten aus Europa nicht konkurrieren können. Die hierzulande früher verbreiteten Nutztiere jedoch sind nicht solche hochgezüchteten Spezialisten, sondern können – wie zum Beispiel die verschiedenen Zwiehuhnrassen – sowohl Fleisch wie auch Eier geben.

Einige Rassen wie die Westfälischen Totleger galten wegen ihrer enormen Legeleistung und Robustheit sogar als eine Art Lebensversicherung für arme Leute. Aber: Solche Rassen sind nicht als Neuzüchtung von Firmen patentierbar, sie brauchen weitaus mehr Zeit bis zur Schlachtreife und eine artgerechtere Haltung. „Sie sind viel bewegungshungriger“, erzählt Erika Strüning, „und es dauert rund ein halbes Jahr, bis man sie schlachten kann.“ Zum Vergleich: Ein normales Masthähnchen fristet nur einen Monat, bis es ans Messer geliefert wird. Geschlachtet wird auf dem Hof „Am Kisselsbach“ nicht, doch es geht bei aller Tierliebe auch nicht um Sentimentalitäten. „Wir leisten eine Verbreitungs- und Erhaltungszucht“, erläutert Harald Strüning. „Das heißt, wir züchten auf beste Rassemerkmale, so dass die Population der Tiere stabil bleibt und mit möglichst vielen Blutlinien ohne Inzucht wieder vergrößert werden kann.“ Abnehmer der geschlechtsreifen Tiere sind Zoos, Freizeitparks oder auch Privatleute, die vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen erhalten wollen.

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Sogar in den Erlebnisgarten eines Altenheims kamen schon bei Strünings geschlüpfte Enten. Die beiden Rentner leben eng mit ihren Tieren, auch wenn sie immer wieder Abschied nehmen müssen: Die Brutmaschine steht im Haus, die frisch geschlüpften Küken erblicken als erste Lebewesen zwei Menschen. Umgekehrt sehen die Strünings sofort, ob es den Kleinen wirklich gut geht oder ob es Probleme beim Start ins Leben gibt. Aufwachsende Tiere, bei denen nicht von Anfang an klar ist, ob sie die erforderlichen Rassemerkmale für die Zucht mitbringen, kommen in eine so genannte bunte Herde.

Auch tierische Senioren, die nicht mehr für die Zucht taugen, fristen hier ihren Lebensabend. Quasi nebenbei lernen auch Touristen in Horperath etwas über den Wert und die Besonderheit uralter Haustier-Arten. Denn die Strünings heißen über die Kooperation Landvergnügen auch Camping- und Wohnmobiltouristen willkommen. Landvergnügen bedeutet, dass die Anbieter, die ihren Stellplatz für eine Nacht kostenlos zur Verfügung stellen, zugleich auch etwas mit der Landwirtschaft zu tun haben: Es sind Winzer und Bauern, Imker oder Fischer, kleine Käsereien oder Brauereien.

Wwoofing ist ein weltweiter Trend, auf naturnahe Art Lernen und Arbeiten mit Camping auf dem Hof zu verbinden. Die Wwoofer der Strünings kommen von überall her, wie jüngst eine Kamerunerin, die in Italien aufwuchs und in Berlin wohnt: Archehof für Globetrotter. „Ich mache mit den Gästen dann auf Wunsch auch Hofführungen“, sagt Harald Strüning. Als Verköstigung bei diesen Führungen allerdings gibt es Veganes. Denn zur Arche gehört auch ein großer Bauerngarten, der teilweise Selbstversorgung ermöglicht.

mm
Ich lebe seit mehr als 30 Jahren gern und gut in der Eifel. Sie ist nicht nur eine wunderbare Naturlandschaft, sondern ein großer Freiraum für Entdecker, Querdenker und Kreative. Ich finde, das sollten noch mehr Menschen wissen. Aber bitte nicht zu viele ;-)

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