Magische Eifel – Teil 1

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Hunderte von Burgruinen, Höhlen, uralte rituelle Plätze – und was ist mit den Maaren, den „Augen der Eifel“? Für Manche ist die gesamte Eifel irgendwie magisch. Sie haben ihre eigene mystische, mythische, geheimnisvolle, die „andere“ Eifel. Zum Beispiel die Kuppen der Vulkanberge, die aus dem Nebel ragen, das Abendrot im Vennmoor. Was will man mehr? Eine kleine Stationen-Reise zu Kultstätten und Kraftorten der magischen Eifel.

Das „Fraubillenkreuz“, ein Menhir, auf dem Ferschweiler Plateau. Die ursprünglich keltische Kultstätte wurde der Sage nach vom „Eifelapostel“ Willibrord zum Kreuz umgeformt.

Im Weinfelder Maar, das schon lange auch „Totenmaar“ genannt wird, soll einst eine Burg untergegangen sein. Sprang hier der biblische Pilatus vom gleichnamigen Felsen in die undurchsichtigen Wässer? Oder war es gleich ein ganzes Dorf, das die Fluten verschlangen? Oberhalb davon steht eine kleine Kapelle, einst Ort eines gallo-römischen Umgangstempels, und jenseits des Sees war tatsächlich das kleine Bauerndorf Weinfeld, das die Bevölkerung auf der Flucht vor der Pest verließ. Oder war es doch die Armut, die die Weinfelder im 19. Jahrhundert zwang, ihre Heimat aufzugeben und das Glück in der Neuen Welt zu suchen? Zurück blieb eine Wüstung.

Die Mischung aus Wahrheit und Legenden macht die Eifel vielerorts magisch. Oft ist, was landschafsarchäologisch ein markanter Punkt ist, schon seit der Keltenzeit als Kultplatz genutzt, oder wie die Kakushöhle oberhalb des Feybachtals bei Mechernich schon seit mehr als 50.000 Jahren nachweislich bewohnt worden. Über Jahrtausende hinweg wurden solche Plätze aufgesucht, in römischer Zeit von den neuen Besatzern angeeignet, später etwa vom legendären „Eifelapostel“ Willibrord umgewidmet. Und immer wieder überdauerten die uralten Bräuche die neue Bestimmung. Zum Teil bis heute. Eifel magisch.

Wir beginnen in der Osteifel,  in der Nähe von Wolken in der Gemeinde Kobern-Gondorf. 190 Meter im Durchmesser ist der äußere Ring, der innere hinter Wall und Graben 175 Meter. Und in der Mitte des plateauförmigen Innenraums stand vermutlich ein 50 Zentimeter dicker, acht bis zwölf Meter hoher Stamm.

Der „Goloring“, von manchen irreführend als „Eifel-Stonehenge“ bezeichnet, war bis 2002 abgesperrtes Militärgebiet. Die Bundeswehr hatte hier eine Diensthundeschule. Geblieben ist aus dieser Zeit die Umzäunung, die die heidnische Kultstätte, zwischen 1200 und 600 vor Christus angelegt, schützt. 1940 waren die Bodenfunde entdeckt worden. Heute sind hier in den Sommermonaten Führungen möglich. Zu einer frühzeitlichen Sonnenuhr, so eine These der Archäologen.

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Der „Goloring“ liegt unweit der A48 Koblenz-Trier. Der Autobahn Richtung Trier folgend bis zum Autobahnkreuz Wittlich, dann über Bitburg weiter Richtung Echternach erstreckt sich schließlich das Ferschweiler Plateau in der Südeifel. Es ist aufgrund der Funddichte seit der Jungsteinzeit eine der bedeutendsten Kultregionen der Eifel. Grabanlagen aus verschiedenen Zeitstufen seit 3000 Jahren, das „Fraubillenkreuz“: alles ist dicht beieinander. Und wie der „Goloring“ ist die Topographie ein Hinweis. Je nach Standpunkt hat man einen weiten Blick, etwa ins Sauertal von der „Liborius-Kapelle“ hoch über Echternacherbrück.

Dieses „Kreuz“ ist ein jungsteinzeitlicher Menhir, die in der gesamten Eifel vorkommen und vermutlich kultische Bedeutung hatten. Hier steht er genau auf der Gemarkungsgrenze von Nusbaum und Ferschweiler. Von weitem erinnert die Form des Liassandsteins mit etwas Phantasie an eine tanzende Frau. Der untere Teil ist weiblich geformt, eine ovale Einkerbung heute knapp über der Erdnarbe könnte eine Opferstelle in Form einer Vulva gewesen sein. Doch die „Arme“ der „Bille“, einer tradierten Sage nach soll im Stein eine „Zauberin“ gelebt haben, sind gestutzt. Die Gestalt ist zum christlichen Kreuz umgeformt. Zwei rechteckige Einschnitte dürften Heiligenfiguren aufgenommen haben.

„So dicht wie in Irland oder der Bretagne sind die Funde in der Eifel nun gerade nicht – aber immerhin!“ Judith Mies aus Berndorf ist Mitverfasserin eines der vielen Bücher über die „Magische Eifel“.

Der Eifelapostel Willibrord, mit Bonifatius im 7. Jahrhundert aus Irland in die heutige Eifel gekommen, hatte mit Unterstützung des merowingischen Hochadels im nahen Echternach ein Fillialkloster des von ihm gegründeten Erzbistums Utrecht erbaut. Mit Missionarschule. Von der Südeifel aus begann er die Christianisierung der Region. Das keltische „Billenkreuz“ widmete er um, so die Sage. Der Mythos der alten Legende blieb.

Unweit davon ist die „Schankweiler Klause“, zu der seit Jahrhunderten die Gläubigen aus dem Umkreis pilgern. Sie beten im Innern des Barockbaus die Gottesmutter Maria in drei Gestalten an, auch die „Schwarze Not-Marie“, die Mutter Gottes mit schwarzer Haut. In Erinnerung an die Pest? Dabei verweist die weibliche Dreigottheit wieder zurück, weit in vorchristliche Eifel-Zeiten. Auf die Ubier, die Treverer, die Eburonen und ihre keltische Drei-Göttinnen-Welt. Dargestellt zum Beispiel in den „Matronen“.

Teil 2: Zu drei Göttinnen, in einen magischen Krater und einen Wunschbaum bei Hillesheim.

So könnte der rekonstruierte „Golo-Ring“ bei Wolken aussehen: Die Anlage ist rechts neben der A48 zu erkennen.

Weitere Informationen:
Zum Thema gibt es eine Unmenge von Literatur.
Eine kleine Bibliographie findet sich auch in: Judith Mies & Kurt Derungs: Magische Eifel – Reise zu mythischen Orten

Erlebnisführungen zu „magischen“ Eifelorten zu Fuß und per Rad bietet unter anderem Arduinna Erlebnistouren aus Berndorf an. Näheres und Kontakt unter www.arduinna.de.

Sophie Lange aus Nettersheim forscht seit mehreren Jahrzehnten zu den Matronen in ihrer Umgebung, zu Geschichte und Kultur der Eifel und der Eifelfrauen. Infos unter: www.sophie-lange.de

Führungen im Goloring veranstaltet das Kuratorium für Heimatforschung & Pflege Kobern-Gondorf. Neben den offiziellen Terminen können auch weitere Begehungen vereinbart werden. Kontakt: Toni Dickers, Telefon: 02607 – 1651

mm
Endlich Eifel – wegen der vielen Facetten, die für mich die liebenswerte Eifel ausmachen. Maare, Felsenlandschaften, wunderschöne endlose Wälder. Eine wertvolle einzigartige Kulturregion mit bedeutenden historischen Klöstern, Burgen, idyllischen Orten mit guter regionaler Küche. Über all das lohnt es sich zu erzählen.

1 Kommentar

  1. Allen Cockerline 8 Monaten vor

    I lived in the Eifel for 8 years being stationed at Spangdahlem AB. And lived in Eisenschmitt and Bettenfeld.
    I found that the Eifel area was one of the most interesting places to live in.
    Ive been in several castles, partied at the base of an inactive valcano im Bettenfeld and did so many things in the area.
    I TRULLY LOVE THE EIFEL!!!

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